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Video-Filmkritik : Immun gegen das Böse: „Das Parfum“

Film-Kritik: Ben Whishaw in "Das Parfum" Bild: Constantin Film Produktion

Gescheitert am Bestseller: „Das Parfum“ von Tykwer und Eichinger macht auf den ersten Blick mächtig Eindruck, doch wenn der erste Bildersturm sich gelegt hat, wird es bieder und in aller Opulenz steril.

          Nun steht der Film da, vor den Augen des Publikums. Er wartet wie sein Held auf dem Richtplatz. Sein Schicksal ist noch offen, das Fläschchen noch geschlossen, dessen Inhalt alle verzaubern soll. Wie im „Parfum“ ist das der Moment für eine Rückblende, ins Jahr 1999, in ein Büro in Schwabing. Bernd Eichinger sprach nüchtern über den bevorstehenden Börsengang der Constantin-Film und voller Leidenschaft über „die Obsessionen der Figuren, die Abgründe, die Frage, wie weit soll man im Leben gehen?“ - das war es, was ihn an Helmut Kraussers Callas-Biographie gereizt hatte. Er wußte, daß „Der Große Bagarozy“ kein kommerzieller Erfolg sein würde, und er war stolz auf seine erste Kinoregie. Und er empfand es nicht als Bewußtseinsspaltung, daß ihm die Arbeit an den „Werner“-Filmen genausoviel Spaß gemacht hatte.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          1999 war eines der großen Jahre von Bernd Eichinger, nicht sein erstes, nicht sein letztes, aber eines, in dem er seine ganze Spannweite zwischen Börsenkurs, „Ballermann“ und „Bagarozy“ demonstrierte. Es gab auch Jahre wie 2002, in denen hätte das deutsche Kino ohne seine Filme zwei Drittel weniger Zuschauer gehabt. Und neben den mehr als sechzig Filmen, die er produziert hat, sind da noch die Filme, bei denen er in den Schneideraum kam, Regisseuren aus der Sackgasse half und unerwähnt blieb. Als andere deutsche Produzenten Hollywood noch für ein Luftschloß hielten, unterhielt er dort schon ein Büro. Und gerade weil er nie Filmpolitiker sein wollte, hat sein Einfluß filmpolitisch mehr bewirkt als der Eifer der Funktionäre. Er war die treibende Kraft hinter der Deutschen Filmakademie und mußte erleben, daß diese 2005 seinen Hitler-Film „Der Untergang“ leer ausgehen ließ. Wenn man beobachtet hat, wie er nach der Gala im Foyer der Berliner Philharmonie stand, müde, mürrisch, kettenrauchend, von Höflingen umringt, war klar, daß ihn das trotz Oscar-Nominierung, trotz viereinhalb Millionen Zuschauern getroffen hatte.

          Der schneidige Produzent und der weltscheue Autor

          Inzwischen ist Bernd Eichinger längst kein Vorstandsvorsitzender mehr. Er hat im Januar 2006 auch seine Beteiligung verkauft, für 36 Millionen Euro, der Constantin ist er nur noch durch einen Produzentenvertrag verbunden, und er hat versucht, sich selbst neu zu erfinden. Seit dem „Untergang“ sind die Produktionen des 57jährigen immer auch Arbeit am Nachruhm. Und jetzt hat er über den Plot von „Rossini“ triumphiert, weil er 2001 dann doch die Rechte an Patrick Süskinds Bestseller „Das Parfum“ bekam, nachdem sich in Helmut Dietls Film, dessen Drehbuch von Süskind stammt, Eichingers Alter ego, der schneidige Produzent, an Süskinds Alter ego, dem weltscheuen Autor, die Zähne ausgebissen hatte.

          Eichinger hat erkannt, daß es andere Regisseure braucht, wenn man mehr will als den durch geschickte internationale Vorverkäufe gesicherten Kassenerfolg, wenn man das Etikett Literaturverfilmungsweltmeister loswerden möchte, ein Wort, das er haßt, auch wenn er nun mal der Produzent ist, der den „Namen der Rose“, „Das Geisterhaus“ und „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gemacht hat. Er hat es mit Oskar Roehler, dem Regisseur, der aus dem Underground kam, probiert bei den „Elementarteilchen“ - und ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Beim „Parfum“ hat er es mit Tom Tykwer versucht, der seit „Lola rennt“ zwar keinen großen Erfolg mehr gehabt hat, der jedoch im Gruppenbild der Eichinger-Regisseure sofort auffällt.

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