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Wie authentisch ist „Operation Walküre“? : Wir wollen der Welt vom 20. Juli erzählen

  • -Aktualisiert am

McQuarrie: Eine solche Aussage beruht auf einer häufig anzutreffenden, vermessenen Ignoranz. Die Wahrheit ist, dass es einen weiter verbreiteten Widerstand gab, als man erwarten könnte. Am Komplott des 20. Juli waren Tausende von Menschen beteiligt, von anderen Widerstandsbewegungen gar nicht zu reden. Es war das letzte von fünfzehn bekannten Komplotts, die von Deutschen gegen Hitler geschmiedet wurden. Wir waren sehr vorsichtig mit dieser Zahl. Wir wollen damit nicht sagen, es habe nur fünfzehn Attentatversuche von fünfzehn Gruppen gegeben. Wir definieren einen Attentatsversuch als ein Komplott, das irgendwie in die Tat umgesetzt wurde. Insgesamt haben wir etwa dreißig Verschwörungsbewegungen gefunden, zudem aber gab es auch noch viele Deutsche, die es nicht vermochten, ihren Widerstand zu verwirklichen. Mehrmals schon haben nun Leute mit großer Gewissheit den Film angegriffen, weil sie meinten, er verzerre etwas, das sie für wahr halten, obwohl das, worüber wir berichtet haben, absolut wahr ist. Darin zeigt sich auch die Stärke von sechzig Jahren Popkultur, die jene Zeit in die einfachsten Termini kleidet: Wir haben im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft. Die Wahrheit aber lautet: Die Alliierten haben gegen Deutschland und Japan gekämpft, und innerhalb Deutschlands gab es die NSDAP, die Wehrmacht, die SS mit zwei Zweigen. Es war ein viel komplexeres Bild als das uns vertraute. Wer aber seine Hausaufgaben gemacht hat, muss zugeben, dass dieser Film auf Ernst und Wahrheit gründet und dass es einen deutschen Widerstand gab. In einem Polizeistaat, in dem keine freie Meinungsäußerung, keine Opposition erlaubt war und Sophie Scholl und ihr Bruder enthauptet wurden, weil sie Flugblätter verteilten, stellen nach meiner Meinung tausend Leute, die gegen die Regierung kämpfen, einen weitverbreiteten Widerstand dar.

Glauben Sie, Herr Hoffmann, dass ein Zuschauer, der nichts von Stauffenberg und dem deutschen Widerstand weiß, durch „Valkyrie“ einen falschen Eindruck bekommt?

Hoffmann: Ich glaube nicht, dass der Film irgendetwas vereinfacht, dass er irgendetwas falsch akzentuiert. Es ist schließlich ein Film über die Verschwörung, muss also auch von der Verschwörung handeln ...

McQuarrie: ... und wie wir diese Verschwörung zeigen, musste, aufgrund filmischer Beschränkungen, kleinformatiger sein, als sie es in Wirklichkeit war. Am Komplott waren viel mehr Leute beteiligt, als wir je in unserer Geschichte hätten zeigen können. Der Vorwurf, wir hätten bei der Zahl der Beteiligten übertrieben, ist haltlos. Das Gegenteil ist der Fall. Die Sachzwänge haben es uns gar nicht erlaubt, das ganze Ausmaß des Widerstands vorzuführen.

Was wollen Sie mit dem Film bezwecken?

McQuarrie: Für mich persönlich ... Jetzt werde ich etwas sagen, womit ich wahrscheinlich in arge Schwierigkeiten gerate, aber ich muss es sagen. Wenn man über gleichgültig welche Kultur eine pauschale Behauptung aufstellen kann, dann kann man eine pauschale Behauptung über jede Kultur aufstellen. Wenn man sagt, dass alle Deutschen unter Hitler Nazis waren, kann man so auch jede andere Kultur verurteilen. Man kann nicht in Gemeinplätzen über eine Kultur, eine Nation, ein Volk urteilen. Die Geschichte war hier nun zu dem Ergebnis gelangt, dass die einfachste Erklärung auch die klarste sei. Daran nehme ich Anstoß. Es darf solche Gemeinplätze nicht geben.

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