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Video-Filmkritik: „Van Gogh“ : Der Wundmaler tropft

Bild: DCM

Dieser Film will geliebt werden, das macht sein Misslingen fast tragisch und seine Plattheiten ärgerlich: Mit „An der Schwelle zur Ewigkeit“ hat Julian Schnabel die Passion Vincent van Goghs verfilmt.

          Wer Argumente gegen Programm- und Arthouse-Kinos sucht, wird diesen Film studieren müssen, mit zusammengebissenen Zähnen und vielen neuen Falten im Hirn. Der bekannte amerikanische Großkunstsammlervillenfoyerveredler und Filmregisseur Julian Schnabel hat das Leben des noch viel weltberühmteren Tüpfchenträumers Vincent van Gogh verfilmt. Der Held trägt das Gesicht von Willem Dafoe. Es geht schlimm zu in „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“: Das Genie fällt in zwei Sprachen über eine Frau vom Land her, weil Genies sich schwer zügeln können, das ganze Dorf empört sich über dieses verrutschte Schäferstündchen, und eine hergelaufene Lehrerin demütigt den Visionär, weil sie nicht begreifen will, warum man die Natur so knotig pinselt wie er.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die folgenreichsten Begegnungen mit Frauen, die der rührende Psychopath erleben muss, zeigen das Geschlechtergegenüber also als verklemmt und verständnislos – dumm genug, aber andererseits: Wenn die Rollen vertauscht wären und Herr Schnabel einen analogen Stuss über Frida Kahlo und „die Männer“ erzählt hätte, wäre der Film auch nicht besser.

          Warum nicht gleich ein Hörbuch?

          Dieser Film will geliebt werden, das macht sein Misslingen fast tragisch und seine Plattheiten ärgerlich: Die Gegend von Arles in der Sonne, die Gegend von Arles auch mal im Regen, eine enge Kneipe, eine noch engere Kammer, ein trostloses Irrenhaus mit Wasserfolter, alles wird mit den denkfaulsten Bildkürzeln flachgefilmt. Man erlebt so ein eklatantes Komplementärübel zum sechshundertsten „Transformers“- oder „The Fast and the Furious“-Blockbuster, insofern beide Sorten Simpelbedienung zwei Seiten der Münze „Reiz-Reaktions-Rummel-Kino“ bilden. Denn zum Jahrmarktswesen, als dessen zeitgenössische Erben die Lichtspielhäuser dem Streaming derzeit einen harten Abwehrkampf liefern, gehört neben der Achterbahn in 3D eben auch die prätentiöse Wahrsagerin mit ausländischem Akzent, die von Inspiration faselt.

          Dass diese Imago in Schnabels Gestalt ihre Kundschaft scheinbar individueller bedient, als die Massen-Spektakelware das tut, bedeutet nicht, dass sie mehr mit Kunst zu tun hätte als jene, sondern nur, dass es auch einen Kommerz namens Kunstgewerbe gibt, nicht nur einen namens Überwältigung. Oscar Isaac ist Paul Gauguin, Mads Mikkelsen ist ein Priester, der ein wenig reserviertes Mitleid spendiert: Die öde Starparade könnte von keinem Computerprogramm herzloser berechnet worden sein.

          Durchgängig herrscht zudringlicher Wehmutsterror anstelle eines Begriffs von Vergangenheit, obwohl es doch angeblich darum geht, verlorene Achtsamkeit wiederzufinden: Zeitlose Hände nesteln an einer Postkartenmotivjacke, und schau nur, da sind auch schon die Schuhe vom Ausstellungsposter! Klavier, Klavier, Spazier, Spazier, dann schmeißt sich van Gogh zu Boden und besudelt sich mit Dreck. Dazu leidet er mit aufgerissenen Augen an der Furcht, der Einzige zu sein, der die Ewigkeit sieht, wenn er in die Landschaft stiert. Jesus Christus persönlich wird mit den Worten zitiert, man solle sich vom Sichtbaren ab- und dem Unsichtbaren zuwenden. Schön, aber warum dann nicht gleich ein Hörbuch statt Kino? Blumen. Dämmerung. Zeitsprünge. Am Ende liegt der Schmerzensmann als edler Kadaver zwischen seinen Werken, und irgendein Schnittpraktikant steuert den horrenden Einfall bei: Meister Schnabel, machen wir die Projektionswand doch kurz gelb und lassen Gauguin davon schwärmen, wie wahnsinnig gelb das Gelb bei van Gogh immer ist.

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