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Im Kino: Woody Allen : Südfrankreich im Mondlicht

Wer braucht noch eine Handlung, wenn Nostalgie so nahe liegt: Colin Firth und Emma Stone in Woody Allens neuem Film. Bild: dpa

Das magische Licht funkelt hier nur manchmal auf: Woody Allens neuer Film „Magic in the Moonlight“ ist nicht sein stärkster. Doch er hat gute Momente.

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          Einen schwächeren Film von Woody Allen zu sehen, das ist so, wie einen mittelmäßigen Roman von Simenon zu lesen: Man kennt den Sound, man kennt all die Tricks und Finten, und man würde gern wieder darauf hereinfallen, aber irgendwie klappt es diesmal nicht. Die Bühne ist bereitet, doch der Zauber verpufft.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Reden wir deshalb nicht lange darum herum, dass „Magic in the Moonlight“, die Geschichte des bekannten Magiers Stanley (Colin Firth) und der jungen Hellseherin Sophia (Emma Stone), eines der schwächer leuchtenden Woody-Allen-Werke ist. Sprechen wir lieber von der einen Stelle, die darin wirklich funkelt, der Szene, auf die sich der Titel bezieht. Da fahren Sophia und Stanley in einem schicken Cabrio - es sind die goldenen zwanziger Jahre - an der Côte d’Azur entlang.

          Kino-Trailer : Magic in the Moonlight

          Die beiden sind kein Liebes-, sondern eine Art Konkurrentenpaar: Er soll sie als Schwindlerin entlarven, sie dagegen klammert sich mit allen Klauen ihrer Seherinnenkunst an den Erben eines amerikanischen Millionenvermögens, dessen Mutter beim Tischerücken unter Sophias Aufsicht mit ihrem verstorbenen Gatten Kontakt aufnimmt. Der Wagen nun rollt in ein Gewitter und bleibt stehen. Völlig durchnässt retten sich Stanley und Sophia in eine nahe gelegenes Observatorium. Der Himmel klart auf, die Kuppel öffnet sich, die beiden schauen in die Sterne.

          Grüße von der Côte d’Azur

          Und nun müsste das geschehen, was im Kino in solchen Momenten immer geschieht. Aber es geschieht nicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Zauberer und die Clairvoyante für die Erfüllung ihrer geheimen Sehnsüchte einfach einen Tick zu redselig sind, wie so manches Paar bei Woody Allen. Es hat auch damit zu tun, dass der ganze Film nicht auf Erfüllung und erzählerische Konsequenz angelegt ist. Eher geht es darum, einen routinierten Trick vorzuführen: wie man mit möglichst wenig Handlung möglichst viel nostalgische Atmosphäre erzeugt.

          Um die beiden Nichtliebenden im Zentrum hat Allen einen Strauß kleinerer Figuren gemalt, einen zwielichtigen Freund, eine kluge Tante, eine larmoyante Matrone, einen naiven Gecken, aber keine von ihnen ist mehr als ein Schemen, ein Tupfer auf der Leinwand, die hier vor allem aus schönen Autos, schönen Häusern und schönen Landschaften besteht. Auch Colin Firth, auf den alles ankommt, wirkt nur wie eine unscharfe Ausgabe des Gentleman-Herzensbrechers, den er so viele Male gespielt hat, er tänzelt um die großäugig staunende Emma Stone herum, als könnte er sich nicht eingestehen, dass zwischen den beiden eigentlich nichts ist, jedenfalls nichts, wofür man eineinhalb Stunden im Kino sitzen muss.

          Der Anfang des Films spielt übrigens in einem Berliner Kabarett - scheinbar. In Wirklichkeit wurde er im Ballsaal des Hotels Negresco in Nizza gedreht. Woody Allen hat sich auf seiner Filmtour durch die Welt ein paar schöne Wochen in Südfrankreich gemacht, und nun lädt er uns ein, daran teilzuhaben. Das kann man tun. Oder auch lassen. Beides tut nicht weh.

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