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Videofilmkritik „Exodus“ : O Mann, Moses!

Bild: 20th Century Fox

Gott ist ein Zehnjähriger, Ramses trägt Kajal, und die Ägypter werden von einem Tsunami verschlungen: Ridley Scott hat den biblischen Exodus verfilmt. Moses ist dabei ein ziemlicher Langweiler, aber die zehn Plagen gelingen ganz gut.

          5 Min.

          Sein größtes Problem, schrieb rückblickend Cecil B. DeMille, der es wissen musste, weil er die „Zehn Gebote“ gleich zwei Mal verfilmt hat, als Stummfilm 1923 und 1956 mit Charlton Heston als Moses, sein größtes Einzelproblem sei die Stimme Gottes gewesen. Ganz so, als sei es demgegenüber ein Kinderspiel, die eine oder andere Stadt zu bauen und zu zerstören, 8000 Komparsen durch die Wüste zu treiben, das Rote Meer sich teilen und Ihn dann Moses auf dem Berg Sinai die Tafeln mit den Zehn Geboten überreichen zu lassen. Und das alles zu einer Zeit, wo computergenerierte Bilder noch nicht mal in den Köpfen der phantasiebegabtesten Science-Fiction-Autoren existierten.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ridley Scott, der jetzt unter dem Titel „Exodus: Götter und Könige“ für geschätzte hundertfünfzig Millionen Dollar den Auszug aus Ägypten inszeniert hat, scheint dieses Problem eher beiläufig erledigt zu haben. Bei ihm brennt zwar auch der Dornbusch, doch statt einer Donnerstimme, welche damals, 1956, angeblich die akustisch verfremdete Stimme von Charlton Heston gewesen sein soll, spricht bei Scott ein Zehnjähriger in der Tonlage, in der eben Zehnjährige weit vorm Stimmbruch sprechen, auch wenn sie im Alltag eher selten zur Rückkehr nach Ägypten und zur Befreiung der Israeliten auffordern. Und statt dann den Text der Zehn Gebote per Blitzstrahl auf die steinernen Tafeln zu schicken, diktiert dieser Kindgott Moses, der die Worte mühsam und unbeholfen in Stein meißeln muss.

          Ridley Scott hat ganz andere Probleme, und es ist angesichts des Films nicht so sicher, ob er sich ihrer aller bewusst war. Zunächst einmal musste er die absehbare Kritik aushalten, für die Hauptrollen, für Moses, Ramses und einige andere, ausschließlich weiße Schauspieler verpflichtet zu haben, obwohl man davon ausgehen kann, dass die Bewohner Ägyptens und ihre israelischen Sklaven in den Jahren 1500 vor unserer Zeitrechnung anders ausgesehen haben.

          Scott reagierte auf die Vorwürfe ziemlich barsch und humorlos

          Oder besser: ausgesehen hätten, denn weder ist der Mann Moses jenseits der biblischen Geschichte als historische Gestalt belegt, noch gibt es archäologische Indizien, die auf eine Versklavung und Flucht der Israeliten deuteten. Der 77-jährige Scott reagierte auf die Vorwürfe ziemlich barsch und humorlos, indem er erklärte, einen Film dieser Größenordnung hätte er kaum finanziert bekommen, wenn er gesagt hätte: „Mein Hauptdarsteller ist Mohammed Soundso.“

          Christian Bale, der nun nach Batman gleich den nächsten Superhelden spielen darf, hat Scott verteidigt, sich dann aber selber reingeritten, als er Moses „wahrscheinlich schizophren und einen der barbarischsten Charaktere, von denen ich in meinem Leben gelesen habe“, nannte. Richtig gut kam das nicht an, da die Befreiung von der Sklaverei und der Exodus für die jüdische Identität zentral sind und auch Christen eher wenig übrighaben für solche lockeren Reden. Ganz abgesehen davon, dass im Film, in Christian Bales Spiel, dann nicht gerade viel von seinen Lektüreeindrücken übriggeblieben ist.

          Weit größer als die Probleme im medialen Abnutzungskampf sind allerdings jene, welche der Film sich durch seine Erzählweise selber schafft. Es gibt, seit den biblischen und mythologischen Technicolor-Epen der fünfziger und sechziger Jahre, so etwas wie einen unausgesprochenen Imperativ zu Monumentalität und Verschwendung, wenn man solche Stoffe angeht.

          Als wolle er eine Zweitversion von „Gladiator“ vorlegen

          Zugleich soll aber die theologisch-moralische Botschaft, die den Exzess ja ablehnen muss, nicht desavouiert werden. Das ist eine heikle Sache, weil es heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach DeMille und all den anderen, nach „Samson und Delilah“, „Ben Hur“ oder „The Greatest Story Ever Told“, fast vierzig Jahre, nachdem Burt Lancaster auch mal Moses war, weil es im digitalen Zeitalter weder die erzählerische Naivität noch die technischen Grenzen der Darstellbarkeit gibt.

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