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Video-Filmkritik : Wie man Weltenretter aus den Wolken reißt

Bild: Warner Bros. Germany

Ein Engel der Hölle gegen ein gerechtes Ungeheuer des Himmels: „Batman V Superman“ rüttelt die Moral des Comic-Kinos durch. Regisseur Zack Snyder will viel, schafft einiges – und leistet sich einen großen Patzer.

          5 Min.

          In der 1971 erstmals erschienenen, vor drei Jahren dann leider an chronischem Leserschwund verendeten Fachzeitschrift „Comics Buyer’s Guide“, in der man alles über Inhalte, Kunstwerte und Sammlerpreise von Superheldenheftchen erfahren konnte, gab es eine Rubrik mit dem schönen Titel „Obligatory Fight Scene“, in der zwei Kritiker eines aktuellen comicrelevanten Produkts mit jeweils unterschiedlichen Wertungsabsichten aufeinander losgelassen wurden, um so auch im genreaffinen Rezensionswesen die Doktrin „Schlägereien bringen das Wesentliche an einer Situation zum Vorschein“ zu etablieren, die in den einschlägigen Geschichten von „besonders talentierten Abenteurern“ (Grant Morrison) seit Jahrzehnten eisern durchgehalten wird. Wo in den großen bunten Super-Epen Heldinnen und Helden einander kennenlernen, geschieht das meist in Gestalt eines krawallhaltigen Missverständnisses, das die Betroffenen gemeinsam dann so brutal wie möglich durcharbeiten, damit sie hinterher auf dem grundsoliden Fundament von Schnittwunden, Prellungen und Knochenbrüchen umso festere Freundschaften, Allianzen und Liebesbeziehungen errichten können - ungefähr so wie in der Welt des organisierten und unorganisierten politischen Treibens engagierter Radikaler.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Zack Snyders vorösterliche Kino-Retterschmetterrüttelrevue „Batman V Superman: Dawn of Justice“ wendet dieses wohlerprobte Prinzip auf die beiden tragenden Säulen des Weltenbaus der Comics aus dem Verlag DC an, um auf dem Wege dieser Konfrontation des nahezu unverwundbaren Himmelssohnes Superman mit dem rachsüchtigen Nachtwandler Batman mehrere von DC mit dem Filmstudio Warner Brothers geplante Blockbuster über die „Justice League of America“ vorzubereiten, die dann als Heldenteam den „Avengers“ sowie den „X-Men“ des Konkurrenzunternehmens Marvel Comics einen möglichst fetten Batzen vom einträglichen Geschäft mit der boomenden Spektakelgattung streitig machen soll.

          Er kennt sich aus – und muss das zeigen

          Die „Justice League“ wurde 1960, also im sogenannten „Silver Age“ der Superheldenhefte, als Wiedergeburt der älteren „Golden Age“-Vorform „Justice Society“ im Rahmen der Reihe „The Brave and the Bold“ etabliert, das heißt: auf der offiziellen „Sie prügeln und verbünden sich“Plattform von DC. Man versammelte damals neben Superman und Batman die Amazone Wonder Woman, den unterseeischen Meeresmacho Aquaman, einen grünen Kerl vom Mars namens J’onn J’onzz, den Ringfingerfighter Green Lantern und den „Speedster“ The Flash (den man derzeit überschallschnell auf der Jagd nach Quoten und Klickraten durchs konventionelle wie netzflankierte Fernsehen rasen lässt).

          Zack Snyder ist ein Regisseur, der sich in diesem ganzen Zeug so gut auskennt wie Google in Gottes Hirn. Damit das niemand übersehen kann, lässt er in „Batman V Superman“ alle paar Meter Anspielungen fallen wie eine kokette Verführerin im galanten Roman ihr Taschentuch, damit ein bestimmter Teil des Publikums, die Superheldenfreaks nämlich, wie hypnotisiert hinter ihm her wetzt und jede Flatterfußnote einsammelt. Wenn jemand einer Frau „Miss Prince!“ hinterherruft, werden diese DC-Loyalen im Kinosessel lebhaft, und wenn Lex Luthor, Supermans Todfeind, ein bombastisches Wort mit „D“ sagt, weiß die Kernzielgruppe, wie das dann folgende Finale des Films ausgehen muss.

          Warum Superman uns Menschen mag

          Man kann derlei freilich sowohl subtiler wie wirkungsvoller machen. Dafür, dass er weiß, wer und was Batman eigentlich ist, hat zum Beispiel Christopher Nolan in seinen drei sowohl kommerziell wie künstlerisch mehr als befriedigenden „Dark Knight“-Filmen den allerschärfsten Sinn bewiesen. Der Abschluss der Trilogie, „The Dark Knight Rises“ von 2013, findet zu einem satten Schlussakkord, als Batman seinen letzten großen Kampf ausgerechnet bei Tageslicht besteht und sich damit von dem Fluch emanzipiert, dass die Nacht selbst stets der wirkungsvollste Teil seiner Erscheinung war, gleichsam sein wahres, abstraktes Gesicht - der reiche Playboy Bruce Wayne war die Maske, nicht die schreckliche Fledermaus, die Kriminelle erschreckt, weil sie weiß, dass diese Gestalten ein „superstitious and cowardly lot“ sind.

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