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Rückkehr einer Ikone : My Winona

Es gibt das ja immer wieder im Kino, mit Schauspielerinnen. Katharine Ross sah aus wie die Kammermusikgitarren von Simon & Garfunkel in der „Reifeprüfung“ von 1967. Und Molly Ringwald wie der renitente Spätpunk von „Pretty in Pink“, zwanzig Jahre danach. Und genauso passte Winona dann Anfang der Neunziger zu den süßen, jaulenden Gitarren und den weinenden süßen Jungs mit ihren komischen Haaren und Ringel- und Karohemden, die in Filmen von Richard Linklater und Gus Van Sant herumliefen, und auf MTV. Dann kam tatsächlich eines Tages ein Song heraus, der hieß wie sie und klang wie sie, „Winona“ von den Drop Nineteens, ein schwer verträumter Krach, „it’s why I’ve got to know the truth“, sang der Sänger darauf, „was it you / who sang in Xanadu?“

Natürlich weiß ich, dass Olivia Newton-John „Xanadu“ gesungen hat (und genauso föhnwellig aussah), aber wenn ich heute dieses Lied höre, das ihren Namen trägt, und die Winona aus „Heathers“ anschaue, aus „Edward mit den Scherenhänden“ oder „Meerjungfrauen küssen besser“ oder „Reality Bites“, wo sie zu „My Sharona“ tanzte, dann möchte ich den Scheißkerl, der sich Zeit nennt, mit dem Taxi aus „Night on Earth“ über den Haufen fahren und ihm anschließend eine Baseballkappe aufsetzen. Falsch herum.

Jetzt ist Winona Ryder also wieder da, genau wie die neunziger Jahre wieder da sind, weil plötzlich die coolsten Kinder von heute denken, dass die coolsten Kinder von damals es so richtig raushatten. Aber das ist kein Trost, das sind nur produktive Missverständnisse (damals dachten die coolen Kinder ja zum Beispiel auch, dass es die Siebziger so richtig raushatten, was für ein Quatsch, und er hört einfach nicht auf).

„Beetlejuice“ kehrt auch zurück

Winona Ryder hat jetzt in einer Talkshow verraten, dass es eine Fortsetzung von „Beetlejuice“ geben wird, so heißt der wunderbare Geisterfilm von Tim Burton, der sie 1988 so richtig berühmt gemacht hat, in derselben Talkshow hat sie dann auch verraten, dass sie echt gern mal in der Fernsehserie „Portlandia“ mitspielen möchte, die in der Hauptstadt des alternativen Amerikas spielt, Portland, wohin sich die Neunziger zurückgezogen haben, um in Rente zu gehen, Piercings und Einräder und Karohemden inklusive, und wo eigentlich an jeder Straßenecke ein Denkmal für Winona Ryder und River Phoenix und Ethan Hawke und den präironischen Johnny Depp stehen müsste.

Aber genau das hat Marc Jacobs zum Glück nicht getan, er hat Winona Ryder auf diesem Foto nicht in ein Bild aus einem Museum der verlorenen Jugend verwandelt, das trägt ja eh jeder bei sich, der damals in sie verliebt war – sondern die Frau gezeigt, zu der sie geworden ist, eine erwachsene Frau, 44 Jahre alt, die andere erwachsene Frauen bewundert, die vor ihr kamen, und versteht, wie sie zu dem wurden, was sie sind.

Wenn auch Jim Jarmusch heute eine Fortsetzung von „Night on Earth“ drehen würde, wäre Winona Ryder die Frau auf der Rückbank, und vorn säße jemand wie Kristen Stewart und würde auch ständig „Yes, Mom“ zu ihr sagen, so wie damals Winona zu Gena Rowlands. Und das Ganze zeigt am Ende nur, was für ein sentimentaler Quatsch der sentimentale Quatsch ist, der einen immer wieder einholt, in alten Lieblingsfilmen und Liedern und Gesichtern, in denen man etwas wiedererkennt, was man mal sein wollte, haben wollte. Was man aber bekommen hat, sind diese Bilder und Lieder und Filme. In ein paar davon geht es für immer um ein Mädchen namens Winona. Mehr braucht man nicht.

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