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Wie authentisch ist „Operation Walküre“? : Wir wollen der Welt vom 20. Juli erzählen

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McQuarrie: Auch aufgrund einer solchen Komplexität mussten wir eine Auswahl treffen, denn es war uns am wichtigsten, dass das größere Bild des Widerstands klar zu erkennen war. Es ging weniger darum, was eine Figur sagt. Wichtiger war es, zu zeigen, dass es innerhalb der Gruppe Differenzen gab, dass aber alle Mitglieder das gleiche Ziel verfolgten und nur über die Methode, es zu erreichen, unterschiedlicher Meinung waren, dass es Fehlstarts gab und bis zum letzten Augenblick einige Ungewissheit darüber, wie die Sache anzustellen ist. Während es Fragen zu Details geben könnte, herrscht am Ende doch der Eindruck vor, dass all diese Menschen gut waren, dass sie das gleiche Endresultat anstrebten, dass keiner von ihnen das alles auf die leichte Schulter nahm, dass keiner es als Fait accompli und Kleinigkeit ansah, Adolf Hitler zu ermorden. Wir haben versucht, jedem Mitglied der Gruppe eine besondere Ansicht und Manier zuzuschreiben, auch wenn sie in der historischen Wirklichkeit allesamt mit diesen Problemen zu ringen hatten. Die Herausforderung des Drehbuchs und dann auch des Films lag darin, nicht so sehr, bei allem Respekt, ein deutsches Publikum, sondern den Rest der Welt mit der Verschwörung und ihren komplexen Fragen vertraut zu machen. Wir wussten von Anfang an, dass die Deutschen die Geschichte bis zu einem gewissen Grade oder häufig sogar genau kannten. Den Film aber nur für Deutsche zu drehen hätte bedeutet, vor den Bekehrten zu predigen. Deswegen wollten wir ihn auf dem beschriebenen Niveau machen, und zwar in englischer Sprache. Wir wollten auch Anderen diese Geschichte erzählen.

Dazu habe ich gleich noch eine Frage, aber zuvor noch einmal zu Stauffenberg: Welche Motivation schreiben Sie, Mr. McQuarrie und Mr. Alexander, ihm zu, und stimmen Sie, Herr Hoffmann, den beiden Drehbuchautoren dabei zu?

Alexander: Von unserem ersten Tag in Berlin an wussten wir, dass wir das irgendwie im Drehbuch anpacken müssten, und im ersten Drehbuchentwurf hatten wir das, wie ich glaube, noch nicht richtig getan. In unseren Gesprächen mit Professor Hoffmann hat er auf nichts mehr Wert gelegt als das Motiv: Wenn ihr nicht das Motiv herausarbeitet, scheitert ihr mit dem Film. Wir haben wirklich hart gearbeitet, um das Motiv angemessen darzustellen, und ich hoffe, es ist uns gelungen. Professor Hoffmann kann das besser beurteilen als einer von uns beiden.

Was war in Ihren Augen nun Stauffenbergs Motivation?

Alexander: Tresckow beschreibt Stauffenbergs Motiv am besten, in Worten, die er an die Verschwörer richtet. Sie müssten, wie er sagt, das Attentat versuchen, um dem Rest der Welt zu zeigen, dass nicht alle Deutschen wie Hitler waren. Es war eine moralische Entscheidung. Sie sahen, wie Greuel begangen wurden, und ohne diese Greuel und den Holocaust, so zitiert Professor Hoffmann in einem seiner Bücher jemanden, hätte es womöglich keinen 20. Juli ...

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