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Video-Filmkritik : Ist eh alles iranisch gemeint

Bild: Paramount

Sacha Baron Cohens grell-braver Filmjux „Der Diktator“ gibt sich alle böse Mühe. Als Satire funktioniert er nicht, als Humor-Wellness-Sitzung jedoch durchaus.

          4 Min.

          Zwei Nordafrikaner streiten darüber, ob man sich die Augen mit den Fingern zu Schlitzen verziehen darf, wenn man Chinesen imitiert oder ob das nicht vielleicht rassistisch ist. Schmunzelkonfekt zartbitter, Güteklasse „Pardon“ von 1963. Ein Diktatorendoppelgänger wird geschult: Der dreckige Ziegenhirt, dem man die Rolle über den struppigen Kopf stülpt, hält Frauenbrüste für etwas, das zum Melken da ist - Herrenwitzchen aus der Businessclass.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein vegan-feministisch-kollektiv-basisdemokratisch-gewaltfrei-transgendered-flüchtlingsfreundlich-sozial-geführter Lebensmittelladen beschäftigt einen Schwarzen, dessen Stamm nichts von Geld weiß, an der Kasse, und eine Frau, der Kriegswaffen beide Arme abgerissen haben, als Regalpackerin - bildschöner Schenkelklopfer für „Junge Freiheit“-Abonnenten. Der Ausgewogenheit halber - man ist ja doch irgendwie links und gegen Kapital, Staat, Imperialismus sowie fiese weiße Weltordner - kriegt Dick Cheney nebenbei eins übergebrezelt. Schelte für George W. Bush wäre wohl zu offensichtlich gewesen; das nächste Mal setzt es dann vielleicht Bosheiten wider Richard Nixon oder gleich Kaiser Konstantin.

          Youporn und Reality-Fernsehschmutz

          Was soll der Mist? Wozu das am Computer erstellte protzige Wüstenpanorama einer Herrscherresidenz in irgend so einer noch nicht per Nato-Menschenrechts-Strafexpedition dem Westen und Norden gefügig gemachten Fiktivhölle samt Massenszenen voll gesichtsloser brauner Körper in unmodischen Hemden und Hosen? Wer braucht abgestandene Radikalauer aus Michael Moores allerunterster Schublade (“Amerika, erbaut von Schwarzen, aufgekauft von Chinesen“)?

          Wen freuen im Jahr 2012, umzingelt von Youporn und Misanthropen-Reality-Fernsehschmutz, noch das An-die-Scheibe-Klatschen männlicher und die manuelle Höhlenforschungszweckentfremdung weiblicher Genitalien? Wer um alles in der Welt will ausgerechnet Megan Fox und Edward Norton bei der erniedrigendsten Beschäftigung begaffen, die abgehalfterten Zelebritäten angetragen werden kann, nämlich dem gequält lächelnden oder schmollmundig überzogenen Sich-selbst-auf-die-Schippe-Nehmen?

          Ein Komiker im Formtief

          Als Komiker befindet sich Sacha Baron Cohen derzeit im Formtief. Halten zu Gnaden, auf zwanzig Rohrkrepierer der beschriebenen Art kommt in „Der Diktator“ zwar jeweils ein leidlich mentholstarkes Knallbonbon. „Die Polizisten hier sind solche Faschisten!“, schimpft die Feministin, und der totalitär gesinnte Migrant gibt ihr recht: „Genau, und das ist nicht lobend gemeint!“ Auch die Bemerkung, Mahmud Ahmadineschad sehe aus wie ein Spitzel bei „Miami Vice“, hat Charme.

          Aber das Hauptproblem der ganzen Veranstaltung bleibt ein politisch-ästhetisches, das Cohen mit seinem aufopferungsvoll hochkinetischen Körpereinsatz (sehr hübsch: ein erwachsener Mann, instruiert von einer emanzipierten Frau hinter der Tür, lernt mühevoll das Onanieren) immer nur für ein paar Sekunden, einen gedämpften Gag, eine halbe Szene aufheben kann: Die Lächerlichkeit des Dritte-Welt-Schurken ist für einen Film aus der Ersten Welt nun mal humorgefährdend kostenlos, die komplementäre Lächerlichkeit der Ersten Welt aber kann das, was dieser Dritte-Welt-Schurke erleidet oder lernt, nur dann enthüllen, wenn sein durch und durch unsympathisches Empfinden, Denken, Sprechen und Tun irgendwie ins Uneigentliche, nicht mehr ganz so Entsetzliche, also Verharmlosende überführt wird.

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