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Watergate-Skandal : Tod und Erleuchtung

  • -Aktualisiert am

Nur sie wissen, wer „Deep Throat” ist: Woodward (r.) und Bernstein Bild: AP

Wird das Geheimnis um „Deep Throat“ bald gelüftet? Der berühmte „Watergate“-Informant soll im Sterben liegen. Erst nach seinem Tod wollen die Reporter Woodward und Bernstein seine Identität enthüllen.

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          Nicht Tod und Verklärung, sondern Tod und Erleuchtung versprechen uns Bob Woodward und Carl Bernstein schon seit einer journalistischen Ewigkeit.

          Sobald der berühmteste Informant Amerikas das Zeitliche gesegnet hat, wollen ihn die beiden berühmtesten Reporter Amerikas aus seiner Anonymität reißen, aber erst dann und vielleicht sogar ganz ohne jenen übermenschlichen Bombast, wie ihn für den Todesfall Richard Strauss dank Vorarbeit von Friedrich Nietzsche vorsieht. Nur als Leiche soll Deep Throat, der vor drei Jahrzehnten eine Regierung zu Fall brachte und zum Mißvergnügen Richard Nixons sich untrennbar mit Watergate verband und verbündete, seinen Geburtsnamen auch in aller Öffentlichkeit zurückbekommen.

          Wildeste Spekulationen

          Das selbstauferlegte Schweigegebot der Starjournalisten entmutigte freilich nie ihre niederen Kollegen, sich in den wildesten Spekulationen zu ergehen. In den Verdacht, als Deep Throat einem Zweitberuf nachgegangen zu sein, gerieten etwa die späteren Präsidenten Gerald Ford und George Herbert Walker Bush, die Außenminister Henry Kissinger und Alexander Haig, dazu Nixons Redenschreiber Patrick Buchanan und David Gergen sowie John Dean, Rechtsbeistand des Weißen Hauses, dem allerdings auch eine vier Jahre lange Recherche der University of Illinois nichts nachzuweisen vermochte. Statt dessen meinten die Journalistikstudenten, in seinem Stellvertreter Fred Fielding die Plaudertasche ausgemacht zu haben.

          Dazu würde passen, daß Dean nun in der „Los Angeles Times“ schreibt, Woodward habe die Leitung der „Washington Post“ über eine schwere Erkrankung und somit die nahe Demaskierung von Deep Throat informiert. Seitdem schießen in Washington wieder die Gerüchte ins Kraut. Zu allem Unglück hat auch noch die University of Texas fünfundsiebzig Kisten geöffnet, die, vollgestopft mit Watergate-Material, niemand anders als Woodward und Bernstein bei ihr deponiert hatten.

          Inside Deep Throat

          Natürlich muß da auch New York ein Wort mitzureden haben, im Gegensatz zu Washington ein vorzugsweise kulturell relevantes Wort, und so fügte es sich aufs schönste, daß eine Filmpremiere die metapolitischen Aspekte des Falles in Erinnerung rief. „Inside Deep Throat“ arbeitet dokumentarisch auf, wie „Deep Throat“ zu einer Zeit, die Pornos noch nicht für den Hausgebrauch entdeckt hatte, in schmuddeligen Kinos zur Legende heranreifen konnte.

          Der Uraufführung des Dokumentarfilms folgte eine prominent, wenn auch nicht gerade überraschend besetzte Debatte, in der einmal mehr Catharine A. MacKinnon und Alan M. Dershowitz, sie an der University of Michigan rechtswissenschaftlich tätig und er in Harvard, sich über Vorzüge, Nachteile und gesellschaftliche Bewandtnis der Pornoproduktion stritten. Dershowitz führte Statistiken an, nach denen die Zahl der Vergewaltigungen zurückging, während MacKinnon die aktuelle Pornoschwemme für eine Zunahme von Gewalttaten gegen Frauen verantwortlich machte.

          Einig waren sie sich eigentlich nur darüber, daß sie als Deep Throat gerade Linda Lovelace, die im bürgerlichen Leben Linda Boreman hieß, gesehen hatten. Damit sind sie immerhin gegenüber den ewigen Rätselratern von Washington im Vorteil, denen allmählich Zweifel kommen, ob außer ihnen überhaupt noch jemand der Enthüllung von Deep Throat entgegenfiebert. Der Mehrzahl ihrer Landsleute reicht wohl Linda Lovelace.

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