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Wie authentisch ist „Operation Walküre“? : Wir wollen der Welt vom 20. Juli erzählen

  • -Aktualisiert am

Hoffmann: Er hat viel zu viel Haar!

Aber fanden Sie, Herr Hoffmann, einmal abgesehen von den physischen Ähnlichkeiten, die Filmfiguren im Einklang mit ihren historischen Gegenbildern?

Hoffmann: Ja, mit Einschränkungen für den Fall Goerdeler, wie Chris erwähnte ...

McQuarrie: ... ist es wegen seiner Rolle als Figur im Konflikt mit Stauffenberg unvermeidbar, dass er in der dramatischen Struktur des Drehbuchs als Widersacher Stauffenbergs erscheint oder dass es so empfunden werden konnte. Es war aber nicht unser Ziel, aus ihm einen Widersacher zu machen. Wir haben da Zeile um Zeile mit uns selbst gekämpft. Das beste Gegenmittel, fanden wir heraus, war es, bestimmte Dinge zu streichen, statt sie hinzuzufügen. Wir strichen Zeilen in Auseinandersetzungen, auch in der Szene, in der er sich dagegen sträubt, weggeschickt zu werden, als ihm erzählt wird, dass der Haftbefehl gegen ihn ausgestellt war. Tom war oft bei diesen Dreharbeiten dabei, er hat sich die Szene immer wieder angeschaut und gesagt: Ihr müsst mehr tun, damit man ihn als Teil der Gruppe erkennt und weniger als Außenseiter. Die Szene, auf die wir besonders stolz waren, ist seine Abschiedsszene. Er, der immer Vorbehalte gegenüber der Verschwörung hatte, übernimmt im Augenblick, als er gehen muss, die volle Verantwortung, wendet sich Stauffenberg zu, mit dem er so lange im Konflikt lag, und sagt: Viel Glück! Er versteht, dass die Idee, ein Attentat zu verüben, gesiegt hat. Wir fanden es zulässig, ihn im ganzen Film im Konflikt mit Stauffenberg zu zeigen, weil er dabei für die moralische Möglichkeit kämpfte, keinen Mord zu begehen. Goerdeler kämpfte für eine friedliche Lösung, Hitler zu stürzen. Darum war der Konflikt für uns ein annehmbarer Kompromiss. Aber in dem Dokumentarfilm, den wir über „Valkyrie“ gedreht haben, wie auch hier jetzt im Gespräch ist es uns wichtig, dass die Leute unseren Standpunkt begreifen. Wir wissen, dass Goerdeler viel einflussreicher und wichtiger war, als wir es zeigen konnten.

Hoffmann: Das ist ganz ausgezeichnet, denn es erlaubt dem Film, die zivile Dimension der Verschwörung miteinzubeziehen. Goerdeler selbst war ja zerrissen, er wollte das Ergebnis des Attentats, aber nicht das Attentat. Er forderte Stauffenberg schließlich auf, das Attentat zu begehen, und auch wenn er das nicht direkt tat, ließ er ihm doch die Nachricht zukommen, dass er nun zur Tat schreiten solle. Zugleich wollte er nicht, was Sie jetzt Mord nennen.

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