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Video-Filmkritik „The Lego Movie“ : Ein Steinwurf bloß zum Superhelden

  • -Aktualisiert am

Bild: Warner Bros.

Mit „The Lego Movie“ wagt der berühmte Spielzeughersteller einen Vorstoß ins Digitale. Mit 15 Millionen virtuellen Legosteinen wird ein Kampf gegen Starre und Konformität erzählt.

          Sie werden kein Alibikind brauchen, um sich den Lego-Film im Kino anzusehen. Wenn Sie aber doch eins mitnehmen, werden Sie im Nachhinein einige Fragen beantworten müssen. Beispielsweise danach, was Batman, C-3PO, Shaquille O’Neal, Shakespeare, Lincoln, Neo, Superman und der Polizist mit den zwei Gesichtern in einem Film zu suchen haben, wer die überhaupt sind und warum deren Geschichte abwechselnd im Wilden Westen, in der Megacity, im Jenseits, im Werkstattkeller einer Familie und in der Phantasie spielt.

          Beim Versuch, es sich auch selbst zu erklären, werden sie ungefähr Folgendes nacherzählen: Es gab eine Prophezeiung, der zufolge der unscheinbare Emmet „der Besondere“ sei. Nur er könne das durch die Machenschaften von Präsident Business bedrohte Universum retten, meinte zumindest der Mystiker Vitruvius, der wie Gandalf auftritt, sich dann aber eher als Architekt der Matrix entpuppt, als der wahre Gandalf im Wolkenkuckucksheim plötzlich neben ihm steht.

          Spielzeug des Jahrhunderts

          Dieser Film ist ein großes und unterhaltsames Abenteuer. Für die Zuschauer und den Spielzeughersteller. Es schien eigentlich unmöglich, dass das Unternehmen Lego noch einmal einen so gewaltigen Vorstoß ins Digitale wagt. Im Jahr 2000 wurde Lego mehrfach als das Spielzeug des Jahrhunderts ausgezeichnet. Dann wurde das Management übermütig und erklärte die 150 Software-Ingenieure des Darwin-Projekts zur Zukunft des Unternehmens. Dass sich Lego im Lichte der Spekulationen des kanadischen Konzeptkünstlers Douglas Coupland, zum „Microsoft des 21. Jahrhunderts“ aufsteigen zu können, selbst gefiel, verwundert nicht. Doch dieser Verlass auf virtuelle Steine führte das Unternehmen vor zehn Jahren fast ins Verderben.

          Bei dem vollständig animierten Kinofilm hatten die Lego-Ingenieure nun aber doch wieder ihre Finger mit im Spiel. Allerdings nur, um zu überprüfen, ob alles, was zu sehen sein sollte, auch echt sein könnte. Ein immerhin sechzigköpfiges Designerteam übernahm diese Qualitätskontrolle. Jedes Bild, das der Film zeigte, sollte tatsächlich aus Legosteinen baubar sein. Das Ergebnis ist auch in Zahlen beeindruckend. Im Film sind 15 Millionen Legosteine zu sehen. Weil nur wenige mehrfach verwendet wurden, waren letztlich 3,8 Millionen Steine im Einsatz. Nur wurde tatsächlich keiner von ihnen physisch hergestellt.

          Der Phantasie Raum geben

          Die Anmut lässt sich folglich leicht beschreiben. Der Legofilm sieht wie das Ergebnis echter Legobauarbeiten aus, aber er orientiert sich nicht an dem, was man zu Hause auf dem Teppichboden kreiert, sondern er übersetzt die Phantasien, die einem beim Durchblättern des Katalogs oder beim Ablaufen der Regalreihen im Spielzeugladen kommen. Diese schon immer mit Sorgfalt und Ideenreichtum gestalteten Broschüren und Verpackungen erweckt der Film zum Leben: Transformers überall, jede dritte Sekunde eine Explosion, tiefe Abgründe, rasante Flüge, wilde Wechsel durch die Legowelten, die allesamt der Idee entsprechend zu einem Universum gehören. Ist es also eine hundertminütige Lego-Werbeveranstaltung? Ja, mehr sogar.

          Emmet soll das Universum retten. Dabei ist er noch nicht einmal ein Meisterbauer. Sein Beruf ist viel profaner, er baut Häuser nach Anleitung und reist andere wieder ein, wenn sie nicht der Norm entsprechen. Emmet geht morgens nicht zur Arbeit, er marschiert zu den Baustellen. Und wie alle anderen untermalt er den morgendlichen Stechschritt mit flottem Gesang: „Hier ist alles spitze!“ Die Legowelt der ersten Minuten ist erdrückend, was sich durch den subtilen Appell des Films kaum ändert, doch einmal von der Bauanleitung abzulassen und der Phantasie Raum zu geben. Nur wenige Figuren, die Meisterbauer, können das. Der Masse bleiben die phantastischen Welten verborgen. Es geht hier um die, die programmieren, und die, die programmiert werden. Aber alle bleiben Einwohner - oder doch Gefangene? - des Lego-Universums.

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