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Zhang Ziyi : Schwester Mond

Mondsüchtig: Zhang Ziyi in Wong Kar-wais „2046” Bild: Prokino

In Zhang Yimous neuem Schwertkämpferfilm „House of Flying Daggers“ und in Wong Kar-wais Kinoliebesoper „2046“ ist sie im Januar bei uns zu sehen. Mit fünfundzwanzig Jahren gehört Zhang Ziyi schon zu den Großen des Weltkinos.

          In Zhang Yimous Film "Hero" von 2002 spielt Zhang Ziyi die Assistentin und Geliebte eines Schwertkämpfers, der gegen den künftigen Kaiser von China zu Felde zieht. Als der Meister durch eine eifersüchtige Kollegin tödlich verletzt wird, wirft sich Moon für ihn in den aussichtslosen Kampf.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es ist der Augenblick, in dem sie am schönsten ist, ihr Gesicht zerrissen von Furcht und Stolz und Haß, ihr Körper gespannt wie die Sehne eines Bogens, der den rächenden Pfeil abschießt. Und es ist der Moment ihres Todes.

          Mit 25 schon eine der Großen des Weltkinos

          Auf dieses Aufglühen, diese flüchtige Mischung aus Romantik und Körperlichkeit versteht sich die chinesische Schauspielerin Zhang Ziyi, die mit fünfundzwanzig Jahren schon zu den Großen des Weltkinos gehört. Nach ihren Auftritten in "Hero" und in Ang Lees "Crouching Tiger, Hidden Dragon" hat sie die Hauptrollen in Zhang Yimous neuem Schwertkämpferfilm "House of Flying Daggers" und Wong Kar-wais Kinoliebesoper "2046" gespielt, die beide in diesem Monat in die deutschen Kinos kommen.

          Nur ein Bild der Phantasie? Zhang Ziyi mit Tony Leung in „2046”

          Und Ende des Jahres wird sie in Rob Marshalls Romanverfilmung "Memoirs of a Geisha" zu sehen sein, neben zwei weiteren Diven des chinesischen Kinos, Gong Li und Michelle Yeoh. Darin spielt Zhang Ziyi ein Mädchen vom Lande, das zur berühmtesten Geisha Japans aufsteigt, bevor mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ihr Glück zerbricht. Für den Film mußte Zhang Ziyi lernen, Englisch mit japanischem Akzent zu sprechen, aber auch diese Herausforderung hat sie mit ihrer gewohnten Mischung aus Fleiß und Zähigkeit gemeistert.

          Mondsüchtige Madonna der käuflichen Lust

          Zhang Ziyi, Tochter eines kleinbürgerlichen Ehepaars in Peking, kam mit elf Jahren in eine Tanzschule und mit siebzehn in die Schauspielakademie der chinesischen Hauptstadt. Der Regisseur Zhang Yimou entdeckte sie bei der Auswahl für einen Werbefilm, wie er fünfzehn Jahre zuvor Gong Li entdeckt hatte, die Muse seiner frühen Filme, und so konnte es nicht ausbleiben, daß die beiden miteinander verglichen wurden. Mittlerweile aber hat sich Zhang Ziyi so sehr von ihrer Vorgängerin emanzipiert, daß sie in "2046" sogar zusammen mit Gong Li vor der Kamera stehen konnte, ohne daß ihre Aura darunter gelitten hätte.

          Und wo die ältere der beiden Schauspielerinnen in Wong Kar-wais Liebesdrama von der Düsternis eines zur Neige gehenden Lebens umweht ist, da strahlt die jüngere, eine zweite Butterfly, im vollen Schmerzensglanz ihrer unerwiderten Liebe. Sie ist das Gesicht dieses Films, eine mondsüchtige Madonna der käuflichen Lust, die ihr Herz verschenkt, nur um es von ihrem Angebeteten vor die Füße geworfen zu bekommen.

          Schwester Mond - Bruder Manager

          Das Leben eines chinesischen Filmstars ist kein Zuckerschlecken. Sie habe seit Jahren kein freies Wochenende gehabt, hat Zhang Ziyi geklagt, die inzwischen diverse hochdotierte Werbeverträge abgeschlossen und ihren Bruder zu ihrem Manager gemacht hat.

          Wenn "Memoirs of a Geisha" hält, was das Projekt verspricht, wird sie noch mehr zu tun bekommen. Aber an harte Arbeit ist die Schauspielerin gewöhnt. Und so wird sie auch in Hollywood die Herzen brechen.

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