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Zum Tod von Christopher Lee : Der Fürst des Schreckens

Ein Meister des Schreckens: Auch im James Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ war Christopher Lee der Bösewicht. Bild: AFP

Das Dunkle und Abgründige war seine Spezialität: Kein Dracula war gruseliger, keiner so elegant in seiner Grausamkeit. Jetzt ist der Schauspieler Christopher Lee gestorben.

          Wenn der Mann, vor dem man sich ein Leben lang am allermeisten gefürchtet hat, stirbt – was sagt, was fühlt man dann? Er war wunderbar. Ein Großer! Einer, vor dem die eigene Furcht keine Schande war. Ein bisschen Lust gehörte zu ihr und immer Schrecken, aber niemals Scham.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Christopher Lee, der erste „Dracula“ in meiner Kinoerfahrung (später erst kamen die früheren Max Schreck und Béla Lugosi hinzu, beide weit weniger gefährlich), war ein Herr des Horrors, wahrscheinlich machte er deshalb so tiefe Angst. Weil er Manieren hatte und höflich war, bevor er zubiss, zärtlich beinahe, aber gnadenlos. Nun ist er gestorben, dreiundneunzigjährig in einer Klinik in London, und man darf, ohne die Pietät zu verletzen, sagen, dieser Tod war seiner würdig: einen Tag lang immer wieder gemeldet, immer wieder dementiert, gerade so, als müsse der in seinen Rollen so oft zur Unsterblichkeit Verdammte tatsächlich mit Einbruch der Nacht immer wieder auferstehen. Schließlich hörten die Dementis auf. Christopher Lee, geboren am 27. Mai 1922 in London, ist tatsächlich am 7. Juni ebendort gestorben.

          Lachen verbindet: Christopher Lee (links) mit seinem Schauspielkollegen Vincent Price während einer Drehpause zu „The Oblong Box“, 1968 Bilderstrecke

          Mehr als 270 Rollen sind unter seinem Namen aufgelistet, eine wahrhaft übernatürliche Zahl. Nicht alle gehören zu Horrorfilmen, aber die meisten; zahlreiche hat er für Hammer Films gespielt, das britische Spezialitätenlabel des Genres, wo man wusste, wie das geht, Stil und Schrecken unter einen Hut zu bringen. Das begann in den Fünfzigern, 1974 landete er als Bösewicht bei James Bond, und so ging es bis ins hohe Alter weiter. Auch im „Herrn der Ringe“ war Lee böse, auch in „Star Wars“ keiner der Guten. Er war einfach zu überzeugend grausam, während er aussah wie ein Graf, als man darunter noch etwas Vornehmes verstand. Vermutlich hat er das Adelige, lange bevor die Queen ihm den „Sir“ gab, von seiner Mutter, einer Herzogin italienischer Abstammung, und die Haltung von seinem Vater, einem englischen Militär. Und seine Vielsprachigkeit aus der Schweiz, wo er aufwuchs.

          „Tall, Dark and Gruesome“ nannte er seine Autobiographie, ein Titel, dazu angetan, den Mann für seine Rollen zu halten. Es gab also Grund, sich zu fürchten. Kein Dracula war gruseliger. Möge er in Frieden ruhen.

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