https://www.faz.net/-gqz-a7gp0

Faye Dunaway wird achtzig : Die weiße Magierin des Bildes

Man sieht, dass sie denkt, wenn sie spielt: Faye Dunaway in Norman Jewisons Film „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ von 1968 Bild: Picture-Alliance

Ihre Karriere begann mit einem Film, der Epoche machte. Danach erlebte sie das neue Hollywood in seinen besten Jahren. Ein Porträt der Schauspielerin Faye Dunaway zu ihrem achtzigsten Geburtstag.

          4 Min.

          Am Anfang von Vittorio de Sicas Film „Amanti“ von 1968 steht Faye Dunaway in einem senfgelben Zweiteiler mit weißem Hut vor der Villa Barbaro in der Nähe von Venedig. Die Palladio-Villa gehört der allein lebenden Modedesignerin Julia, die sie spielt, und so stürmt sie mit großen Schritten die Auffahrt hinauf, läuft dann wie verloren zwischen den Veronese-Fresken von Göttinnen, Adelsdamen in Seidenkleidern und Jünglingen im Jägerkostüm hindurch in ihr Schlafzimmer und sinkt erschöpft auf ein Himmelbett mit blauen Brokatvorhängen. Aber das Ticken der Standuhr lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Nach kurzem Zögern steht sie auf, greift in das Gehäuse und hält das Pendel an. Der Zeiger steht still.

          Schneller, als die Männer gucken

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es ist nicht das einzige Mal, dass Faye Dunaway im Kino die Uhren anhält. Wenn sie im Bild erscheint, ist es oft, als hätte sie ihr eigenes Zeitmaß mitgebracht, einen Rhythmus, der auf ihre Mitspieler überspringt, sobald sie sie erblicken. In „Chinatown“ bleibt Jack Nicholson der Chinesenwitz, den er gerade erzählt, im Hals stecken, als sie hinter ihm aus der Tür seines Büros kommt, und in „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ gefriert für einen Sekundenbruchteil das Lächeln in Steve McQueens Gesicht, als er merkt, dass sie ihn mit einer Super-8-Kamera fixiert. In „Network“, dem Film, für den sie den Oscar bekam, beginnt die Zeit zu rasen, sobald die Producerin Diana Christensen die Räume des Fernsehsenders UBS betritt, und diese Energie fährt Bossen wie Studioangestellten in Arme und Beine, sie wirken wie aufgewühlt unter dem Trommelfeuer von Christensens Mundwerk.

          In der berühmtesten Szene des Films hat sich Diana mit dem Nachrichtenchef Max, der von William Holden gespielt wird, in einem Hotel einquartiert, und während sie binnen zwei Minuten ihre Kleider abwirft, unter die Bettdecke schlüpft, ihren Geliebten empfängt, rittlings über ihm zum Höhepunkt kommt und entspannt in seine Arme sinkt, quasselt sie unaufhörlich von Einschaltquoten, Publicity und Ideen für neue Serien. Der Begriff der Karrierefrau hat durch „Network“ eine neue Bedeutung bekommen: Es ist die Frau, die schneller redet, als Männer gucken können.

          Eine neue Epoche im Kino: Faye Dunaway und Warren Beatty 1967 in Arthur Penns „Bonnie und Clyde“ Bilderstrecke
          Stationen einer Karriere : Faye Dunaway in ihren Filmen

          Wenn man auf die Karriere Faye Dunaways zurückblickt, staunt man über die Leichtigkeit, mit der ihr Stern am Himmel Hollywoods aufging, so als hätte eine ganze Generation von Regisseuren nur auf das Mädchen aus Tallahassee in Florida gewartet. Die Tochter eines Armeeoffiziers, der seine Familie erst zeitweise und dann dauerhaft im Stich ließ, wurde als Schauspielschülerin von Elia Kazan entdeckt, spielte mit zweiundzwanzig am Broadway und stand mit fünfundzwanzig neben Anthony Quinn und Michael Caine vor der Kamera. Zwei Jahre später wurde sie von Arthur Penn für die weibliche Hauptrolle eines historischen Gangsterdramas gecastet, das Warren Beatty, der Hauptdarsteller, produzierte. Beatty hätte lieber mit Jane Fonda oder Natalie Wood gedreht, aber Penn bestand auf Dunaway. So entstand „Bonnie und Clyde“.

          In ihrer 1995 erschienenen Autobiographie hat die Schauspielerin den Beginn der Dreharbeiten in Texas beschrieben: „Ich sitze in einem frisch gemähten Weizenfeld nördlich von Dallas. Meine Arme umklammern meine Knie. Wenn ich verschwinden könnte, würde ich das tun. Wir haben gerade die ersten Muster gesehen, und ich bin außer mir. Ich bin hässlich, ich fühle mich hässlich. Ich konnte mich nicht ertragen, meine Art, meine Gesten.“ Und dann, drei Tage später, die Wende: „Eines Morgens hörte es auf. Ich akzeptierte, wer ich war und wie ich aussah. Seitdem ist es für mich unabdingbar, die Muster zu sehen. Während ich sie anschaue, werde ich zu meinem eigenen Publikum.“

          Weitere Themen

          Deutschland als Picasso-Land

          Buch zur Ausstellung : Deutschland als Picasso-Land

          Die Kunsthalle Bremen hat ihre Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg auf kluge Weise erweitert. Das taten auch noch weitere Museen, wie nun bestens dokumentiert ist.

          Willkommen im Club!

          FAZ Plus Artikel: App „Clubhouse“ : Willkommen im Club!

          Die Social-Audio-App Clubhouse hat den Podcast zum Mitmachen erfunden und wird als Elite-Treffen inszeniert. Nicht jeder darf rein. Dafür will die App auf das persönliche Telefonbuch zugreifen. Was soll das?

          Topmeldungen

          Kramp-Karrenbauer auf der Regierungsbank des Bundestags

          Kramp-Karrenbauer : Und was wird jetzt aus ihr?

          Als CDU-Vorsitzende ist sie gescheitert. Als Verteidigungsministerin könnte sich Annegret Kramp-Karrenbauer noch bewähren – wenn sie denn die Chance dazu bekommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.