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Zum Tod von Franco Zeffirelli : „Ciao Maestro“

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Der Opulenz verpflichtet: der italienische Regisseur Franco Zeffirelli in seinem Haus in Rom Bild: EPA

Groß geworden mit Shakespeare: Regisseur Franco Zeffirelli ist gestorben. In seinen Filmen, Theater- und Operninszenierungen zeigte er eine verschwenderische Opulenz.

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          Der italienische Regisseur Franco Zeffirelli ist tot. Das meldete die Deutsche Presse-Agentur am Samstag in Berufung auf Informationen der Franco-Zeffirelli-Stiftung. Auf deren Website hatte die Stiftung sich mit „Ciao Maestro“ von ihrem Namenspatron verabschiedet. Franco Zeffirelli wurde bekannt durch Filme und opulente Theater- und Operninszenierungen, darunter vor allem die Werke William Shakespeares.

          Zeffirelli arbeitete mit den ganz Großen des Fachs, von Riccardo Muti über Joan Sutherland bis Luciano Pavarotti. Die Opernsängerin Maria Callas bezeichnete er als eine Freundin. Für seinen Kinofilm „Der Widerspenstigen Zähmung“ verpflichtete der gebürtige Florentiner 1966 Weltstars wie Liz Taylor und Richard Burton. Das Werk jedoch fiel bei der Kritik durch. Erfolg feierte er dafür zwei Jahre später mit „Romeo und Julia“. Die beiden Hauptdarsteller der Liebestragödie, Leonard Whiting (Romeo Montague) und Olivia Hussey (Julia Capulet) waren zu diesem Zeitpunkt zwei 16 und 17 Jahre alte Unbekannte. Der Film fesselte vor allem die Jugend und brachte Zeffirelli eine Oscar-Nominierung für die beste Regie ein. Beachtung in der Filmszene fand der Regisseur hernach vornehmlich mit seiner Bibelstoffverfilmung „Jesus von Nazareth“, die er mit einem Star-Ensemble versah, darunter Robert Powell als Jesus und Anne Bancroft als Maria Magdalena.

          „Mein Film passt nicht nach Venedig“

          Den entscheidenden Anstoß für die Laufbahn bei Theater und Film hatte Luchino Visconti (1906-1976) gegeben, der ihn nach dem Zweiten Weltkrieg zu seinem Assistenten machte. Zunächst wurde Zeffirelli als Bühnenbildner bekannt, gemeinsam mit Salvador Dalí schuf er die Kulissen für eine Shakespeare-Inszenierung. 1953 führte er erstmals an der Mailänder Scala Regie. „In Italien funktionieren nur drei Institutionen: der Vatikan, die Mafia und die Scala in Mailand“, sagte er später. 1959 inszenierte er im Londoner Covent Garden, 1964 an der Met in New York.

          Auch im Alter machte Zeffirelli noch mit überraschenden Projekten auf sich aufmerksam. Sein Film „Callas Forever“ (2002) mit Fanny Ardant in der Hauptrolle erregte unter anderem auch deshalb Aufsehen, weil Zeffirelli darauf beharrte, dass er nicht beim renommierten Festival von Venedig gezeigt werden dürfe. „Mein Film passt nicht nach Venedig, da werden ja nur iranische und indische Filme gezeigt“, meinte er polemisch.

          Zuvor war ihm bereits mit „Tee mit Mussolini“ (1999) etwas Neues gelungen. Der Film glänzte dank populären Darstellerin wie Cher, Maggie Smith und Judi Dench. Zudem schwelgte Zeffirelli plötzlich in Erinnerungen an sein eigenes Leben, an seine Kindheit und seine Jugend in Florenz. „Eine Mischung aus Verschämtheit und Nostalgie“, nannte der Regisseur das.

          In seinem Leben macht der Regisseur einige Wandlungen durch: „Ich bin kein Mystiker, ich bin ein Pragmatiker“, sagte Zeffirelli einmal über sich. Religion und Ideologie seien seine Sache nicht. Das sollte sich ändern: Nach einem schweren Autounfall im Jahr 1969, bei dem der italienische Filmstar Gina Lollobrigida am Steuer saß, fand er zu tiefer Frömmigkeit und zog entsprechend gegen die „Sexwelle“ im italienischen Kino zu Felde.

          Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Zeffirelli zurückgezogen. In den Fokus rückte er noch mal im Zuge der #MeToo-Debatte, in der ihn der amerikanische Schauspieler Johnathon Schaech mit schweren Vorwürfen konfrontierte. Die Behauptungen seien nicht wahr, teilte der Adoptivsohn Giuseppe Corsi mit. Zeffirellis Gesundheit ließ es nicht mehr zu, sich selbst zu den Vorwürfen zu äußern.

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