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Video-Filmkritik : Von der Wirklichkeit zur Fiktion: „Fair Game“

Bild: Tobis

Doug Limans Film „Fair Game“ mit Sean Penn und Naomi Watts ist die wahre Geschichte der CIA-Agentin Valerie Plame, die von der Regierung enttarnt wurde.

          5 Min.

          Als Colin Powell am 5. Februar 2003 vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trat, war er so gut vorbereitet wie ein Hollywood-Star für seine große Szene. Fünf Tage lang hatte der amerikanische Außenminister im Hauptquartier der CIA Geheimdienstberichte studiert, um sich davon zu überzeugen, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügte.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Er hatte Bild- und Kartenmaterial dabei, er zeigte Satellitenfotos, auf denen Lastwagen mit mobilen Biowaffenlabors zu erkennen sein sollten, und die Regie hatte ihm sogar noch ein Reagenzglas mitgegeben, um zu demonstrieren, welch geringe Giftmenge für schreckliche Wirkungen ausreichen würde.

          Es war, erst recht im Rückblick, ein nahezu klassischer Spielfilmmoment - mit dem kleinen Fehler, dass der Hauptdarsteller nicht wusste, dass er ein Hauptdarsteller war. Auch wenn 2003 schon viele an der Existenz von Saddams Massenvernichtungswaffen zweifelten, auch wenn Powell später diesen Auftritt als „Schandfleck“ seiner Karriere bezeichnete, weil ihn der Geheimdienst hinters Licht geführt habe, so war die Wirklichkeit in diesem Moment doch vor den Augen der Weltöffentlichkeit zur Fiktion geworden. Zur Lüge fehlte der Vorsatz, zur Behauptung wider besseres Wissen fehlte das bessere Wissen, und für die Wahrheit fehlten ganz einfach die Beweise.

          Nach einer wahren Begebenheit

          Man muss, um diese historische Transsubstantiation zu verstehen, den damals als Verteidigungsminister tätigen Philosophen Donald Rumsfeld zitieren, der schon 2002 erklärt hatte: „Berichte über etwas, das nicht passiert ist, sind für mich interessant, denn wie wir wissen, gibt es Dinge, die wir wissen. Wir wissen auch, dass es Unbekanntes gibt, von dem wir wissen, dass es unbekannt ist. Wir wissen, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen. Aber es gibt auch Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

          Rumsfelds erkenntnistheoretische Reflexion war nun nicht nur Maxime des Regierungshandelns, sie ist auch ein Schlüssel zum Verständnis jener Geschichte, die Doug Limans Film „Fair Game“ erzählt. Auch sie spielt im Vorfeld des Irakkriegs, und sie entstand „nach einer wahren Begebenheit“, weil sie davon erzählt, wie konstruiert wurde, was Colin Powell als Fakten vortrug. „Fair Game“ ist die Chronik der Plame-Affäre; die Geschichte der CIA-Agentin Valerie Plame Wilson, die aus dem Umfeld der Bush-Regierung enttarnt wurde, weil ihr Ehemann, der ehemalige Diplomat Joseph Wilson IV, in der „New York Times“ einen Artikel geschrieben hatte, der glaubhaft widerlegte, dass es die angeblichen Uranlieferungen aus Niger an den Irak gegeben hatte.

          Watts spielt mit gewohnter Kühlheit

          Das Ehepaar hat seine Memoiren geschrieben, jeder sein eigenes Buch, auf denen das Drehbuch zu Limans Film beruht. Es sind keine Enthüllungen radikalliberaler Bush-Gegner, sondern Erinnerungen amerikanischer Patrioten, die sich fragen, ob sie vom Drehbuchautor eines Thrillers erfunden wurden. Genau so beginnt „Fair Game“: mit einer Ouvertüre wie ein internationaler Spionagethriller. Die kühle CIA-Agentin in Kuala Lumpur, als Geschäftsfrau getarnt, trifft den schmierigen Sohn eines örtlichen Magnaten, der sich sexuelle Gefälligkeiten erhofft - und als Informant für den Geheimdienst endet.

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