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William Friedkin : Pose, Wahn und Hochdruckkino

  • -Aktualisiert am

Für „French Connection“ gewann William Friedkin als einer der jüngsten Filmemacher den Regie-Oscar. Was folgte, waren harte Bruchlandungen und kleine Zwischenhochs. Eine Begegnung mit Friedkin, der zu den Erfindern des modernen Blockbusterkinos zählt.

          Er war noch sehr jung, als er seinen allergrößten Erfolg erlebte, und dass er sich schon damals, als er erst sechsunddreißigjährig mit „French Connection“ fünf Oscars gewann, gleich noch vier Jahre jünger gemacht hat, erzählt schon einiges über William Friedkin. Eine Weile wurde er dann in den Annalen als jüngster Regisseur geführt, der je den Regie-Oscar erhielt, bevor man darauf kam, dass er eigentlich 1935 geboren wurde, und man ihn wieder als Rekordhalter strich.

          Da war Friedkin schon in einer Krise, die halb künstlerisch, halb kommerziell war - wie so viele Regisseure New Hollywoods. Er ging dann weder unter wie Cimino, noch gelang es ihm, trotz vieler Anläufe, sich ganz neu zu erfinden, wie das Scorsese oder, ganz anders, Spielberg schafften. Am ehesten kann man ihn mit Coppola vergleichen, mit dem er den Ruhm und die kommerziellen Erfolge der Anfänge ebenso teilte wie später die hybride Selbstüberschätzung und immer wieder harte Bruchlandungen und kleine Zwischenhochs. Paradoxerweise gehört gerade Friedkin, wie kaum ein Zweiter unter den jungen Rebellen der frühen Siebziger dem europäischen, besonders dem französischen Kino verbunden, mit „The Exorcist“ auch zu den Erfindern jenes modernen Blockbusterkinos, das dem Aufbruch den Garaus machte und heute zum Synonym der Hollywood-Macht geworden ist.

          Langweiliger Gene Hackman

          Wer Friedkin jetzt dieser Tage auf dem Münchner Filmfest begegnete, wo man ihn mit einer Hommage würdigte, erlebte einen aufgeräumten, heiteren, angesichts kursierender Anekdoten überraschend sympathischen Mann. Einer, der mit sich im Reinen scheint. Wie merkwürdig, dass jemand so gelassen wirkt, dessen allerbeste Szenen zwei genial-hysterische, überbordende Autoverfolgungsjagden sind - in „French Connection“ und „To Live and Die in L.A.“, der heute wie eine Summe der Achtziger erscheint. Wüsste man es nicht besser, könnte man ihn mit seinen minimalen Falten und dezent, aber perfekt gefärbtem Haar übrigens glatt für fünfzehn Jahre jünger halten.

          Beim Münchner Filmfest erhielt Friedkin den „CineMerit Award”

          Sehr schlagfertig, schnell, sprudelt er im Gespräch von Anekdoten. Etwa dass er weder Gene Hackman noch Fernando Rey für die Hauptrollen in „French Connection“ haben wollte; zu Rey kam er durch eine Verwechslung des Agenten, und Hackman sei überhaupt der langweiligste Mensch, den er je getroffen habe. Oder der über Hitchcock, für dessen Fernseh-Show „Alfred Hitchcock presents“ er eine Folge drehte und der nichts zu sagen hatte, außer dass sich der junge Mann doch bitte schön eine Krawatte anziehen solle. Auch über Misserfolge macht Friedkin im Rückblick souveräne Scherze: Minutenlang beschreibt er die Reaktion eines Studiobosses auf „Cruising“. Erst rückte der unruhig im Kinosessel hin und her, zog sich die Jacke aus, wischte sich immer wieder stöhnend mit einem Taschentuch den Schweiß vom Hals, um schließlich mit einem lauten „Oh no, oh my god - that is the worst film, I've ever seen“ das Kino zu verlassen.

          Reisen in die verlorene Zeit

          „Cruising“, der dann umgeschnitten wurde und bei uns nie im regulären Kino lief, zeigte man in München in einer restaurierten Fassung. „Fast ein Musical“ nennt ihn Friedkin heute. Al Pacino spielt einen Cop, der auf der Suche nach einem Serienmörder undercover in die Schwulenszene eindringt und von ihr verführt wird - ein Film Noir der Spätsiebziger, der immer noch gut funktioniert. Am meisten fasziniert er aber als New-York-Film, der konsequent jede auch nur ansatzweise touristische Perspektive ausblendet, eine hässliche, verdreckte Metropole zeigt. Und als sattes, sinnliches Porträt der schwulen S/M-Szene vor den Zeiten von Aids - Reisen in die verlorene Zeit.

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