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Video-Filmkritik : Schwertstreicheleinheiten

Bild: F.A.Z.

Zum sechsten Mal spielt Hugh Jackman einen Mann, der eine Waffe ist, aber mehr als das sein will. Besser als diesmal, in James Mangolds Film „The Wolverine - Weg des Kriegers“, hat das noch nie funktioniert.

          Liebe auf den ersten Blick, bekennt dieser Film, doch, das gibt es. Der Blick muss ja nicht freundlich sein. Die schöne Mariko Yashida (Tao Okamoto) will auf Japanisch wissen, wer denn der Höhlenmensch sei, als er ihr das erste Mal begegnet. Logan (Hugh Jackman) wiederum, den sie mit der Beleidigung meint, wirkt in diesem Moment keineswegs so, als sehne er sich nach der Gesellschaft einer migränesensiblen, sturen und arroganten Zimmerorchidee aus Fernost. Bald werden sie einander festhalten und retten.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Bevor das passieren kann, wird Logan, der in den „X-Men“-Comics des Marvel-Verlags „Wolverine“ heißt - nach einem kratzigen und bissigen Tier, das wir Vielfraß nennen -, rasiert, frisiert und geschrubbt wie eine verdreckte Hauswand. Vor vierundzwanzig Stunden hat er noch nach scheußlichem Fusel gestunken; als Gegengift wurde ihm auf dem Flug nach Japan eine schöne Flasche Hibiki Premium Blended Whisky von Suntory serviert. Denn Marikos Ziehschwester Yukio (Rila Fukushima), Schwert-Akrobatin und Hellseherin, die den Verwahrlosten im Auftrag von Marikos Großvater nach Tokio holen soll, weiß, was der Einsiedler auf dem Weg zurück ins Leben braucht: nicht nur besseren Whisky, sondern auch ein Talent, dem er etwas beibringen kann. Yukio besetzt daher in „The WOlverine“ die Stelle der tödlichen Auszubildenden an Logans Seite. Seine sonstigen Mündel Kitty Pryde (kann durch Wände gehen), Jubilation Lee (Feuerwerk auf zwei Beinen) und X-23 (Wolverines geklonte Tochter) darf man sich in ihr zusammengefasst denken; Logan ist ja gleichsam der inoffizielle Frauenbildungsbeauftragte des Marvel-Universums - was selbst das Gespenst seiner verstorbenen Liebe Jean Grey (Famke Jansen, im Leichenstand noch betörender hochmütig als lebendig) anerkennt.

          Männerfiguren, die das Leben durch den Wolf dreht

          In drei „X-Men“-Dramen (2000, 2003 und 2006), einem prequel zu diesen („X-Men: First Class“, 2009) und einer ziemlich verunglückten Herkunftserzählung („X-Men Origins: Wolverine“, 2009) hatte das Studio 20th Century Fox, dem die Filmrechte an den verworrenen Mutantenstoffen gehören, die man bei Marvel rund um den Buchstaben X gezüchtet hat, Wolverine zuvor ins Kino geschickt. Näher an der Figur als diesmal aber war nicht nur Hugh Jackman noch nie - das, was aus Wolverine spätestens Mitte der Achtziger eines der erfolgreichsten Markenzeichen des Superheldengenres gemacht hat, wird so schnell niemand überzeugender vor die Kamera holen als James Mangold.

          Was den Regisseur daran gereizt haben wird, lässt sich raten, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie behutsam, geduldig und geschickt Mangold in „Cop Land“ (1997), „Walk the Line“ (2005) und „3:10 to Yuma“ (2007) Männerfiguren gezeichnet hat, die das Leben durch den Wolf dreht und mit komplizierten seelischen Frakturen quält. Man hat den Stil dieser Filme „gebrochen realistisch“ genannt, um zum Ausdruck zu bringen, dass Mangold von der fürs Blockbusterkino verbindlichen Überbietungs- und Reizkonfettidynamik Abstand hält. Was will er dann aber im Superheldengenre?

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