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Woody Allen in Cannes : Es ist die reine Freude

Gemeinsam in Cannes: Woody Allen mit Penelope Cruz Bild: REUTERS

Woody Allen war lange nicht in so guter Form: Er begeistert das Filmfestival von Cannes mit einer romantischen Komödie, in der Penelope Cruz reine Freude versprüht. Allen verwebt das nicht ganz unvorhersehbare Durcheinander in den Herzen und Betten leicht und sicher.

          3 Min.

          Woody Allen sorgte mit seinem Film „Vicky, Cristina, Barcelona“ zum Beginn des Wochenendes für ziemlich gute Laune. Nur dreimal in seiner langen Laufbahn ist er auf einem Festival in den Wettbewerb gegangen, zum ersten Mal in Berlin 1975 mit „Love and Death“, 1983 in Venedig mit „Zelig“ und 1985 in Cannes mit „Purple Rose of Cairo“. Er blieb sich treu und zeigte auch diesen neuen Film außer Konkurrenz.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der ist eine romantische Komödie über zwei junge Amerikanerinnen, die den Sommer in Barcelona verbringen. Die eine verlobt und mit ziemlich üblichen Vorstellungen davon, wie das Leben zu verlaufen hat, die andere ungebunden, abenteuerlustig, auf der Suche nach etwas, von dem sie nicht weiß, was es ist. Die eine ist Rebecca Hall, die andere Scarlett Johansson. Sie treffen auf den verführerischen Spanier Juan Antonio (Javier Bardem), einen Künstler, der den Schmerz der Trennung von seiner großen Liebe, die ihn beinahe erstochen hätte (Penelope Cruz), vergessen will.

          Komödien auf Festivals sind selten

          Es gibt ein nicht ganz unvorhersehbares Durcheinander in den Herzen und Betten, aber Allen verwebt alle sämtliche Klischees, die die Konstellation hergibt, so leicht und sicher miteinander, dass man jeden Augenblick spürt, wie viel Spaß er dabei hatte. Seine Darsteller, neben Bardem vor allem Penelope Cruz, die, wenn sie Spanisch sprechen kann, immer schon ein unschlagbares komödiantisches Gespür hatte, versprühen reine Freude an der Sache, und Barcelona sieht aus, wie kein Touristenprospekt es schöner und katalanischer zeigen könnte.

          Rebecca Hall spielt in Allens Film „Vicky Cristina Barcelona”
          Rebecca Hall spielt in Allens Film „Vicky Cristina Barcelona” : Bild: AFP

          Woody Allen war lange nicht in so guter Form, was will man mehr zum Sommeranfang, selbst wenn es in Cannes regnet. Außerdem sind Komödien auf Festivals immer selten, da kam diese nach den großen politischen Stoffen, den Gefängnis- und Familiendramen gerade recht. Andreas Dresen, der mit „Wolke 9“ im Certain Regard zu sehen war und eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang unter Alten erzählte, wirkte danach ganz besonders trist.

          Bevor das Wochenende dann gänzlich Steven Spielberg und seinem neuen Indiana-Jones-Film gehörte, zogen noch der Franzose Arnaud Desplechin, der Türke Nuri Bilge Ceylan, der Brasilianer Walter Salles und der Filipino Brillante Mendoza in den Wettbewerb, und vor allem die ersten beiden, die regelmäßig ihre Filme in Cannes zeigen, begeisterten die Franzosen sehr. Desplechin mit einer Familiengeschichte, die so viele Figuren und Zeiten umfasste, dass der Regisseur Texteinblendungen brauchte, um einigermaßen Ordnung zu halten, Ceylan mit einem höchst metaphorischen Noir-Melodram. Beide profitierten enorm von ihren Darstellern. Desplechin hat für „Un conte de Noël“ mit Catherine Deneuve und ihrer Tochter Chiara Mastroianni, mit Mathieu Amalric, Jean-Paul Roussillon, Anne Cosigny und Melvil Poupaud einige der bekanntesten französischen Gesichter zu bieten, Ceylan vor allem die wunderschöne Hatice Aslan.

          Ceylan hat eine treue Anhängerschaft

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