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Zum Tod von Michael Glawogger : Ein Abenteurer des Weltfilms

  • -Aktualisiert am

Im Alter von erst 54 Jahren ist Michael Glawogger im afrikanischen Liberia gestorben Bild: dpa

Im Alter von 54 Jahren ist der österreichische Filmregisseur Michael Glawogger einer Malaria-Erkrankung erlegen. In seinen Dokumentationen suchte für die Vielfalt der Dinge eine offene Form cineastischen Erzählens.

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          Ohne Ziel und Erwartungen, aber mit der Kamera um die Welt reisen und daraus vielleicht einen Film werden lassen: Das war das aktuelle Projekt des österreichischen Filmregisseurs Michael Glawogger, das er nun nicht zu Ende bringen kann. Im afrikanischen Liberia ist er unter noch unklaren Umständen in der Nacht auf Mittwoch einer Malaria-Erkrankung erlegen. Er wurde 54 Jahre alt.

          Glawogger war ein Abenteurer in vielerlei Hinsicht. Es zog ihn zu großen, globalen Synthesen, wie er sie vor allem in seinem Dokumentarfilm „Megacities“ gezogen hat, einer gewagten Verknüpfung von Beobachtungen und Stimmungen, in der er sogar in das Innere von stillen Lesenden in der Moskauer U-Bahn schlüpfte und sie mit ihren Lektüren gleichsam belauschte.

          In „Workingman’s Death“ kroch er mit Männern im Donbass in illegale Gruben, und er sah in Port Harcourt in Nigeria zu, wie ein Tierfleischmarkt funktioniert, bei dem einem Hygiene-Kommissar aus Europa das Grausen käme. Viele Jahre trug Glawogger sich mit einer Verfilmung der „Butterfly Stories“ von William T. Vollman. In dem amerikanischen Grenzgänger zwischen Reportage und Roman hatte er einen Wahlverwandten.

          Eine wichtige Prägung erfuhr Glawogger durch Ulrich Seidl, an dessen Dokumentarfilm „Mit Verlust ist zu rechnen“ er kurz nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs mitarbeitete. Mit Seidl teilte er auch das Interesse für Osteuropa, für das Hinterland eines alten Österreichs, an dessen kulturellen Prägungen er sich mit viel Ironie abarbeitete.

          Die schräge Drogenhändlergeschichte „Contact High“ (2009) ist wohl eine seiner unterschätztesten Arbeiten. Zu dem demnächst ins Kino kommenden Omnibus-Film „Kathedralen der Kultur“ hat Glawogger einen Beitrag über die Russische Nationalbibliothek beigesteuert. Eigentlich aber interessierte ihn weniger die Hochkultur als jene Vielfalt der Dinge, die er in zunehmend offeneren Formen suchte. Es schmerzt, sich den Weltfilm vorzustellen, der nun unvollendet bleiben muss.

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