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Zum Tod von Bigas Luna : Der gütige Erotiker

Er war eine prägende Figur für das moderne spanische Kino: Der Regisseur Bigas Luna ist im Alter von siebenundsechzig Jahren in Tarragona verstorben.

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          Die Erotik war bei ihm mit dem Essen verbunden, das Essen mit der Erde, die Erde mit den Bäumen, der Sonne, dem Wein: Bigas Luna, der überlebensgroße spanische Regisseur, Drehbuchautor, Talentförderer und Genießer, ist im Alter von 67 Jahren in Tarragona gestorben. Seine schwere Krankheit hatte er vor Branchenkollegen geheim gehalten, auch postume Hommagen hat er sich testamentarisch verbeten. Sein letztes Filmprojekt wird von einem Mitarbeiter weitergeführt.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          „Jamón, jamón“, Bigas Lunas berühmtester Film, gewann 1992 in Venedig den Silbernen Löwen und brachte den ersten fulminanten Auftritt der späteren Hollywood-Stars Javier Bardem und Penélope Cruz, deren Liebesszene unter freiem Himmel wie ein Wappen des Regisseurs die Nachrufe in den spanischen Zeitungen illustriert. Zu diesem Zeitpunkt war Bigas Luna schon wieder aus Hollywood zurückgekehrt, wo er vier Jahre gearbeitet und 1987 „Angustia“ (Im Augenblick der Angst) gedreht hatte.

          Von ansteckender Kraft

          „Jamón, jamón“ bildete den Auftakt zu einer Trilogie, der „Macho“ (1993) und „Die Titte und der Mond“ (1994) folgten. Auch wenn er nicht die dramatische Gabe und das visuelle Genie eines Pedro Almodóvar hatte, für das moderne, fröhliche und enthemmte spanische Kino nach Franco war Bigas Luna prägend. Manche seiner Szenen sind kitschig und viel zu lang, davon zeugen „Das Zimmermädchen der Titanic“ (1997) oder „Volavérunt“ (1999).

          Weil das aber nicht alles ist, haben seine Schauspieler jetzt an seine Güte und ansteckende vitale Kraft erinnert: Er hatte ein freundliches Wort für die vierzehnjährige Penélope Cruz, als sie sich in ihr erstes Casting schlich, und rief sie drei Jahre später wieder an. Javier Bardem schrieb in seinem Nachruf für „El País“, er verdanke Bigas Luna, dass er überhaupt Schauspieler geworden sei. Könnte der Regisseur selbst noch einen Rat erteilen, würde er den Trauernden wohl sagen: Geht gut essen.

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