https://www.faz.net/-gs6-nox9

Video-Filmkritik : „Karger“: Was von der Heimat übrig bleibt

  • -Aktualisiert am

Bild: Novapool Pictures

Je länger dieser Film dauert, desto roher entfaltet sich seine Poesie: „Karger“ spielt in der heruntergekommenen ostdeutschen Stahlstadt Riesa, in der ein Arbeiter nach Entlassung und Scheidung den Boden unter den Füßen verliert. Ein eindrucksvolles Regiedebüt mit Laiendarstellern.

          1 Min.

          Ein Heimatfilm ist eigentlich jeder Film, wenn man ihn entsprechend anschaut. So auch „Karger“, das ganz gegenwärtige Debüt der Berliner Regisseurin Elke Hauck, das beim Max-Ophüls-Preis 2007 mit dem „Preis des Ministerpräsidenten“ ausgezeichnet wurde. Hauck beschreibt einen Mann in der Lebenskrise, einen Stahlarbeiter in der heruntergekommenen ostdeutschen Stahlstadt Riesa, ein Film, der, je länger er dauert, eine rohe Poesie entfaltet.

          Er beginnt wie François Ozons „5 × 2“: Der Mann lässt sich scheiden und geht gleich danach mit der Exgattin ins Bett. Doch im Gegensatz zu Ozon blickt der Film nicht zurück, sondern entfaltet dieses prekäre Zweierverhältnis in die Zukunft: Der Held begegnet neuen Frauen und weiß selber nicht, ob er wieder zur Mutter seines Kindes zurück will oder lieber mit der Barbedienung etwas anfängt. Oder mit der Lolita des Viertels.

          Zur gleichen Zeit wird er entlassen, weil das Werk von Franzosen übernommen wurde, und so ist „Karger“ auch das Porträt einer Arbeitswelt, die verloren geht. Die Bilder Patrick Orths, der hier mit einer Digitalkamera gearbeitet hat, lassen an andere Filme junger Berliner Regisseure wie Ulrich Köhler und Valeska Griesebach denken. Sogar das Stahlwerk mit seinen alten, fast unwirklich massiven Maschinen ist hier schön und hat ein Geheimnis. Vielleicht ist es das, was von der Heimat übrig bleibt.

          Weitere Themen

          Verwischte Schrift

          Neues Buch von Patrick Modiano : Verwischte Schrift

          Ein Mann, eine Erinnerung an eine verschwundene Frau, eine Suche, die quer durch die Zeit führt: Patrick Modianos neuer Roman „Unsichtbare Tinte“ beschreibt eine Suche nach Resonanz.

          Was dieses Jahr anders sein wird Video-Seite öffnen

          71. Berlinale : Was dieses Jahr anders sein wird

          Die Pandemie hat die Filmbranche hart getroffen. Und auch die Berlinale musste sich anpassen. Am 1. März startet der erste Teil des Festivals als Online-Event.

          Topmeldungen

          Sturm auf die Leipziger Stasi-Zentrale „Runde Ecke“ am 4. Dezember 1989

          Bürgerrechtler im Streit : Wer wacht über die Revolution von 1989?

          Tobias Hollitzer und Gesine Oltmanns waren in der Bürgerrechtsbewegung der DDR. Heute reden sie kein Wort mehr miteinander. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen von Aufarbeitung. Wer hat die Deutungshoheit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.