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Was wird aus Pro Sieben? : Guillaume de Posch: „Bewahren Sie Ruhe!“

Nach dem Lachen die Unruhe: de Posch und Saban im August Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Springer bietet an, Pro Sieben zu verkaufen, um das Kartellamt für die Fusion mit Pro Sieben Sat.1 zu gewinnen. Doch was folgt daraus für die Sender? Was Springer nützt, sorgt dort für Tumult. Senderchef de Posch mahnt zur Gelassenheit.

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          Guillaume de Posch, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, ist ein ruhiger Typ. Nichts scheint ihn so schnell aus der Fassung zu bringen, er bewahrt die Contenance, das Showgehabe der Branche ficht ihn nicht an. Zu Ruhe und Gelassenheit hat er in einer E-Mail an alle auch seine Mitarbeiter aufgerufen. Denn die haben seit gestern eher Grund zur Unruhe, hat der Springer-Verlag dem Kartellamt doch angeboten, den Sender Pro Sieben zu verkaufen, um seine Fusionspläne doch noch genehmigt zu bekommen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Während sich Springer und das Kartellamt noch um die Frage streiten, ob der Verkauf vor oder nach der Genehmigung vonstatten gehen muß - woran die ganze Sache scheitern könnte -, bewegt Pro Sieben Sat.1 etwas ganz anderes. Dort kann niemand ein Interesse daran haben, daß die Sender auseinandergerissen werden, insbesondere der Vorstand nicht. Anderenfalls handelte er auch gegen die Interessen seiner Aktienbesitzer. Guillaume de Posch sitzt jetzt in derselben Zwickmühle, in welcher der Springer-Vorstandvorsitzende Mathias Döpfner saß, als ihm die Kommission zur Ermittlung des Konzentrationsbedarfs (Kek) zur Bedingung machte, er müsse für Sat.1 einen Beirat einrichten, mit dem er die wirtschaftliche Kontrolle über den Sender abgäbe.

          Mahnende Worte an die Mitarbeiter

          Die Säuernis, die in der Münchner Konzernzentrale herrscht, drückt sich in der offiziellen Mitteilung von Pro Sieben Sat.1 von gestern nur andeutungsweise aus. Dort heißt es, man sei an den Besprechungen mit dem Kartellamt nicht beteiligt gewesen und sei über die diesbezügliche Ad-hoc-Meldung von Springer hinaus bislang auch gar nicht im Bilde.

          Der Vorstand von Pro Sieben Sat.1 werde mögliche Auflagen prüfen, wenn weiter Informationen von Springer und Kartellamt vorlägen. De Poschs E-Mail ist schon etwas deutlicher. „Bitte behalten Sie Ruhe“, mahnt er seine Mitarbeiter, die auch schon in der Vergangenheit Contenance gewahrt hätten, man sei gemeinsam durch viele Höhen und Tiefen gegangen, und so solle es auch in Zukunft sein.

          Täglich soll es teurer werden

          Doch auch wenn sich de Posch gegen Springer angeblich zur Wehr setzen will, er kann nicht viel tun. Haim Saban, dessen Anteile Springer wie die der mit Saban verbundenen Finanzinvestoren an Pro Sieben Sat.1 kauft, ist angeblich von Springer informiert. Auf sein Votum kommt es an, unter anderem darauf, ob er dabei bleibt, daß sich vom 23. Januar an der von Springer zu zahlende Kaufpreis von 2,4 Milliarden Euro täglich um 823.258,77 Euro erhöht. Darüber sollen zwischen Saban und Springer Gespräche laufen. Genauso wie es Verhandlungen mit Käufern von Pro Sieben sind. Zu ihnen zählt die Fernsehgruppe SBS, der osteuropäische Medienkonzern CME und - jetzt dann doch - der französische Sender TF 1. Es gebe Interessenten aus Frankreich, Skandinavien und den Vereinigten Staaten, heißt es, und: „Es gibt wieder eine Chance, und wenn es gelingt, stehen wir vielleicht sogar besser da als vorher. An Interessenten mangelt es nicht.“

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