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Wie authentisch ist „Operation Walküre“? : Wir wollen der Welt vom 20. Juli erzählen

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Hoffmann: ... hätte es bestimmt keinen 20. Juli gegeben! Das hat Axel von dem Bussche gesagt. Die erste Aussage Stauffenbergs, dass Hitler gestürzt werden müsse, war eine Reaktion auf einen Bericht über den Massenmord an Juden im Osten. Dies war im April 1942. April 1942! Es hatte nichts mit Stalingrad zu tun, nichts mit Tunesien, nichts mit dem Verlauf des Krieges. Tresckow sagte 1943 zu Margarethe von Oven, als sie über die Notwendigkeit eines Attentats auf Hitler sprachen: Es hat nichts damit zu tun, dass der Krieg verlorengeht, sondern damit, dass Zehntausende von Juden umgebracht werden. Stauffenberg sprach zu ihr von den Unmenschlichkeiten und der Schande der Verbrechen. - Berufssoldaten rebellieren nicht, wenn es zu Rückschlägen kommt. Es mag Armeen geben, in denen Soldaten angesichts einer Niederlage weglaufen, aber dazu gehört nicht die deutsche Wehrmacht. Das wäre eine absurde Vorstellung. Es ist wegen des Mordes an den Juden, darum müssen wir ein Attentat unternehmen, sagte Tresckow zu Margarethe von Oven, wir werden sonst zu Komplizen des Regimes. Das war genau auch Stauffenbergs Ansicht. Er äußerte sich im Laufe des Jahres 1942 mehrfach dazu, im April, im Mai, im August 1942 sogar zweimal. Er nahm immer zu dieser Frage Stellung, aber auch zur Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener. Das geschah schon 1941, also ziemlich früh im Krieg, als man Hunderttausende von Kriegsgefangenen nicht ernähren und beim Ausbruch von Typhus medizinisch nicht versorgen konnte. Stauffenberg ging auch auf die Behandlung der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten ein, er schloss aber immer die Juden ein, und oft erwähnte er sie an erster Stelle. Und das gilt auch für Tresckow und Axel von dem Bussche. Bussche reagierte auf das, was er im Herbst 1942 sah, indem er zuerst fragte, wie so etwas passieren konnte, und dann zu dem Schluss kam, dass es dafür einen Plan geben und eine Regierungsanweisung vorliegen müsse, dass folglich die Regierung zu stürzen sei. Er war damals dreiundzwanzig Jahre alt.

McQuarrie: Es wird behauptet, sie hätten versucht, Hitler zu töten, weil er den Krieg schlecht geführt habe oder auch weil sie glaubten, es besser machen zu können. Jedem, der nur ein bisschen Zeit und Mühe aufgewandt hat, die Schriften der Verschwörer zu lesen oder etwas über ihr Verhalten im Vorfeld des 20. Juli herauszufinden, müssen solche Erklärungen außerordentlich beschränkt vorkommen. Die Verschwörer folgten einem starken moralischen Impuls. Während wir den Film drehten, hat Tom uns vorgeschlagen, jedes Wochenende das Drehbuch zu lesen, dabei die schon gedrehten Szenen zu überblättern und die noch zu drehenden Szenen im Kontext dessen zu lesen, was wir bereits gedreht hatten. Nach dem zweiten oder dritten Durchlesen kamen uns Bedenken, dass die Zuschauer glauben könnten, Stauffenbergs Verhalten sei das unmittelbare Resultat seiner Verwundung in Tunesien. Tom bot uns daraufhin eine einzigartige Chance. Er bestand darauf, dass wir den Anfang des Films, die Einführung Stauffenbergs und die Episode in Afrika, zurückstellten und den Film ohne diese Teile zusammensetzten. Dann erst sollten wir entscheiden, was noch am Anfang zu sagen sei, um die Motive der Verschwörer absolut klar heraustreten zu lassen. Das war eine Anweisung direkt von Tom, eine ungewöhnliche Situation, und wenn ich das jetzt jemandem erzähle, werde ich immer gefragt: Was hast du also getan? Wir haben achtzig Prozent des Films gedreht, alles zusammenmontiert und dann erst entschieden, wie er anfangen sollte. Für uns Drehbuchautoren war das ein ungeheurer Luxus, denn wir waren in der Lage, Kurskorrekturen anzubringen. Aber all das diente nur dazu, die Motive der Verschwörer herauszuarbeiten und dem Publikum deutlich zu machen, dass der Kern ihres Handelns aus einer starken moralischen Überzeugung bestand - keiner nationalistischen und keiner militaristischen.

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