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Zum Tod von Maria Schell : Das vergessene Lachen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Filmplakat von Maximilian Schells „Meine Schwester Maria” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Maria Schell gehörte - wie Romy Schneider - zu jenen, die immer spielten, als habe man ihnen die Haut vom Leib gezogen. Zum Tod der großen Schauspielerin, die am Dienstag im Alter von 79 Jahren in Kärnten gestorben ist.

          Das Komische lag ihr nicht. Oder war es nur die Verbissenheit, mit der Maria Schell in den siebziger Jahren in einigen Komödien gegen das Fünfziger-Jahre-Etikett "Seelchen" anspielte, daß man ihrer Lockerheit mißtraute? Lachen jedenfalls, zum Beispiel in "Die Brüder Karamasow", konnte sie so mitreißend, daß der Zuschauer sich wünschte, einmal wie sie die Sperriegel der eigenen Gefühle öffnen zu können. Kritiker aber warfen ihr unentwegt die Krokodilsträne auf Knopfdruck vor.

          Weil Maria Schell, Tochter einer österreichischen Schauspielerin und eines Schweizer Schriftstellers und, wie ihre drei Geschwister, von früher Jugend an Schauspielerin, so rasch und so wirksam zur madonnesken und doch sonderbar feminin lockenden Ikone der Wirtschaftswundertraumwelt stilisiert worden war, verschwand die Darstellerin hinter dem Kultbild. "Lächeln unter Tränen" lautete ihr ehernes Markenzeichen, solange die Republik ihrer Intensität noch nicht überdrüssig war. Die Huldigung faßte intuitiv den Zauber, der von dieser Frau in ihren jungen Jahren ausging: Über ihrem Gesicht und ihrem Spiel lag ein Schimmer wie von Perlen, glitzernden Wellen - oder eben Tränen.

          Ihr fiel das Leuchten einfach zu

          Marlene Dietrich oder Kristina Söderbaum, Luder die eine, Heilige die andere, hatten mit Goldstaubpuder und Silberstift dieses Leuchten erreicht. Maria Schell fiel es einfach zu, egal ob sie im Ausland das Luder oder in Deutschland die Keusche spielte. Letzteres tat sie, entgegen dem späteren Verdikt, mit bestechender Natürlichkeit. Daß daraus bei einer guten Vorlage erschütternde Kunst werden konnte, bewies sie, nach Schmachtfetzen wie "Dr. Holl" oder "Der träumende Mund", 1954 mit Helmut Käutners "Die letzte Brücke".

          Auf dem Filmplakat von Maximilian Schells „Meine Schwester Maria” Bilderstrecke

          Als deutsche Krankenschwester im Heereseinsatz, die 1944 in die Hände jugoslawischer Partisanen gerät und, nachdem sie Opfern beider Seiten geholfen hat, dem Krieg, den sie verflucht, selbst zum Opfer fällt, wechselte sie bravourös zwischen Härte und Empfindsamkeit. Ihr Partner Bernhard Wicki fand die Inspiration zu seinem grandiosen Werk "Die Brücke"; Maria Schell erhielt den Darstellerpreis in Cannes.

          Schauspielkunst unter Extrembedingung

          Die Rolle ebnete ihr den Weg nach Amerika. Die Fernsehgesellschaft CBS drehte mit ihr "Botschaft aus dem Kerker", die letzten Stunden einer niederländischen jungen Widerstandskämpferin. Maria Schell spielte unter extremen Bedingungen - drei Viertel der zweistündigen Livesendung waren Monologe. Sofort folgte die Fernsehverfilmung von "Wem die Stunde schlägt". Hemingway feierte sie als Idealbesetzung, Hollywood engagierte sie 1957 für die Gruschenka in den "Brüdern Karamasow". In der "New York Times" hieß es, "ihr Charakter (sei) das faszinierende Rätsel des Films".

          Ebenso überwältigt war Frankreich gewesen, als Maria Schell 1955 die Titelrolle in "Gervaise" gespielt hatte, René Clements Zola-Verfilmung. Als Wäscherin, die ein Unfall ihres Mannes, der ihn zum Wüstling werden läßt, zur Trinkerin macht, strotzte sie vor Vitalität. So, wie sie im englischen Film "Das Herz aller Dinge" nach Graham Greenes Roman 1953 neben Trevor Howard bestrickend verhalten spielte.

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