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Video-Filmkritik : Mr. Hitchcock, wie haben wir da gelacht

Bild: 20th Century Fox

Eine Komödie über den bedrohlichsten aller Filme: Sacha Gervasi verfilmt die Entstehungsgeschichte von Alfred Hitchcocks „Psycho“. Anthony Hopkins und Helen Mirren brillieren in den Hauptrollen.

          4 Min.

          Wir schreiben das Jahr 1959. Alfred Hitchcock ist einer der berühmtesten Filmregisseure der Welt. Gerade ist „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant erfolgreich in den amerikanischen Kinos angelaufen. Doch Hitchcock liebt seine fertigen Filme nicht, er will sofort mit dem nächsten beginnen. Aber was macht man nach einem Multimillionendollarspektakel mit Superstar und Herumkraxeln auf dem Mount Rushmore? Das Gegenteil: ein preiswertes Kammerspiel mit wenig Schauspielprominenz. Das Resultat heißt „Psycho“.

          Jeder kennt „Psycho“

          Andreas Platthaus
          (apl), Feuilleton

          Mag sein, dass Hitchcock heute nicht mehr in aller Munde ist und - schlimmer noch, denn er war einer der virtuosesten Regisseure des Kinos - seine Filme nicht mehr vor unseren Augen stehen. Was „Psycho“ ist, aber weiß jeder. Ein Verrückter, ein Nervenkitzel, vor allem jedoch ein Film wie kein zweiter.

          Das Wort wurde erst durch Hitchcock zu einem der geläufigsten Prädikate der Umgangssprache. Und das weltweit. Der Film selbst wurde übrigens erfolgreicher als „Der unsichtbare Dritte“. Er wurde erfolgreicher als alles, was Hitchcock vorher oder nachher gemacht hat. Und dieser Mann war sechzig Jahre lang im Filmgeschäft.

          Faszination für blonde Frauen

          Nun ist er selbst Gegenstand eines Films geworden. Nicht zum ersten Mal, denn zum Mythos Hitchcock gehört die These, in seinen abgründigen Werken stecke mehr von ihm selbst als von irgendetwas sonst. Die katholische Erziehung, die Faszination für blonde Frauen, der britische Sarkasmus des Engländers in Hollywood und nicht zuletzt die Marotte, in jedem Film einen winzigen eigenen Auftritt unterzubekommen - all das macht Hitchcocks Karriere zur Leibspeise jener Kino-Gourmands, für die Leben und Kunst in eins fallen. Und nun ist das endlich wirklich der Fall: in „Hitchcock“, einem biographischen Spielfilm über die Produktion von „Psycho“.

          Gedreht hat ihn Sacha Gervasi, ein anderer Engländer in Hollywood, der allerdings Spätstarter ist. Saß der 1899 geborene Hitchcock schon als Dreiundzwanzigjähriger auf dem Regiestuhl, so war Gervasi dreiundvierzig, als 2009 sein Debütfilm „Anvil“ herauskam, ein Dokumentarfilm über eine erfolglose Hardrockband. Der war ein bisschen wie „Psycho“: preiswert, kammerspielartig und ohne große Stars. „Hitchcock“ ist nun der erste Spielfilm von Gervasi und das Gegenteil: aufwendig, starbesetzt, reichhaltige Kulissen (alle Filme, die in Hollywood-Studios spielen, sehen prächtig aus). Und er ist eine Komödie.

          Dichtung und Wahrheit

          Deshalb sieht man schnell: Gervasi wurde nicht angeheuert, weil er ein guter Dokumentarist ist. „Hitchcock“ ist eine Fiktion. Nicht im Kern, denn der Film beruht auf dem Sachbuch „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“, das Stephen Rebello 1990 in Amerika veröffentlicht hat und das nun zum Filmstart auch ins Deutsche übersetzt wurde (Heyne Verlag). Doch diese sorgfältig recherchierte Studie taugte nicht als Drehbuch, weil sie keine Spannung zu bieten hatte. Die entsteht - wer hätte das besser gelehrt als Hitchcock? - durch das hilflose Warten auf ein sicher eintreffendes Ereignis, das den Helden gefährdet. Bei „Psycho“ lief aber alles glatt, wenn man von Nickligkeiten mit dem Paramount-Studio und der amerikanischen Filmzensur absieht.

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