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Wie authentisch ist „Operation Walküre“? : Wir wollen der Welt vom 20. Juli erzählen

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Nathan Alexander: Wir mussten eine klare visuelle Trennung zwischen den Ereignissen des 15. und 20. Juli herstellen. Wenn die Bombe am 15. Juli hochgegangen wäre, hätten wir uns natürlich nicht die Freiheit genommen, die Szene an einen anderen Ort zu verlegen. Der Plan, der das Projekt in Bewegung setzte, bestand darin, akkurat die Ereignisse des 20. Juli zu schildern. Wenn wir etwas subtil abänderten oder zeitlich rafften, geschah dies, um die Ereignisse klarer und verständlicher zu machen, ohne sie im Verlauf der Handlung erklären zu müssen. Es war uns sehr wichtig, dass nach Stauffenbergs Ankunft auf der Wolfsschanze am 20. Juli die Zuschauer ihn begleiten, seine Perspektive teilen und es keine Unterhaltung darüber gibt, was er zu bewerkstelligen hat. Wir haben den 15. Juli im Bunker spielen lassen, damit man begreift, wie die idealen Bedingungen ausgesehen hätten. Wenn Stauffenberg am 20. Juli die Beratungsbaracke betritt, versteht man, ohne dass es einem gesagt werden müsste, warum die Bombenexplosion die bekannten Folgen hatte.

Sie mussten historische Ereignisse in ein Filmdrama verwandeln. Was war daran am schwierigsten?

McQuarrie: Es gab nur wenige Schwierigkeiten, die Ereignisse sind wie geschaffen für eine dramatische Erzählung. Wir hatten eine klare Hauptfigur, die durch die gesamte Geschichte zu verfolgen ist. Wir brauchten Stauffenberg keine Pflichten zuzuschreiben, die er nicht hatte. Wir brauchten nicht die Rolle zu manipulieren, um ihn im Zentrum der Geschichte belassen zu können. Und hätten wir sonst über ein anderes Ende nachdenken müssen, sei es, um es kommerzieller für die Popkultur einzurichten oder um dem Film mehr Spannung oder ein größeres Geheimnis zu verleihen, sahen wir jetzt in der Tatsache, dass die Zuschauer das Ende kennen, einen Vorzug. Denn gerade weil ihnen das Los der Filmfiguren bekannt ist, empfinden sie leichter Zuneigung zu ihnen und wird die Geschichte noch spannungsreicher für sie.

Alexander: Die größte Schwierigkeit beim Schreiben trat auf, wenn wir festlegen mussten, was auszulassen war. Im deutschen Widerstand gab es so viele bedeutende Ereignisse, dass wir uns klarzuwerden hatten, welche Geschichte wir erzählen wollten. Auch auf hundertzwanzig Drehbuchseiten und in einem Zweistundenfilm sind uns da Grenzen gesetzt. Wir mussten uns eine Geschichte herauspicken, auch wenn es viel mehr Geschichten zu erzählen gibt, wie wir aus Professor Hoffmanns Büchern wissen.

Hoffmann: Ich hätte es gern gesehen, wenn der Plan Tresckows vom August und September 1943, das Hauptquartier Hitlers in Ostpreußen zu stürmen, mit im Film vorgekommen wäre. Ich bin 2007 zufällig auf Dokumente darüber gestoßen, die in Moskau aufbewahrt werden, eben Tresckows Plan, Hitlers, Görings, Himmlers und Ribbentrops ostpreußische Hauptquartiere zu besetzen, man rechnete mit einem Zeitpunkt im August oder September 1943 und mit der Mitwirkung bestimmter militärischer Einheiten, etwa der 18. Artilleriedivision, die damals gerade aus den Überresten der praktisch vernichteten 18. Panzerdivision aufgebaut wurde. Ich fragte mich, warum es gerade diese Division sein sollte, und stellte fest, dass der Kommandeur der Division in enger Verbindung mit Generaloberst Beck stand. Außerdem war der Führungsoffizier (Ia) der Division ein Sohn von Generalfeldmarschall von Kluge, der von Tresckow eingeweiht war. Es passte also auf einmal alles zusammen. Es ist eine faszinierende Geschichte, und vielleicht müssten Christopher McQuarrie und Nathan Alexander auch darüber mal einen Film machen.

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