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Video-Filmkritik „Traumfabrik“ : Der Traum hätte mehr verdient

  • -Aktualisiert am

Der Film verrät seinen Titel in nahezu jeder Hinsicht

Die Konstellation des Mauerbau-Sommers interessiert „Traumfabrik“ aber letztlich nur als Aufhänger für seine eigene Vorstellung von dem, was heutzutage Träume sein könnten. Und da erweisen sich Schreier und Remmers als Anhänger einer altmodischen Position: Es kommt vor allem darauf an, dass alles sehr viel größer ist als das Leben. „Bigger than life“ kann eine Liebe nur sein, wenn ihr epochale Widerstände entgegenstehen. Und wenn sie auf Vorstellungen beruht, hinter denen eine Industrie steht. Eine solche Liebe ist vor allem ein Kompositum aus älteren Filmszenen, und Martin Schreier greift dabei nicht tief: Wenn man den nicht eben subtilen Soundtrack und die langwierige Dramaturgie als Richtschnur nimmt, dann hatte er nicht weniger als ein deutsches „Titanic“ im Sinn. Dennis Mojen (erstmals aufgefallen 2009 in „Poll“) in der Hauptrolle des Emil mag man dabei durchaus als aussichtsreichen Aspiranten in einer etwa auszulobenden Konkurrenz um den größten in Deutschland verfügbaren Leo-DiCaprio-Appeal sehen. Und Emilia Schüle („Freche Mädchen“, „Ku’damm 59“) hat genau das Maß an Charisma, das für die Rolle der Milou angemessen ist: Sie ist ja eben keine Diva, sondern ein Mädchen in der Kulisse, das von einem großen Tanz träumt. Mojen und Schüle stehen für ein neues deutsches Starsystem, das den Vergleich mit anderen, längst durch Diversifizierung irdischer gewordenen Traumfabriken nicht mehr scheuen muss.

Mit ihrem Versuch, die historische Faktizität durch Romantik aufzuheben, haben sich Schreier und Remmers allerdings ein kaum zu lösendes Problem eingehandelt: Denn eine Liebesgeschichte zwischen Emil und Milou könnte sich ja zuerst einmal nur auf dem Gebiet der DDR erfüllen. Milou müsste also für die Liebe das Opfer der Freiheit bringen, ohne dass in „Traumfabrik“ wirklich ernsthaft von der DDR die Rede sein darf, die eben nicht nur komisch war, sondern auch todernst. In den Film schreibt sich dieses Dilemma vor allem durch endloses Aufschieben ein: Schreier klappert alle möglichen Happy Ends ab, bis er dann endlich zu dem einen kommt, das im Grunde schon verspätet wirkt – in jedem Fall eher wie ein Trost für versäumte Höhepunkte. Zugleich gibt er mit Michael Gwisdek in einer schwer erträglichen, weil über Gebühr kitschigen Rahmenhandlung in französischer Landhausidyllik das überglückliche Ende im Westen schon von Beginn an vor.

„Traumfabrik“ verrät seinen Titel in nahezu jeder Hinsicht: Die Träume kommen aus keinem anderen Unbewussten als den geläufigsten Hollywood-Phantasien, die Fabrik weiß im Grunde nichts wirklich von der Produktion von Filmen. Vor allem aber geht das Spiel mit der Geschichte nicht auf: Deutschland sollte die Überwindung der Teilung nicht dafür zugefallen sein, dass man die hiesigen Traditionen nun an eine notdürftig ironisch gebrochene Überbietungsromanze ausverkauft.

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