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Video-Filmkritik: „White House Down“ : Dies ist ein ehrenwertes Haus

Bild: Sony Pictures

Der Präsident wird von Terroristen heimgesucht: Der deutsche Regisseur Roland Emmerich bleibt mit seinem Film „White House Down“ Amerikas strammster Patriot.

          3 Min.

          Natürlich ist es kein Zufall, dass die Eroberung des Weißen Hauses vom Kinosaal des amerikanischen Präsidenten aus erfolgt. Dort hat sich in Roland Emmerichs neuem Rumsbumsfilm „White House Down“ eine zu allem entschlossene Terroristentruppe um einen Anführer mit dem schönen deutschen Namen Stenz (Jason Clark spielt ihn mit dem freudigen Zynismus eines Tarantino-Helden; Hollywoods Randphänomene werden zuverlässig vom Mainstream geschluckt) versammelt.

          Terroristen als Techniker

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die Terroristen geben sich als Techniker aus, die dem filmbegeisterten Hausherrn James M. Sawyer (anspielungsreicher konnte man den Rollennamen für den von Jamie Foxx gespielten Präsidenten kaum wählen) den ordentlichen Rahmen für seine Leidenschaft verschaffen sollen. Mit der jüngsten Kinotechnik kommt die Zerstörung - das ist mehr als nur ein Augenzwinkern des Filmapokalyptikers Emmerich hin zum Publikum. Es ist geradezu eine Grimasse, die uns der deutsche Regisseur aus Hollywood da zieht.

          Subtilität war Emmerichs Sache nie. Seit „Independence Day“, in dem er vor fünfzehn Jahren schon einmal Washington nach allen Regeln der Trickkunst in Schutt und Asche gelegt hatte, ist er der Kinomann fürs Große und Grobe: „Godzilla“ 1998, „Der Patriot“ 2000, „The Day After Tomorrow“ 2004 und „2012 - Das Ende der Welt“ 2009. Da war das Durchschnaufen, das sich Emmerich mit seiner Shakespeare-Demystifikation „Anonymus“ vor zwei Jahren erlaubt hatte, bitter nötig, um genug Atem zu haben für den neuen Film, der ins Herz des amerikanischen Selbstverständnisses zielt.

          Angriff auf eine Ikone

          Das Weiße Haus ist eine Ikone, gerade auch als Schutzraum für den Ersten Mann im Staat. Dass das damals noch ganz neue Gebäude 1813 - nicht zufällig genau zweihundert Jahre vor Emmerichs Film - von den Briten abgefackelt wurde, als sie die amerikanische Hauptstadt kurzfristig besetzt hielten, ist amerikanisches Trauma und amerikanischer Traum zugleich. Aus den Trümmern entstand das Weiße Haus neu, und der Mythos der jungen Nation hatte darin seine erste Verkörperung gefunden: Geschlagen kann man sein, besiegt aber nie.

          Genau nach diesem Schema hat James Vanderbilt sein Drehbuch angelegt: als Achterbahntour mit etlichen Abfahrten und Überschlägen; aber natürlich gerät der Held niemals aus der Spur. Dieser Held ist nicht der Präsident, obwohl auch der im Zuge eines ereignisreichen Vormittags einiges dazulernt, was künftigen Angreifern auf seinen Amtssitz die Sache schwerer machen dürfte, sondern ein schlichter Bürger, dessen Leben bislang nicht rosig ausgefallen ist. Das Studium hat John Cale ehedem abgebrochen, seine Ehe kriselt, die elfjährige Tochter Emily ist von Daddy nur genervt, ein Job nicht in Aussicht.

          Das  Allerheiligste der amerikanischen Demokratie

          Aber halt: Da ist ja noch gleich um die Ecke das Weiße Haus. Dort wird man doch einen tüchtigen Sicherheitsbeamten brauchen können. Abermaliges Pech, dass hier die einstige Studienkollegin Carol Finnerty in verantwortlicher Position beschäftigt ist und sich nicht allzu positiv an den Kommilitonen erinnert. Als Zuschauer leidet man angesichts ihrer Hartherzigkeit, zumal man ansonsten lustvoll die Sorglosigkeit vorgeführt bekommt, mit der dubioses Reinigungs- und anderes Dienstleistungspersonal ins Allerheiligste der amerikanischen Demokratie eingelassen wird.

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