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Video-Filmkritik : Königin Cate im Puppenheim: „Elizabeth - Das goldene Königreich“

Bild: Universal

Cate Blanchett hat sich gesträubt, doch zum zweiten Male spielt sie nun die Rolle der Queen. „Das goldene Königreich“ zeigt schöne Bilder und verweigert seiner Heldin, was sie dringend bräuchte: einen starken Gegner.

          Cate Blanchett soll sich gesträubt haben, die Rolle der Queen ein zweites Mal zu spielen. Das spricht für ihren Instinkt. Seit sie 1998 durch Shekhar Kapurs „Elizabeth“ berühmt wurde, ist viel Wasser die Themse hinunter und noch mehr Zelluloid durch die Filmprojektoren geflossen. Blanchett war als Katharine Hepburn in Scorseses „Aviator“, als Elfenkönigin Galadriel im „Herrn der Ringe“, als leidende Liebende bei Tom Tykwer und Steven Soderbergh und als Bob-Dylan-Verkörperung bei Todd Haynes zu sehen; im nächsten „Indiana Jones“-Film wird sie die weibliche Hauptrolle spielen. Cate Blanchett ist die zukünftige Königin von Hollywood. Als Elisabeth die Ältere, mag sie sich gedacht haben, könnte sie nur verlieren. Sie hat sich nicht geirrt.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.


          Aber der Film tut alles, um diese Rückkehr wie einen Sieg aussehen zu lassen. Nie ist eine Schauspielerin erlesener gekleidet, komplizierter frisiert, perfekter geschminkt aus der Garderobe gekommen. Die Kamera fällt vor ihr auf die Knie, bevor sie es wagt, sie anzuschauen, oder sie umkreist sie wie ein verrückter Schmetterling die Blüte, die ihn verschlingt. Von den Drehorten, darunter die Kathedralen von Winchester, Wells und Ely, ist gerade so viel zu sehen, wie der gotische Zauber von Königin Cate zu seiner Entfaltung braucht. Wer „Die Queen“ von Stephen Frears für einen royalistischen Film hält, hat „Elizabeth - Das goldene Königreich“ noch nicht gesehen. Hier wird die ästhetische Messe der Monarchie gesungen, mit Geigen und Chören, mit Puder, Pulver und Blei. Um unter die Heiligen des Kinos aufgenommen zu werden, um ihre Vorgängerinnen Bette Davis, Jean Simmons, Glenda Jackson, Helen Mirren und Judi Dench endgültig auszustechen, brauchte Blanchetts Elisabeth eigentlich nur noch eins: einen starken Gegner, einen würdigen Feind. Aber den gibt der Film ihr nicht.

          Blanchett radebrecht auf Deutsch

          England im Jahr 1586. Seit der Machtergreifung der jugendlichen Bess, von der Kapurs erster „Elizabeth“-Film erzählt hat, sind fast drei Jahrzehnte vergangen, doch ihr Thron schwankt heftiger als je zuvor. In Spanien freut sich Philipp II. (Jordi Mollà) schon darauf, die Länder seiner verhassten anglikanischen Schwägerin - der wirkliche Philipp war mit Elisabeths Halbschwester Mary Tudor verheiratet - unter seiner Verwandtschaft aufteilen zu können. In Schloss Fotheringhay sitzt Maria Stuart (Samantha Morton) und sinnt auf Rache an der Britin, die sie gefangen hält. Und am Londoner Hof geben sich die erlauchten Brautwerber die Klinke in die Hand, denn Elisabeth ist noch immer unverheiratet.

          Wer sich die Freude machen will, Cate Blanchett auf Deutsch radebrechen zu hören, sollte sich die Originalversion ansehen, in der die Monarchin mit einem habsburgischen Erzherzog (Christian Brassington) in seiner Muttersprache parliert. Doch der Flirt der Majestäten verpufft, denn es erscheint Sir Walter Raleigh (Clive Owen), ein Mann, den die Spanier hassen und die Franzosen verachten, und berichtet von einer Welt jenseits des Meeres, voll von Kartoffeln, Tabak und wilden Indianern. Seine Königin, hungrig nach Geschichten aus dem wirklichen Leben, leiht ihm ihr Ohr. Noch am selben Abend beginnt sie zu rauchen.

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