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Video-Filmkritik: „The Congress“ : Jenseits der guten Jahre einer Frau

Bild: F.A.Z., Pandorra

Stanislaw Lems „Futurologischer Kongress“ hätte sich gut als Animationsfilm umsetzen lassen. Ari Folman spielt lieber frei mit den Motiven, verquickt Real- mit Animationsfilm - und bleibt doch hinter dem Esprit des polnische Science-Fiction-Satirikers zurück.

          Man könnte dies eine ungewöhnliche Literaturverfilmung nennen. Ungewöhnlich, weil es keiner der Protagonisten aus dem Buch auf die Leinwand geschafft hat und auch nur eine einzige Szene auf ein konkretes Vorbild im Text zurückgeht. Dabei hatte es der israelische Regisseur Ari Folman mit einer bildmächtigen Vorlage zu tun: Stanislaw Lems 1971 erschienenem Roman „Der futorologische Kongress“, einer Science-Fiction-Farce mit Lems berühmtester Figur, dem philosophierenden Raumfahrer Ijon Tichy. Doch keine Spur von ihm im Film „The Congress“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Stattdessen dreht sich das Geschehen um eine Frau, die Schauspielerin Robin Wright, die bei Folman sich selbst spielt. Sie ist einer jener Hollywoodstars, die es zu einigen größeren Rollen gebracht haben (in „Toys“, „Forrest Gump““Die letzte Festung“ oder „State of Play“), aber nie hat sie so viel Ruhm mit ihrer Arbeit als Schauspielerin erlangt wie als Ehefrau von Sean Penn. In letzter Zeit sah man sie selten, die Karriere der Siebenundvierzigjährigen stockt. Genau in diesem Moment setzt „The Congress“ ein: Was bleibt einer Schauspielerin, die ihre besten Jahre gerade hinter sich hat?

          Eingescannt für die Ewigkeit

          Die Erinnerung des Publikums an diese besten Jahre. Und so bekommt Robin Wright vom Miramount Studio das Angebot, dass man sie jetzt, da sie noch gut aussehe, einscannen und ihr Computerabbild für Filme nutzen wolle, in denen sie immer jung bleiben und zudem alles leisten könne, was ein Rechner nur irgendwie animieren kann. Robin als Actionstar? Genauso wenig ein Problem wie Pornofilme. Ewiger Ruhm ist garantiert, noch die Enkel könnten sich am Starlet ergötzen, das ehedem den Großvater begeisterte. Der Haken: Nichts davon wird Robin Wright selbst spielen. Um die Illusion dauerhafter Schönheit zu wahren, muss sie auf eigene Auftritte verzichten.

          Nach anfänglichem Zögern, in dem sie ihr Agent Max (Harvey Keitel), der gleichfalls seine große Zeit hinter sich hat, bestärkt, stimmt sie dann doch für eine Frist von zwanzig Jahren zu. Dabei spielt eine Rolle, dass sie in einem alten Hangar am Rand eines Flugplatzes eine Bleibe für sich und ihre beiden Kinder gefunden hat, doch ihrem kranken Sohn nichts bieten kann. Für das Familienidyll und die schwierige Entscheidungsfindung braucht Folman eine halbe Stunde und macht dabei etliche optische wie inhaltliche Anleihen bei „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“, dem Film, der 1993 Leonardo DiCaprio zum Kinostar machte, nachdem er zuvor in der Fernsehserie „California Clan“ brilliert hatte - neben der jungen Robin Wright. Aber das ist Zufall.

          Kein Zufall ist, dass nach dieser ersten halben Stunde ein Bruch folgt, wie er drastischer kaum denkbar wäre. Robin Wright, dank der Zustimmung zur Nutzung ihres virtuellen Körpers wieder ein Star, wird zwanzig Jahre später zu einem Kongress des Miramount Studios in eine abgeschottete Wüstensiedlung eingeladen. Kaum passiert sie mit ihrem Cabrio den Kontrollposten am Rande der Stadt, wandelt sich das Szenenbild vom Real- zum Animationsfilm. Wir kennen diesen Effekt aus „Roger Rabbit“. Nur dass Folman, der vor fünf Jahren durch seinen reinen Animationsfilm „Waltz with Bashir“ bekannt wurde, gar nicht erst versucht, eine ähnlich perfekte Trickästhetik wie 1988 Robert Zemeckis anzustreben.

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