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Video-Filmkritik : Sofia Coppola dreht im Hotel: „Somewhere“

Bild: Tobis

In „Somewhere“ erzählt Sofia Coppola die Geschichte eines Schauspielers in der Krise, der im Hollywood-Hotel „Chateau Marmont“ wohnt.

          6 Min.

          Ans „Chateau Marmont“ denkt hier garantiert niemand, der vor der Drehtür steht - allenfalls mit Fernweh. Keine Billboards wie am Sunset Boulevard, nur grauer Himmel und der Gendarmenmarkt. Palmen gibt es mitten in Berlin natürlich auch nicht. Aber wo sonst sollte ein Interview mit Sofia Coppola stattfinden als in einem Hotel?

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Stars und Regisseure sitzen ja fast immer in einem dieser Hotelzimmer, die sich auf der ganzen Welt gleichen, wenn sie interviewt werden, und da nun auch noch der zentrale Schauplatz von Sofia Coppolas neuem Film ein Hotel ist, passt es diesmal sogar ein bisschen.

          Der Film heißt zwar „Somewhere“, irgendwo, aber er könnte genauso gut „Chateau Marmont“ heißen, wie das Hotel, in dem der Held wohnt und in dem ein Großteil des Films spielt. Ein Filmstar im Hotel, das ist die Ausgangssituation. In einem Hotel, in dem, früher zumindest, vor allem Filmstars abgestiegen sind; in dem, so geht die Legende, der junge Billy Wilder, als er völlig abgebrannt und arbeitslos war, an Weihnachten 1935 in einer winzigen Kammer neben der Damentoilette genächtigt haben soll. Was ihn später zu einem dieser Billy-Wilder-Sätze inspiriert hat, lieber schliefe er in einem Badezimmer im „Chateau Marmont“ als in einem anderen Hotel.

          Ein Hotel voller Geschichten von Hollywood

          Sofia Coppola, 39 Jahre alt, die fast scheu und sehr schmal an dem großen Konferenztisch im kleinen Tagungsraum sitzt, kennt die Wilder-Anekdote nicht, obwohl sie das Hotel, das in einer Kurve des Sunset Boulevards aufragt, bestens kennt. Als Kind schon, in den siebziger und achtziger Jahren, war sie dort, weil ihr Vater Francis bisweilen im „Chateau Marmont“ wohnte und arbeitete. Ein Berühmter unter vielen, und entsprechend viele Geschichten gibt es über das Hotel. John Belushi ist dort 1982 in einem Apartment gestorben, Helmut Newton ist 2004 vor dem Hotel mit dem Auto verunglückt und anschließend gestorben, die Rocker von Led Zeppelin sollen mit Motorrädern durch die Lobby gefahren sein, und Britney Spears hat Hausverbot, weil sie sich im Hotelrestaurant Essen ins Gesicht schmierte. Vermutlich wäre es leichter aufzuzählen, welcher Star in den vergangenen Jahrzehnten dort nicht abgestiegen ist.

          Nichts davon bei Sofia Coppola. Es geht ja auch nicht um farbige Hollywood-Folklore aus einem Hotel, das 1929 erbaut wurde, einem französischen Château nachempfunden, wie das Bauherren damals gerne taten in Hollywood. Es ist ein Ort, der für eine Stadt wie Los Angeles schon historisch ist - genau genommen liegt das „Chateau Marmont“ übrigens in West Hollywood.

          Coppolas wiederkehrende Motive

          Aber all das muss man beim Ansehen des Films gar nicht wissen; wer es weiß, für den schwingt es einfach mit. Hier also begegnen wir dem Schauspieler Johnny Marco (Stephen Dorff) in seiner Suite. Er liegt im Bett, verkatert, er hat sich zwei sehr blonde Girls bestellt, die sich Bambi und Cindy nennen, unablässig lächeln und für ihn einen Stangentanz aufführen, mit zusammenlegbaren Stangen. Wenn man dabei zusieht, kann man verstehen, warum er irgendwann einschläft.

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