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„Wonder Woman“ im Kino : Popcorn für Penthesilea

Das Schwert sitzt locker bei ihr: Gal Gadot als Wonder Woman

Der Film deutet, wie im Genre inzwischen üblich, jede Menge Fanwissen an, drängt es dem Kinovolk aber nicht auf – dass zum Beispiel seit kurzem Dianas lang vermutete Bisexualität offiziell DC-Kanon ist, wird nicht ausgesprochen, ist aber in einigen schnippischen Bemerkungen der Kriegerin zur Entbehrlichkeit von Männern zumindest ahnbar. Am elegantesten gelingt die Integration von Vorwissen ins Geschehen als Gutenachtgeschichte, mit der Dianas Mutter Hippolyta (Connie Nielsen), ihrer Tochter vermitteln will, dass nicht Kriegführung, sondern der dazu erforderliche Mut das Heroische ausmacht. Woher die Amazonen im DC-Filmuniversum kommen, wird in Gestalt animierter Ölgemälde erklärt: Die Mutter spricht, die Farben ringen miteinander, der bildliche Duktus ist der von bürgerlicher Malerei im Zeitalter des frühen Republikanismus, als man das Mittelalter mit gräzisierenden und romanisierenden Bildern erschlagen und darunter begraben wollte. Das Griechisch-Römische ist dem Humanismus seit jener Zeit lieb, und der „Wonder Woman“-Erfinder Marston war ein Erzhumanist, der fest an eine der langlebigsten und problematischsten griechischen Sagen glaubte, die sogenannte Demokratie.

Deren Erzfeinde waren in Wonder Womans Geburtsstunde 1941 bekanntlich die Deutschen, und so sind sie’s auch im Film. Intelligenterweise nervt Jenkins nicht mit den typischen, längst totgefilmten Dutzendnazis, sondern verlegt die Handlung einen Weltkrieg weiter zurück. Wonder Woman darf dabei in genau dem Ausmaß amerikanisch sein, in dem sie sich griechisch anzieht und römisch heißt („Diana“), wie man in Washington ja architektonisch antik repräsentiert und dem Altertum mit den Namen politischer Institutionen (Senat!) huldigt. Gegen all das stellt der Film einen bestens bescheuerten Danny Huston als General Ludendorff und die giftige Elena Anaya als seine Chemiehexe. Dass „die Starken“ dann „die Schwachen“ vor solchen Monstern mit Gewalt schützen müssen, ist der Schuss Gegenwartsimperialismus, um den ein Film aus Hollywood heute nicht herumkommt, und dass die eindrucksvollen Schützengrabenszenen außerdem auf ein bisschen Waffenpornographie hinauslaufen, wird nur übelnehmen, wer nicht weiß, dass jeder Film, in dem Krieg stattfindet, schon qua Kulissenarrangement und Bildfindung leider immer auch sagt: Schlachtfelder sind schön. Damit müssen wir leben und das Beste draus machen.

Das Beste an „Wonder Woman“ ist übrigens, das sagen überall alle und haben völlig recht, der Titelstar. Gal Gadot hebt die rechte oder linke Augenbraue wie einst Roger Moore als James Bond, nämlich um die Rolle zwar freundlich zu ironisieren, aber eben nicht zu veralbern. Sie freut sich über Eiscreme, sie gibt anderen Talenten im Zusammenspiel Raum, sie verschiebt den Unterkiefer, wenn sie sauer ist, sie staunt, sie wütet, trotzt und liebt – kurz, um es mit einer Superheldenfilmexpertiseformel zu sagen, die in der Fachsprache genau dasselbe bedeutet wie im Alltag: Diese Frau ist phantastisch.

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