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Video-Filmkritik: „Inside Wikileaks“ : Einer ist alle, und alle sind er

  • -Aktualisiert am

Bild: Constantin

Hier gibt es keine Helden und kein Happy End: „Inside WikiLeaks“ will lieber Dokument sein als filmische Phantasie - und verfehlt gerade darin den Stoff.

          An Benedict Cumberbatch kann man sich nicht sattsehen. Mit seiner weichen, sinnlichen Erscheinung, den gewellten Haaren und auffällig geschwungenen Lippen hat er schon von Natur aus Präsenz. Nicht weil er die markante Schönheit eines George Clooney mitbrächte, sondern weil man ihn einfach nie wieder vergisst. Er ähnelt niemandem, niemand ähnelt ihm. Er ist einzigartig im Sinne dieses Wortes. Und wenn er zu spielen beginnt, dann wird der Glaube an ihn Gewissheit: Er ist groß und doch ganz klein, er stolpert und bewegt sich doch grazil, er lächelt verführerisch und ist dabei beinhart.

          Die erste Anmaßung

          Der Brite ist jetzt in der Rolle des Australiers Julian Assange im Kinofilm „Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt“ zu sehen. Wie passend, denkt man. Nach dem genialen Außenseiter Sherlock Holmes in der preisgekrönten, wagemutigen englischen Fernsehserie „Sherlock“ und seiner Rolle als Khan, dem Gegenspieler von Spock in „Star Trek: Into Darkness“, verkörpert er nun abermals einen nicht greifbaren und wohl auch nicht begreifbaren Charakter. Julian Assange gehörte schon mit siebzehn Jahren zu den ersten Computer-Hackern: Im Jahr 1989 knackte er als „Mendax“ das amerikanische Militärnetzwerk und das Netz des Pentagon - gleichzeitig ist er ein Stolperer, der Hürden jedoch zu nehmen weiß.

          Jetzt aber sitzt er fest, in der Botschaft von Ecuador, und soll wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung nach Schweden ausgeliefert werden. Wir kennen ihn und seine Geschichte, wie sie in den Medien erzählt wird. Und „Inside WikiLeaks“ ist nicht der erste Spielfilm über Julian Assange; „Underground“ erzählte 2012 zum Beispiel seine Hackerjugend. Allerdings ist „Inside Wikileaks“ der erste Film, der sich eine Deutung dieses Charakters anmaßt.

          Gleichbleibendes Assange-Wahn-Level

          In „Sherlock“ war Benedict Cumberbatch der sanfte, verspielte, mit unerreichbaren Sinnen ausgestattete Hochintelligente. Verkleidung war in dieser Rolle kaum nötig, Ausdruck umso mehr. Als Julian Assange, der seine Haare stets blond gefärbt hat (weil es in der Sekte seiner Eltern Vorschrift war), gelingt ihm die Symbiose mit der Rolle leider nicht: Zu sehr spürt man die Anstrengung der Imitation. Der Wille zur (unmöglichen) Kopie bringt Cumberbatch auf einen gleichbleibendes Assange-Wahn-Level, den er nur angestrengt bis zum Ende hält. „Gibt man einem Menschen eine Maske, dann sagt er dir die Wahrheit“, behauptet der Schauspieler, das heißt die Figur, an einer Stelle. Doch er selbst kann hinter seiner Assange-Maske keine Wahrheit aussprechen.

          Wie konnte ein so guter Schauspielers hier scheitern? Die Regie führte Bill Condon, Autor ist Josh Singer, der seinen Namen der Fernsehserie West Wing verdankt. Das Ergebnis ist, was diese Namen versprechen: kein Autorenkino, sondern ein Film für Leute, die sich nicht auskennen, die vielleicht erst durch die jüngsten NSA-Enthüllungen und ihre eigene Betroffenheit Interesse am Thema entwickeln - und nun erzählt bekommen wollen, was geschah.

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