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Im Gespräch: Samuel L. Jackson : Wie viele Oscars hätten Sie verdient, Mr. Jackson?

  • -Aktualisiert am

„Filmemacherei ist nur Entertainment”: Samuel L. Jackson Bild: Burkhard Neie

Samuel L. Jackson gilt als „King of Cool“ von Hollywood. Im Interview spricht er über Filme, die an niederste Instinkte appellieren, Kämpfe gegen unsichtbare Gegner und die Kollegin, die für ihn die „Queen of Cool“ ist.

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          Samuel L. Jackson empfängt uns in einem Hotelzimmer in Deauville. Gleich nach der Begrüßung legt sich der 1,90 Meter große Schauspiel-Star gemütlich auf eine Couch. Er darf das - schließlich gilt er als „King of Cool“.

          Mister Jackson, auf die Frage nach dem coolsten Kerl in Hollywood nennen die meisten Leute Ihren Namen. Der Regisseur Clark Johnson hat einmal behauptet: „Wer in einem Lexikon das Wort ,cool' nachschlägt, findet auf der Seite garantiert ein Foto von Samuel L. Jackson.“ Wer ist denn Ihrer Meinung nach die coolste Frau im Filmbusiness?

          Hmm. Wow. Gute Frage. Ich würde sagen: Helen Mirren. Schon vor Jahrzehnten habe ich ihre frühen Filme geliebt, in denen sie sich stets ohne Hemmungen ausgezogen hat. Und jedes Mal, wenn ich mich mit ihr unterhalte, bin ich schwer beeindruckt von ihrer vollkommen ruhigen, gelassenen Art und ihren klugen Ansichten über unseren Beruf: Ruhm ist ihr schnurzpiepegal; es geht ihr immer nur um die Arbeit. Schön wär's, wenn mehr Kollegen so denken würden.

          Geboren am 21. Dezember 1948

          Sie selbst drehen unermüdlich - durchschnittlich fünf Filme pro Jahr. Können Sie zwischendurch auch mal verschnaufen?

          Klar, Mann. Andauernd. Fast jeden Tag nehme ich mir einfach mal vier Stunden frei. Ungefähr so lange dauert nämlich ein Golf-Match. In den achtziger Jahren war ich drogensüchtig, heute bin ich süchtig nach Golf. Mein Handicap liegt inzwischen bei vier. Wenn ich gerade nicht drehe, versuche ich, täglich zu spielen. Und bei jedem Film bestehe ich auf einer Vertragsklausel, nach der ich auch während der Dreharbeiten zwei Mal pro Woche golfen darf.

          Jedem das Seine. Manche lassen sich ja sogar Sexszenen in den Vertrag schreiben . . .

          Wissen Sie was? Genau das werde ich tun, wenn man mir eine Fortsetzung von „Shaft“ anbietet! Denn der Mythos dieses legendären Leinwand-Helden aus den siebziger Jahren beruht nicht zuletzt auf seiner Potenz - und darum war ich so sauer, dass meine Filmfigur in unserer Neuverfilmung vor acht Jahren zwar ständig rumballerte, aber kein einziges Mal Sex hatte. Als ich damals fragte, ob sich Shaft nicht mal aufs Flachlegen statt aufs Umlegen konzentrieren sollte, hieß es: „Keine Panik, wir arbeiten daran.“ Und der Regisseur John Singleton faselte ständig: „Mann, heute habe ich eine Super-Braut kennengelernt, die bauen wir für dich ein.“ Leere Versprechungen! John hat die Mädels wohl alle selbst abgeschleppt. Ich durfte die Frauen im Film bloß erfolglos mit blöden Sprüchen anmachen.

          Wie machen Sie denn in Wirklichkeit eine Frau an?

          Hey, ich bin seit fast dreißig Jahren verheiratet. So einen Quatsch habe ich nicht nötig. Ich frage höchstens noch: „Bist du so weit?“

          Immerhin scheinen Sie sich eine beinahe kindliche Begeisterung für Actionfilme bewahrt zu haben.

          Stimmt. Ich drehe so viele Action-Abenteuer, weil ich solche Filme stets geliebt habe. Schon als Kind wollte ich immer der Typ sein, der den Bösewicht durch die Straßen jagt. Der Typ, der als Einziger noch steht, wenn sich nach einer Explosion der Rauch verzieht. Der Typ, der die schwersten Knarren trägt und die schnellsten Autos fährt. Dass ich all das nun tatsächlich machen darf, ist geradezu traumhaft. Ich bin mir keineswegs zu schade, in Filmen zu spielen, die an unsere niedersten Instinkte appellieren. Denn ich nehme mich selbst nicht allzu ernst - im Gegensatz zu manchen meiner Kollegen, die glauben, wir hätten den wichtigsten Job der Welt. Seien wir doch ehrlich: Die Filmemacherei ist keine Herztransplantation, sondern bloß Entertainment.

          Aber kommen Sie sich beim Drehen nicht manchmal albern vor, wenn Sie - wie etwa bei den „Star Wars“-Episoden - gegen unsichtbare Gegner kämpfen müssen, die erst später in den Film hineinkopiert werden?

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