https://www.faz.net/-gqz-a38q3

Zum Tod von Diana Rigg : Charme für die Ewigkeit

  • -Aktualisiert am

Für die Rolle der Olenna Tyrell in „Game of Thrones“, die sie 2013 bis 2017 spielte, war sie viermal für den Emmy-Award nominiert. Bild: Picture-Alliance

Von der Spionin im Catsuit zur Altersrolle mit Bereitschaft zur Niedertracht: Die Shakespeare-Schauspielerin Diana Rigg erspielte sich ihren Platz in der Popkultur.

          1 Min.

          Lady Olena Tyrell, auch genannt die Königin der Dornen, ist eine Nebenfigur in „Game of Thrones“, die mütterliche Eigenschaften mit der für die Serie typischen Bereitschaft zur Niedertracht verbindet. Verborgen blieb diese Bedrohung zumeist hinter eine Miene, in der Milde und Verachtung eben nicht miteinander kämpften, sondern, soweit das denkbar ist, miteinander harmonierten. Für Diana Rigg war Lady Olena die große Altersrolle, weit entfernt von der jungen Popkultur, für die sie in den sechziger Jahren eine der ersten weltweit populären Verkörperungen wurde: zuerst als Emma Peel, eine Spionin, die in der Serie „The Avengers“ gern Catsuit trug, dann bald darauf auch in einem Film mit James Bond: „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, der einzige mit George Lazenby in der männlichen Hauptrolle und der einzige, in dem Bond eine Ehefrau hat. Sie heißt Tracy und ist schon wenige Sekunde nach einer Ohrfeige bereit zu einem Retourkuss.

          „Mit Schirm, Charme und Melone“ lautete der deutsche Synchrontitel der „Avengers“, womit nur notdürftig die Vorzüge angedeutet sind, die Emma Peel damals mitbrachte: Zwar war sie unweigerlich attraktiver Sidekick für einen Gentleman alter Schule; aber mit ihrem unglaublichen Repertoire an Fähigkeiten war sie auch ein Indiz für die Extra-Kilometer, die Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung bis heute abverlangt werden.

          Sie war natürlich, mit ihren Kampfmethoden, auch eine Vorkämpferin des Minirocks, der gewissen Schlägen und Tritten erst die notwendige Freiheit erlaubt. Dass in England auch Frauen, die wegen ihres „M-Appeals“ (so eine geläufige Abwandlung von Emma Peel) besetzt werden, vorher eine Shakespeare-Ausbildung hatten, passt ins Bild. Diana Rigg, geboren am 20. Juli 1938 in Doncaster, Yorkshire, wurde 1959 Mitglied der Royal Shakespeare Company. Sie spielte auch Brecht, 1957 debütierte sie in „Der kaukasische Kreidekreis“.

          In dieser Rolle wurde sie berühmt: Mit Schauspieler Patrick Macnee als „Emma Peel“ in „Mit Schirm, Charme und Melone“. Bilderstrecke
          Diana Rigg : Charme für die Ewigkeit

          Allzu viele interessante Rolle bescherte ihr das Kino nach ihren Erfolgen in den Sixties nicht. 1970 erregte sie Aufsehen, weil sie in einer Theaterproduktion nackt auftrat. Später tauchte sie in der Serie „Doctor Who“ auf, und lohnend ist auf jeden Fall, nach ihr in sechs Episoden von „The Detectorists“ Ausschau zu halten. Eine Miniserie von „Black Narcissus“ nach dem Roman von Rumer Godden, den auch das geniale Duo Powell/Pressburger adaptierte, befindet sich in Postproduktion. Dort wird man Diana Rigg leider nur noch postum sehen können. Sie starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren in London.

          Weitere Themen

          Gibt es Sprechverbote in Deutschland?

          Streitgespräch : Gibt es Sprechverbote in Deutschland?

          Sie stimmt nicht mit den Menschen überein, die Deutschland einen allgegenwärtigen Rassismus attestieren. Für ihn dagegen ist Rassismus Alltag. Ein Streitgespräch über Identitätspolitik zwischen Canan Topçu und Krsto Lazarević.

          Topmeldungen

          Canan Topçu und Krsto Lazarević

          Streitgespräch : Gibt es Sprechverbote in Deutschland?

          Sie stimmt nicht mit den Menschen überein, die Deutschland einen allgegenwärtigen Rassismus attestieren. Für ihn dagegen ist Rassismus Alltag. Ein Streitgespräch über Identitätspolitik zwischen Canan Topçu und Krsto Lazarević.
          Wer die Zeit und das Geld hatte, hat sich in diesem Sommer gerne im eigenen Pool gesonnt.

          Vermögensvergleich : Wie reich sind Sie wirklich?

          Neue Zahlen zeigen, wie sich das Vermögen der Deutschen über das Leben entwickelt. Schon mit einem abbezahlten Haus und einer Lebensversicherung können Sie zu den oberen zehn Prozent gehören. Testen Sie selbst, wo Sie in Ihrer Altersgruppe stehen!

          Essay von Friedrich Merz : Die Partei des Wandels

          Die CDU will den Wandel unserer Zeit aktiv gestalten. Wir wollen das, was sich bewährt hat, bewahren, um den Menschen Sicherheit zu geben. Wir „demobilisieren“ nicht unsere Gegner, wir stellen uns der kontroversen Debatte. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.