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Richard Donner zum Neunzigsten : Anweisungen sind auch nicht alles

Weiß, wann er seinen Schauspielern vertrauen kann: Regisseur Richard Donner, hier am Set von „The Toy“ 1982 Bild: Picture-Alliance

Anfangs wollte Richard Donner gar nicht hinter die Kamera. Dabei brauchte es seinen eigenwilligen Kopf, um Action-Klassiker wie „Superman“ und „Lethal Weapon“ zu filmen.

          2 Min.

          Es gibt Begegnungen, die ein Leben verändern können. Richard Donner stellte das 1951 am Set von „Des Menschen Hörigkeit“ fest. Er sollte in der Fernsehadaptation des Somerset-Maugham-Romans eine kleine Rolle spielen, geriet jedoch mit Regisseur Martin Ritt aneinander.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Sie können keinen Anweisungen folgen, Sie sollten besser selbst Regisseur werden“, sagte Ritt und machte den einundzwanzigjährigen New Yorker, der als Richard Donald Schwartzberg in der Bronx aufgewachsen war, kurzerhand zu seinem Regieassistenten.

          „Das hat mein Leben erst in die richtige Richtung gebracht“, erinnert sich Donner Jahrzehnte später in einem Interview mit einem amerikanischen Filmmagazin zurück. Donner wurde Regisseur und behielt dabei seinen eigenwilligen Kopf, der Filmstoffe nie eindimensional umsetzte.

          Und nachher fliegst Du dann: Richard Donner (links) am Set mit Marc McClure, Jackie Cooper, Margot Kidder und „Superman“ Christopher Reeve (hier als Clark Kent mit Brille)
          Und nachher fliegst Du dann: Richard Donner (links) am Set mit Marc McClure, Jackie Cooper, Margot Kidder und „Superman“ Christopher Reeve (hier als Clark Kent mit Brille) : Bild: Picture-Alliance

          So schenkte er dem Kino unter anderem mitten im Superhelden-Actionfilm „Superman“ (1978) jene Szene (die selbst heutige CGI-Technik nicht besser hinbekäme), in der der stahlharte Übermensch mit der Reporterin Lois Lane über das nächtliche New York fliegt, die Freiheitsstatue umrundet und dann durch eine mondbeschienene Wolkendecke bricht. Wer sagt, dass ein Actionfilm ohne Romantik auskommen müsste? (Oder wie Donner es einmal formulierte: „Wenn Sie etwas Deprimierendes sehen wollen, müssen Sie doch nur die Nachrichten einschalten.“) Dafür aber brauchte er gute Schauspieler, die verstanden, dass ein „Genrefilm“ mit dem gleichen Ernst zu spielen ist wie das große Hollywood-Drama.

          Zwischen Held und halbem Hemd

          Was er seinen Darstellern aufbürdete, wusste Donner aus seiner eigenen Erfahrung vor der Kamera. So legte er die Rolle des Superman auf die starken Schultern Christopher Reeves und ließ den jungen Schauspieler zwischen der Figur des tapsigen Clark Kent und seinem Alter Ego vom Planeten Krypton wechseln, indem er ihm lediglich eine übergroße Brille gab, die als einziges Merkmal den Rollenwechsel zwischen Held und halbem Hemd markierte.

          Mit Vietnam-Trauma: Mel Gibson in der Rolle des Cops Martin Riggs in „Lethal Weapon“
          Mit Vietnam-Trauma: Mel Gibson in der Rolle des Cops Martin Riggs in „Lethal Weapon“ : Bild: Picture-Alliance

          Ebenso ging er zu Recht davon aus, dass Marlon Brando als Supermans Vater Jor-El genug Leinwandpräsenz haben würde, selbst wenn er ihn nur als schemenhaften Geisterkopf durch einen Eispalast schweben ließ. Oder dass es Mel Gibson in „Lethal Weapon“ (1987) gelingen würde, einen Polizisten zu spielen, dessen Psyche der Vietnam-Krieg so zerrüttet hatte, dass er selbst zur titelgebenden tödlichen Waffe wird. (Wer sagt, dass ein Actionfilm ohne Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen auskommen müsste?)

          Donner vertraute seinen Schauspielern und versuchte, ihre Kreativität zu respektieren, statt ihnen mit unsinnigen Anweisungen ins Handwerk zu pfuschen. Heute wird er neunzig Jahre alt.

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