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Faye Dunaway wird achtzig : Die weiße Magierin des Bildes

Bonnie und Clyde machten Schule

Diese Haltung spricht aus all ihren Filmen. Es gibt Stars, die sich in ihren Figuren immer neu erfinden, Instinktspieler, die sich von ihren Rollen beherrschen lassen. Faye Dunaway gehört nicht dazu. Sie zählt zu den Konstrukteurinnen, den weißen Magierinnen des Metiers. In jeder ihrer Verwandlungen steckt, wie bei Isabelle Huppert oder Julianne Moore, eine Frau, die denkt. In „Chinatown“ ist sie es, die in der Kussszene zweimal prüfend die Augen aufschlägt, während Jack Nicholson alias Jake Gittes ihr blind verfällt. In „Die drei Musketiere“ und „Die vier Musketiere“ mokiert sie sich auf ihre Weise über den Talmiglanz des Kostümdramas. Die Dreharbeiten zu Richard Lesters Dumas-Adaption standen vor dem Abbruch, als die Schauspieler erfuhren, dass sie statt in einem in zwei Filmen spielen sollten. Die mechanische Bosheit, mit der Dunaways Lady de Winter ihre Intrigen spinnt, ist auch ein Kommentar zur Mechanik einer Produktion, die mit einem Trick aus den Akteuren das Doppelte herausholte.

„Bonnie und Clyde“ war der Anfang einer Epoche im Kino. Zum ersten Mal sah man, dass Verbrechen sich lohnte, weil es unsterblich machte, jedenfalls wenn man, wie Bonnie, die eigene Geschichte in Verse packen konnte. Der Kostümfilm über ein Gangsterpärchen in den Jahren der Depression machte Schule. Der Bankraub als Revolutionsspektakel kam in Mode, der Bubikopf, das Barett und die langen Röcke Faye Dunaways wurden zum Outfit des Frühjahrs 1968. „Der Pate“, „Der Clou“ und Sergio Leones Amerika-Trilogie ernteten auf dem Feld, das Beatty und Penn bestellt hatten. Aber der Überraschungserfolg von „Bonnie und Clyde“ trieb auch eine andere Entwicklung voran, den kurzen Flirt Hollywoods mit dem Autorenfilm. Beatty hatte das Projekt ohne Mitsprache des Warner-Studios produziert. So wurde es zum Muster für ein Jahrzehnt.

Marcello Mastroianni war ihre große Liebe

Nicht zufällig hat Faye Dunaway die meisten ihrer großen Rollen in den siebziger Jahren gespielt. „Chinatown“, „Die drei Tage des Condor“, „Network“ und „Die Augen der Laura Mars“ wurden zu Klassikern, weil Regisseure wie Roman Polanski, Sydney Pollack oder Sidney Lumet eine Freiheit genossen, die sie nie zuvor gehabt hatten und nie wieder haben sollten. Faye Dunaways akribische Figurenzeichnungen bekamen einen Resonanzraum, in dem sie vor außerkünstlerischen Eingriffen geschützt waren. So wurden sie unvergesslich: Evelyn Mulwray, das Opfer des väterlichen Inzests; Kathy Hale, die Freundin des CIA-Agenten; Diana Christensen, die Prophetin des Reality-Fernsehens.

In „Amanti“ traf das Mädchen aus Tallahassee auf ihren Traumpartner: Marcello Mastroianni. Die beiden blieben bis 1970 zusammen, und noch Jahrzehnte später hielt sie ihn für die Liebe ihres Lebens. Danach lernte Faye Dunaway, Beruf und Gefühl zu trennen. Sie heiratete erst den Musiker Peter Wolf, dann den Fotografen Terry O’Neill, und später war sie mit dem Bestsellerautor Frederick Forsyth zusammen.

Das Alter ist eine Zumutung für alle, aber eine Folter für Filmstars, und wenn man neuere Fotos von Faye Dunaway sieht, merkt man, dass es ihr schwerfällt, sie zu ertragen. Ihre Abschiedsszene hat sie, trotz mancher denkwürdiger Auftritte seither, schon vor einem Vierteljahrhundert in „Don Juan DeMarco“ gedreht. Da steht sie mit Marlon Brando im Sonnenuntergang am Strand, von irgendwoher kommt Musik, er reicht ihr den Arm, sie nimmt seine Hand, und sie tanzen. Das Kino lieben heißt zu wünschen, dass ein Bild niemals aufhört. Heute wird Faye Dunaway achtzig Jahre alt.

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