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Video-Filmkritik : Unentschlossen: Polanskis „Ghostwriter“

Bild: Kinowelt

„Ghostwriter“ ist der erste Film Polanskis seit „Chinatown“, der in den Vereinigten Staaten spielt. Die Vorlage stammt von Robert Harris, der auch das Drehbuch schrieb.

          Angesichts der Ereignisse der vergangenen Monate, die Roman Polanski nun mit einer Fußfessel in Gstaad ein sesshaftes Leben führen lassen, ist es natürlich kein Wunder, dass sein Film „The Ghostwriter“ im Wettbewerb mit einiger Neugier erwartet wurde. Dazu handelt es sich um die Verfilmung des Bestsellers von Robert Harris (der auch das Drehbuch geschrieben hat), und außerdem ist es der erste Film Polanskis seit „Chinatown“, der in den Vereinigten Staaten spielt. Gedreht wurde er natürlich andernorts, in Deutschland nämlich, in den Studios Babelsberg und auf Sylt und Usedom.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was hatte man eigentlich erwartet? Angesichts der Vorlage sicherlich keinen Thriller, der einen auf der Stuhlkante festeist, angesichts der Filme, die Polanski in den letzten Jahrzehnten gedreht hat, wohl auch keinen Umschwung in seiner etwas altmodischen Erzählweise. Einen Hinweis auf seine augenblickliche Situation? Seine Geschichte? Worauf auch immer wir gewartet haben mögen - bekommen haben wir ein gut abgehangenes Stück Mainstreamkino, etwas behäbig, nie brisant.

          Das Beste sind die Schaupätze

          Adam Lang (Pierce Brosnan), ein ehemaliger britischer Premierminister, den Robert Harris als ein Abbild von Tony Blair angelegt hat, wird seine Memoiren veröffentlichen. Sein langjähriger Ghostwriter ist am Anfang des Films schon tot, ermordet vermutlich, was Ewan McGregor ins Spiel bringt, der ihn ersetzen soll. Er fliegt von London auf eine ungenannte Insel vor der amerikanischen Ostküste, um in vier Wochen ein druckfertiges Manuskript herzustellen. Von Politik versteht er nichts, was alle für einen Vorteil halten. Und dann findet er sich langsam, aber sicher inmitten einer polititschen Intrige, ihrer Vertuschung, einer Katastrophe von weltpolitischem Rang. So sollen wir glauben. Aber wir gähnen.

          Das Beste sind die Schaupätze. Das Wetter ist immer schlecht, die Winde peitschen über die Dünen, und das Strandhaus, in dem die Handlung in weiten Teilen spielt, ist ein eckiges Ding, das zwar rundherum Aussicht aufs graue Meer und menschenleere riesige Strände bietet, aber den Charme eines Hochsicherheittrakts ausstrahlt. Darin lebt Adam mit seiner Frau Ruth (Olivia Williams), seiner Assistentin Amelia (Kim Cattrall), einem seltsamen asiatischen Paar, das für die Küche und einen etwas lahmen Running Gag zuständig ist, und einem Haufen Leibwächter. Offenbar hat Adam ein Verhältnis mit Amelia, was Ruth irgendwie wütend macht, aber ein wirklicher Konflikt wird daraus nicht.

          Ungeheuerlich, dieses Geheimnis

          In den Memoiren, deren Manuskript der tote Ghostwriter hinterlassen hat und über dessen Lektüre der neue Ghostwriter einschläft, soll so viel Zündstoff verborgen sein, dass höchste Sicherheitsmaßnahmen bemüht werden, es zu schützen. Aber wir haben keine Ahnung, worum es geht, und was uns an möglicher Enthüllung angeboten wird - ein Kriegsverbrechen, das einen Untersuchungsausschuss vor dem Menschengerichtshof in Den Haag auf den Plan ruft -, läuft ja bereits im Fernsehen. Ungeheuerlich, wie das Geheimnis des Manuskripts am Ende tatsächlich ist - wir haben nicht nägelbeißend darauf gewartet, es zu erfahren.

          Das Projekt, die Memoiren von einem langweiligen geschönten Karrierebericht in ein spannendes Buch zu verwandeln, verliert der Film schnell aus den Augen. Wie das gegangen wäre, hätte möglicherweise die bessere Geschichte ergeben. Einige Dialoge, britisch unterkühlt, scharf und witzig, deuten darauf hin. Spannung aber ist aus der Distanz, aus der Polanski hier erzählt, nicht zu haben.

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