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Zum Tod des Filmproduzenten : Unsere Eichinger-Momente

  • Aktualisiert am

Sein kehliges Lachen, seine Begeisterungsfähigkeit, sein Sinn fürs Große und den Erfolg. Wegebegleiter wie Dominik Graf, Caroline Link, Wolf Wondratschek und F.A.Z.-Kritiker erinnern sich an ihre persönlichen Eichinger-Momente und seine größten Filmszenen.

          8 Min.

          Dominik Graf
          Rauch über den Köpfen

          Großes Herz, großes Herz - und was für ein großes Herz! Für alle, die beim deutschen Film Leidenschaft zeigten so wie er, für alle, die mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz Probleme bekamen - er hat ihnen geholfen, wo er nur konnte, Man kann's nicht oft genug sagen, weil er ja selbst nie Aufhebens gemacht hat über seine Bereitschaft, anderen, die ins Stolpern gekommen waren, unter die Arme zu greifen. Und ein Leben wie sein Kino: XX-Large, als Traum geboren in der Filmhochschule der Kaulbachstraße, schräg gegenüber der Münchner AFN-Zentrale, fünfhundert Meter Luftlinie zu den damals besten Lokalen in der Türkenstraße, „Bungalow“ und „Stop In“.

          Später verlagerten sich die Planungs-Bunker zum „Romagna Antica“ am Nordbad und zum „Schumann's“, der ewigen Legende an der Maximiliansstraße. Im Qualm der Lokale Münchens, im Rauch über den Köpfen entstand Eichingers Kino-Vision wie der Djinn aus der Flasche in Disneys „Aladin“. Dann Expansion der Geschäfte nach Hollywood, manchmal gaben die Japaner den Ausschlag dafür, dass seine Großprojekte machbar wurden. Allein der Krimi der Finanzierungsstory von „Der Name der Rose“! Va banque, jedes Mal wieder. Pardon wird nicht gegeben, vor allem nicht sich selbst. Das soll ihm mal einer nachmachen. „Du wirst geschmiedet werden auf dem Amboss der Einsamkeit, mit dem Hammer der Verzweiflung!“ Sagt's und platzt unnachahmlich vor herzlichem Lachen, und dann klirren die Gläser.

          Bernd Eichingers Tod : Große Trauer um den Regisseur

          Die unausweichlich vergehende Zeit funktioniert wie eine langsame Kamera-Kranfahrt nach oben: Allmählich wird die Topographie des westdeutschen Films nach Oberhausen sichtbar. Und man sieht mit Erstaunen, dass alle, die es so weit in die Welt getrieben hat, ursprünglich aus Kleinstädten kamen, aus der Provinz. Und sie wanderten in die Metropolen, „if I can make it there I'll make it anywhere!“ Das gelang. First we take Munich, then we take L.A. Bernd Eichingers Kino ging in die Welt. Dolby SR, keine Minute Pause in den Filmen, immer „gib ihm“ - „germanische Tonspur“ und großes Besteck. Da, wo all die Jahre seine Filme waren wie gefährlich große Kometen, da ist jetzt ein Krater. Ratlosigkeit. Ein Energiefeld ist verschwunden, an seiner Statt eine schmerzende Leerstelle. Wie werden wir ihn vermissen!

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          Caroline Link
          Was wir von ihm wollten

          Da war auch immer so eine Traurigkeit. Neben dem lauten, herzlichen Lachen, dem kumpelhaften, verbindlichen Ton. Da war oft auch der Blick, der mir so vorkam als würde er sagen: „Was wollt ihr denn noch von mir? Wann ist das endlich mal gut so, wie ich das mache?“ Klar, der Bernd war selbstsicher, hatte er ja auch allen Grund dazu. So viel Erfolg, so oft das Spiel gewonnen! Aber irgendetwas war noch nicht erledigt, irgendwas wollte er noch schaffen. Die ungeteilte Anerkennung der Kritik bekommen? Noch eine goldene Lola für einen seiner Filme? Einen eigenen Oscar? Wahrscheinlich stand er über solche Äußerlichkeiten. Oder nicht? Bernd Eichinger hat mich als Mensch beeindruckt. Weil er echt war. Authentisch. Eigenwillig, loyal und warmherzig. Wir haben bei „Nirgendwo in Afrika“ miteinander gekämpft. Aber er war auch einer der Ersten, die mir von ganzem Herzen gratuliert haben, als der Film erfolgreich wurde. Ich muss gestehen, ich bin über mich selbst überrascht, wie traurig ich bin, dass er jetzt tot ist. Wir standen uns ja gar nicht so nah. Aber es gibt wohl Persönlichkeiten, die spielen eine größere Rolle im eigenen Leben, als man sich eingestehen mag. Bernd Eichinger war für mich so eine Persönlichkeit. Er wird mir fehlen.

          * * *

          Verena Lueken
          Das Wichtigste ist der Dreck

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