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Video-Filmkritik: „White House Down“ : Dies ist ein ehrenwertes Haus

Aber keine Sorge: Drei Menschen - Mann (Channing Tatum), Frau (Maggie Gyllenhaal) und Kind (Joey King) - werden das Land retten. Aber das wissen sie noch nicht, als sie frühmorgens auf jeweils andere Weise vom Hubschrauberheimflug des Präsidenten um den Schlaf gebracht werden: Vater und Tochter Cale durch den Überflug, der auf Wunsch von Sawyer immer am Lincoln-Memorial vorbeiführt (der Präsident ist ein großes Kind oder besser noch, seinem Namen entsprechend, ein Lausbub), Carol Finnerty durch ihre Pflicht, den Staatschef zu beschützen. Als sie von ihrem scheidenden Vorgesetzten, dem Sicherheitschef Martin Walker - den James Woods so bärbeißig verkörpert, wie nur er es kann -, nach der Landung zu einer wohlverdienten Pause vergattert wird, ahnt man schon, dass das ein Fehler war. Auf welche Weise sich diese Vermutung bestätigt, darf nicht verraten werden, denn es ist der entscheidende Twist des Films.

Die Unverletzlichkeit von Leib und Zierrasen

Wenn es dann zur Sache geht, wird „White House Down“ zur Materialschlacht, in deren Verlauf kaum ein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Das macht aber nichts, denn als Fazit bleibt die Erkenntnis: „Dieses Land ist stärker als ein Haus.“ Für die patriotischen Schlüsselszenen ist die kleine Emily zuständig, deren private Faszination für das Gebäude schon in der allerersten Szene eingeführt wird, wenn neben ihrem Bett eine Schneekugel mit dem Motiv des Präsidentensitzes gezeigt wird. Ähnlich abgeschottet und eiskalt wird es später zugehen, als sie ihren Vater bei dessen Vorstellungsgespräch ins echte Weiße Haus begleitet und beide unfreiwillig ins bitterböse Treiben der Terroristen hineingezogen werden. Klar, dass sich die abstrakte Ortskenntnis des Mädchens ebenso bewähren wird wie die Strebsamkeit des Arbeitssuchenden.

Was man Emmerichs Film zugute halten kann, ist, dass immer dann, wenn man ihn auf dem Höhepunkt glaubt, noch einmal eine wildere Volte oder ein furioseres Spektakel folgt. Zuschauer mit Affinität für die Unverletzlichkeit von Leib und Zierrasen sollten sich auf einiges gefasst machen. Diese nimmermüde Aneinanderreihung von Höhepunkten erschöpft indes auch zuverlässig, und die humoristischen Akzente, die von Nicolas Wright als pflichtbewusstem Angehörigen des Besucherdienstes im Weißen Haus gesetzt werden, der schon bei der winzigsten Zerstörung von Objekten an seinem Arbeitsplatz verzweifelt, sind denn doch zu spärlich, als dass sie etwas liefern könnten, was man comic relief nennt: Erleichterung ist Emmerichs Sache ganz sicher auch nicht.

Wenn die Armee stur wie die Panzer aufmarschiert, sieht man: Die nehmen die Sache tierisch ernst. Und das tut auch Emmerich. Patriotischer als der Wahlamerikaner aus Stuttgart kann man in Washington nicht sein.

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