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Volker Schlöndorff : Dem Leben bei der Arbeit zusehen

Seine erste Liebe waren die Bücher, seine zweite der Film. Es ist die Neugier zu verstehen, wie andere leben, die Volker Schlöndorff antreibt. In seiner Autobiographie erinnert sich der deutsche Oscar-Preisträger, ohne sich selbst zu stark in den Mittelpunkt zu rücken.

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          Wir wissen nicht, ob der Film „Die Päpstin“, den Volker Schlöndorff sieben Jahre lang vorbereitet hatte, um dann kurz vor Drehbeginn vom Produzenten gefeuert zu werden, ein besonders großer Wurf geworden wäre. Jetzt arbeitet Sönke Wortmann daran. Schlöndorff aber hat die Zeit, die ihm mit seiner Kündigung plötzlich zufiel, genutzt, um seine Erinnerungen zu sortieren. Und das Buch, das er unter dem Titel „Licht, Schatten und Bewegung“ über sein Leben und seine Filme geschrieben hat, ist den Verlust der „Päpstin“ allemal wert.

          Verena Lueken

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Denn Schlöndorffs Leben ist nicht nur ungewöhnlich reich an Ortsveränderungen und Begegnungen, sondern der Regisseur war auch aktiver und akkurat beobachtender Teil von Geschichte wie von Filmgeschichte - so dass wir in seinem Buch Christoph Wackernagel, Lech Walesa und Angela Merkel einerseits begegnen und Billy Wilder und Fritz Lang andererseits. Von alldem kann er ohne allzu große Eitelkeit erzählen, kann Menschen beschreiben, mit denen er gearbeitet oder die er geliebt hat, kann Anekdoten abrufen, wobei ihm sein zeitweise geführtes Tagebuch behilflich war - und er hat beim Schreiben, was ihm beim Filmemachen manchmal fehlt, ein ganz gutes Gespür dafür, wann er uns mal zum Lachen bringen sollte.

          Er gibt uns - weshalb wir solche Bücher ja auch lesen - hier und da Klatsch über Stars und ihre Allüren, aber weder brüstet er sich mit illustren Namen, was er durchaus könnte, noch entblößt er irgendjemanden. Über private Krisen schreibt er ohne Weinerlichkeit und gerade mit so viel Abstand, dass uns nicht unbehaglich wird, und nur manchmal, etwa wenn er von Arthur Millers verleugnetem Sohn oder von Alain Delon erzählt, bekommt sein Ton eine gewisse Schärfe. Aber er setzt sie dosiert ein, so dass wir nicht den Eindruck bekommen, hier würden alte Rechnungen beglichen.

          Von den Büchern zum Film

          Schlöndorff, Jahrgang 1939, verließ seine hessische Heimat bereits als Schüler, um in Frankreich in einem Jesuiteninternat erzogen zu werden. Nach einer Kindheit im Krieg, dem schrecklichen Tod der Mutter, die beim Bohnerwachskochen verbrannte, und der Begegnung mit den amerikanischen Besatzern war er da schon reich an Erfahrungen und hatte bereits die Literatur für sich entdeckt, die später zur Grundlage fast aller seiner Filme wurde. Er suchte in Büchern nach Figuren, die sein Lebensgefühl teilten, nach Gefühlen, die seinen entsprachen, nach einer Vergewisserung, dass er nicht allein sei. Verbunden mit der Neugierde darauf, wie andere leben, wie sie arbeiten, wie sie mit Frauen umgehen, wie sie mit der Welt zu Rande kommen, wurde diese Suche nach Wahlverwandtschaften in der Literatur zur treibenden Kraft seines Lebens und seiner Arbeit. Auch in seinem Buch ist sie spürbar. Schlöndorff zieht nicht Bilanz und urteilt selten. Er sucht auch im Rückblick nach Verbindungen, nach einem Ort für sich in der Geschichte wie im eigenen Leben. Die Liebe zum Kino kam später als die zu den Büchern, aber immer noch früh genug, gefördert vom Filmclub der Jesuiten und dem in Frankreich selbstverständlichen Rang des Films als nationalem Kulturgut, so dass Schlöndorff nie daran zweifelte, was er werden wollte, nämlich Regisseur.

          Dass jemand von sich selbst absehen kann, ist im Filmgeschäft keine weitverbreitete (und oft auch nicht die angemessene) Haltung. Für Autoren ihrer eigenen Erinnerungen, zumal in dieser Branche, gilt das verstärkt. Es ist ein nicht geringer Teil des Vergnügens beim Lesen dieses Buchs, dass Schlöndorff sich immer wieder einmal selbst zurücknimmt. Und die Kunst von anderen beschreibt, etwa von Sven Nykvist, der einzig mit Tageslicht arbeitete, dessen Richtung er nie veränderte, und „mit fast religiöser Demut“ ganz auf „Gottes eigenes Licht“ vertraute. Mit dem Kameramann, dessen Name lange Zeit einzig mit Ingmar Bergman verbunden war, hat Schlöndorff „Strohfeuer“ (1972) gedreht und „Eine Liebe von Swann“ (1984).

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