https://www.faz.net/-gqz-9cwcv

Wim Wenders Film „Grenzenlos“ : Kein Anschluss unter diesem Kummer

Zeit für ein Loblied: Alicia Vikander überzeugt auch in ihrem neuen Film „Grenzenlos“. Bild: Submergence SARL

Der Kinomoralist Wim Wenders stößt im Film „Grenzenlos“ ein Liebespaar in die politischen Abgründe der Gegenwart – und kehrt zu den Gesten seines Frühwerks zurück. Die famose Alicia Vikander verliert er dabei aus den Augen

          Allmählich wird es Zeit, das Loblied der Schauspielerin Alicia Vikander zu singen. Seit sie vor sechs Jahren in „Die Königin und der Leibarzt“ von der Filmwelt außerhalb Skandinaviens entdeckt wurde, ist sie so etwas wie die Allzweckwaffe des internationalen Kinos geworden. Als gewissenhafte Spionin in „Jason Bourne“, als rebellisches Robotermädchen in „Ex Machina“, als schlagkräftiges Rollergirl in „Tomb Raider“ oder flämische Femme fatale in „Tulpenfieber“ hat sie nicht nur ihren Rollen, sondern auch sich selbst jenen Glanz verliehen, der immer noch die wirklichen Stars von den bloßen Profis der Leinwand unterscheidet. Ein Filmkritiker hat Vikander mit Audrey Hepburn verglichen, aber die Schwedin besitzt neben ihrem Aussehen eine körperliche Präsenz, die zu Hepburns Zeiten undenkbar gewesen wäre.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Sie ist Rehauge und Kickboxerin, Idol und guter Kumpel zugleich, ein Typus für alle Genres und Gelegenheiten und dabei auf fast unheimliche Weise cool. In „Grenzenlos“, dem neuen Film von Wim Wenders, spielt Alicia Vikander eine Meeresbiologin, die sich in einem Luxushotel an der französischen Kanalküste in einen britischen Undercover-Agenten verliebt.

          Moore (James McAvoy) bereitet sich auf einen Einsatz vor, bei dem er Stützpunkte von Al Qaida in Somalia ausspionieren soll, aber offiziell ist er Wasserbauingenieur in Nairobi, und dieses Inkognito wahrt er auch gegenüber Danny, der Tiefseeforscherin, die er erst zum Strand unter den Klippen von Dieppe begleitet und dann in ihre Suite und in ihr Bett. Damit könnte die Affäre erledigt sein, doch weil die beiden ein paar Tage Zeit haben, kommen tiefere Gefühle ins Spiel, und am Ende gibt es einen Abschied mit Tränen.

          Verbindung gekappt: Auch der Film kann sie nicht herstellen

          Der Film erzählt das alles in Rückblenden. Als die Handlung einsetzt, sitzt Moore in Kismayo in der Falle, und Danny fährt auf einem Forschungsschiff in den Nordatlantik, um dort mit einem Spezial-U-Boot auf den Meeresgrund zu tauchen. Die Verbindung ist gekappt. Auch der Film kann sie nicht herstellen. Er zeigt Moore, der in einem finsteren Loch vor sich hindämmert, bis ihn vermummte Kämpfer zum nächsten Verhör schleppen, und Danny, die in ihrer Kajüte verzweifelt ihre Mailbox abruft. Weil sie auf See keinen Empfang hat, lässt sich Danny für ein paar Tage auf den Färöer-Inseln absetzen, und die Kamera blickt von hoch oben auf die Felsentore und grünen Hügelrücken, die aus den Wellen steigen, als könnte sie die Einsamkeit durch Schönheit vertreiben. Vergebens.

          Es gibt Bücher, die danach schreien, verfilmt zu werden, und andere, die es nicht tun. J. M. Ledgards „Submergence“ gehört zur zweiten Kategorie. Ledgard, langjähriger Afrika-Korrespondent des Londoner „Economist“, schildert eine Begegnung, in der zwei Welten aufeinandertreffen und sich wieder trennen. Lange Passagen des Buchs sind mit Reflexionen über die Weltlage gefüllt: der Klimawandel, der islamistische Terror, die Not des Südens, das Dilemma des Westens. Der Rest ist die Story eines Mannes, der sich in Geiselhaft nach der Frau sehnt, die er liebt. In dem Drehbuch, das Erin Dignam nach dem Roman geschrieben hat, sind die Sehnsüchte gleichmäßiger verteilt; aber Dannys Schmerz hat ein schwächeres Profil. Sie starrt nur auf ihr Smartphone, während Moore für eine Scheinexekution an den Strand von Kismayo geschleppt wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.
          Olaf Koch, 49, ist seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro.

          Metro-Chef Koch im Interview : Ist Ihr Job noch sicher?

          Metro-Chef Olaf Koch hat eine feindliche Übernahme durch den tschechischen Milliardär Křetínský abgewehrt, doch die Probleme bleiben. Wie geht es mit dem Handelskonzern und ihm selbst weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.