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Kino-Branche nach Corona : Bleiben die Säle dauerhaft leer?

Derzeit sind weltweit die Kinosäle leer. Es steht zu fürchten, dass es nach dem Ende der Pandemie selbst in den prächtigsten – wie hier dem Catalina Island Casino – so bleiben wird. Bild: The Image Bank Unreleased/Getty

Die Säle sind dicht. Aber wird das Publikum zurückkehren, wenn sie wieder öffnen? Die Zukunft des Kinos sieht düster aus, wie nicht nur eine Umfrage unter vormaligen Kinobesuchern zeigt.

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          Werden die Menschen irgendwann einmal, nach Wochen, Monaten der sozialen Isolation, in die Kinos zurückkehren? Das ist angesichts von jämmerlichen Zuschauerzahlen in den kürzlich immerhin vorübergehend wiedereröffneten chinesischen Kinos (in denen allerdings Filme gezeigt wurden, die bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie angelaufen waren, weil die meisten Blockbuster-Neustarts in den späten Sommer oder ins nächste Jahr verschoben worden sind) überall, wo es Kinos gibt, die es bleiben wollen, eine sehr bange Frage.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Jetzt ist die erste Studie dazu in den Vereinigten Staaten erschienen. Durchgeführt haben sie die Forschungsfirmen Performance Research und Full Circle Research Co. Das Branchenblatt „Variety“ hat ihre Ergebnisse veröffentlicht, und die sind niederschmetternd. Etwa die Hälfte der tausend Befragten gab an, auch nach Abflauen der Pandemie überhaupt nicht mehr oder erst nach vielen Monaten einen Kinobesuch ins Auge zu fassen. 47 Prozent waren überzeugt davon, dass noch für Monate allein die Idee, sich mit vielen anderen in einen geschlossenen öffentlichen Raum wie ein Kino zu setzen, für Angst und Schrecken sorgen werde. Nur etwa fünfzehn Prozent der Befragten hatten vor, nach der Pandemie mehr nach draußen und häufiger ins Kino zu gehen als zuvor – zu wenige, so die Branchenbeobachter, um die Zukunft von Kinos und Verleihern zu sichern.

          Blockbuster auf den Herbst oder sogar nächsten Sommer verschoben

          Könnte es also sein, wie es Jurij Meden, der Chefkurator des Österreichischen Filmmuseums, in seinem Blog befürchtet, dass die Corona-Krise den Trend weg vom Kino hin zum Streaming zu Hause nicht nur beschleunigt hat, sondern die vollkommene Transformation vom öffentlichen, gemeinsamen Filmeschauen zum privaten „als einziger legalen Option“ tatsächlich das Ende des Kinos besiegelt, des Kinos als Ereignis, das den Film ebenso meint wie den Ort und das Publikum? Und wenn ja, was bedeutet das für ein Filmmuseum? Es bedeute, so Meden, den Erhalt und die Pflege des Publikums ebenso als Aufgabe der Filmmuseen zu begreifen wie den Erhalt der Filme, die dort vorgeführt werden. Es müsse darum gehen, das Kino als Ort, an dem lebendige Menschen eine kulturelle Praxis ausüben, zu erhalten und den Kinobesuch in eine Reihe zu stellen mit anderen Museumsbesuchen als einen Akt von Freiheit und des Widerstands: als Antwort des Publikums auf ein Angebot zur Öffentlichkeit.

          Für ein Museum mag das als Denkfigur zumindest funktionieren, aber fürs kommerzielle Kino? Zumindest für dieses Jahr müssen die meisten Studios den Sommer als die Zeit, in der in den Vereinigten Staaten der größte Gewinn an den Kinokassen gemacht wird, abschreiben. Alle haben ihre Blockbuster auf den Herbst oder sogar den nächsten Sommer verschoben. Bei Produktionsbudgets von mehr als hundert Millionen Dollar und Zigmillionen weiteren fürs Marketing bietet allein das On-Demand-Streaming keine Möglichkeit, Kosten oder gar Gewinn einzuspielen. Die Rechnung geht ohne die Kinos und deren Besucher nicht auf, die millionenfach kommen müssen, damit es sich lohnt. Anders sieht das bei kleineren Filmen aus. Werden sie es sein, für die später einmal die Kinos ihre Leinwände nicht mehr zur Verfügung stellen, werden sie es sein, für die das Publikum nicht mehr aus dem Haus geht? Das ist eine nicht ganz neue Befürchtung, der sich Programm- und Arthouse-Kinos hier wie dort seit einiger Zeit entgegenstemmen. Und die Filmmuseen. Jetzt könnte es sein, dass ihre Probleme auch die der Studios werden. Die Kinos in China sind übrigens wieder zu und bleiben auf unbestimmte Zeit auch weiterhin geschlossen.

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