https://www.faz.net/-gqz-8o6os

Zum 100. von Kirk Douglas : Immer auf dem Sprung zum Ausbruch

Große Männer, kleine Pferde: 1958 spielte Doglas in „Die Wikinger“.

Ein konsequent harter Mann

Beim Sprung von der Bühne auf die Leinwand halfen Kirk Douglas sein gestählter Körper, den er als Ringkämpfer während der Schauspielausbildung geformt hatte, und seine frühere Kommilitonin Lauren Bacall, die ihn dem Regisseur Hal B. Wallis empfahl, der gerade das Melodrama „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ produzierte und dabei selbst teilweise Regie führte, weil der eigentliche Regisseur, Lewis Milestone, sich weigerte, Einstellungen mit Wallis’ Lieblingsschauspielerin Lizabeth Scott nachzudrehen. Da Douglas mehrere gemeinsame Szenen mit ihr hatte, kam er am Ende größer heraus als erwartet – auch in der Wahrnehmung der Branche. Den festen Vertrag mit Wallis über fünf Filme erfüllte er nicht. Eine wankelmütige Figur wie den Walter O’Neil wollte und sollte er danach nie mehr spielen. Erscheinungsbild und Umgangsformen prädestinierten ihn zum harten Mann.

Der war Douglas konsequent, auch abseits der Leinwand. Am berühmtesten ist sein kompromissloser Einsatz für den Drehbuchschreiber Dalton Trumbo, der als einer der „Hollywood Ten“ seit 1947 auf der Schwarzen Liste stand, aber unter Pseudonymen weitergearbeitet und zwei Oscars gewonnen hatte, ohne dass er sie hätte entgegennehmen dürfen. Für „Spartacus“ wollte der Hauptdarsteller und Mitproduzent Douglas die bestmögliche Besetzung, also wechselte er den ursprünglich engagierten Regisseur Anthony Mann gegen Stanley Kubrick aus (mit dem er bei dem Kriegsfilm „Wege zum Ruhm“ gute Erfahrungen gemacht hatte) und bestand nicht nur auf Trumbo als Drehbuchautor, sondern auch darauf, dass dieser im Vorspann genannt wurde. Den auf dem Gipfel seiner Popularität stehenden Douglas als Linken zu verfemen fiel den Kommunistenfressern in Hollywood schwer; die Zeiten hatten sich gewandelt.

Unbeugsam geblieben

Allerdings auch ästhetisch. Der 1960 gedrehte „Spartacus“ gehört in Erscheinungs-, Männer- und Frauenbild noch dem vorangegangenen Jahrzehnt an. Einen Stoff wie „Einer flog über das Kuckucksnest“, dessen Verfilmungsrechte Douglas kurz danach erworben hatte, traute er sich selbst nicht mehr zu: Zu ambivalent war die Hauptrolle, also gab er die Rechte an seinen Sohn Michael weiter, der in Jack Nicholson schließlich einen Star des New Hollywood dafür fand. Das war 1975, als Douglas kaum noch Filme drehte.

Zum siebzigsten Geburtstag bescherte er sich 1986 in „Archie und Harry“ ein nostalgisches Wiedersehen mit einem der wenigen großen Stars der Fünfziger, die ihm gewachsen waren: Burt Lancaster. Solchen augenzwinkernden Filmvehikeln, Auswege mit anderen Mitteln, blieb er weiter treu bis hin zum gemeinsamen Auftritt mit Michael Douglas, dessen Mutter Diana, von der Kirk sich 1951 hatte scheiden lassen, und dem Enkel Cameron Douglas in einem Film, der höchst passend „Es bleibt in der Familie“ hieß.

Heute werden die noch lebenden Beteiligten – Diana Douglas starb vor einem Jahr – den hundertsten Geburtstag des kantigen Giganten feiern, der, wie wir seit seinem Auftritt bei der Oscar-Verleihung 2011 wissen, ein zarter Herr geworden ist. Aber unbeugsam geblieben.

Weitere Themen

Zwischen Horrorfilm und Neorealismus Video-Seite öffnen

Filmkritik „Wo ist Kyra?" : Zwischen Horrorfilm und Neorealismus

"Wo ist Kyra?" von Fotograf Andrew Dosunmu ist ein Hollywood-Film und Arthouse zugleich. Und beides auch wieder nicht. Denn die Zielgruppen beider Genre müssen sich an etwas gewöhnen, das sie sonst ablehnen. Warum der Film sowohl inhaltlich als auch künstlerisch sehenswert ist, verrät F.A.Z.-Redakteur Dietmar Dath.

Die Drift nach oben Video-Seite öffnen

Landkarte des Kunstmarkts : Die Drift nach oben

Die Preise für Kunst sind absurd? Nein. Sie sind das realistische Abbild des globalen Reichtums. Eine Landkarte des Kunstmarkts, der in Wirklichkeit schrumpft und nur knapp dem Umsatz von Rewe entspricht.

Topmeldungen

Seit mehr als einer Woche sitzt Stephan E. bereits in der JVA Kassel I im Gefängnis. Nun soll er dem Mord an Walter Lübcke gestanden haben.

Sitzung des Innenausschusses : Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

Der dringend Tatverdächtige Stephan E. hat gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Das bestätigte Bundesinnenminister Seehofer. E. habe ausgesagt, allein gehandelt zu haben.

Mehrbelastung : Die neue Grundsteuer schafft viele Verlierer

Die Reform der Grundsteuer hat zum Ziel, die Steuerzahler zukünftig nicht mehr zu belasten. Doch selbst wenn die Städte den Hebesatz anpassen, zahlen manche mehr.

Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.