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Video-Filmkritik: „Ich reise allein“ : Familienkino für Strubbelmenschen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Neue Visionen

Ein kauziger Student erfährt, dass er Vater eines sieben Jahre alten Mädchens ist. Stian Kristiansen erzählt mit „Ich reise allein“ eine Familienkomödie ohne Kitsch und happy end.

          Komische Käuze sind im norwegischen Film gern gefragt. Mit liebevoller Geste werden sie von ihrem Außenseiterposten in die Gesellschaft zurückgeholt, ohne ihnen das Recht auf Anderssein zu nehmen. Der Witz besteht vor allem im feinen Ziselieren eines Charakters, dessen eigenbrötlerische Verschrobenheit als eine spezielle Facette des Menschseins hingenommen wird.

          Vielleicht ist ja ein jeder, betrachtet man seine Gewohnheiten einmal haargenau, ein Sonderling, ganz und gar aber, zumindest in den Augen der mit "gesundem Menschenverstand" ausgestatteten Mehrheit, wenn jemand ein abseitiges Thema wie "Körperformen bei Proust" bearbeitet und in einer mit Manuskripten vollgestopften Studentenbude haust.

          Das Ergebnis einer wilden Partynacht

          In diesen, von Partys und einer noch unsicheren Liebelei belebten Alltag des hoffnungsvollen Literaturstudenten Jarle im schönen Bergen schneit eines Tages aus Oslo ein munteres siebenjähriges Mädchen herein, das der vorauseilende Brief der Mutter dem Ahnungslosen als seine eigene Tochter angekündigt hat - die Frucht einer längst vergessenen "irren Nacht".

          Zum Glück soll der kleine Gast nur eine Woche lang bleiben und treten bald Freundin und Freunde dem überforderten Vater helfend zur Seite. Einer versucht sogar, der neugierigen Charlotte Isabel zu erklären, was Studenten eigentlich treiben: "Wir tun so, als ob wir denken."

          Keine typische Familienkittgeschichte

          Der bereits vierte Spielfilm von Stian Kristiansen, 1972 geboren, ist weder eine Sozialklamotte noch eine sentimentale Familienkittgeschichte, an deren Ende Vater, Mutter und Kind in trauter Harmonie zusammengefunden haben - obwohl Letzteres eine Fotopose lang mal so aussehen darf. Auch die Vereinigung von "Proletariat" (Lottes Mutter verdient ihr Geld als Kassiererin im Supermarkt) und "Intelligenz", auf die ein Freund Jarles ironisch anspielt, steht in diesem überzeugenden Humorbeweis keineswegs auf der Tagesordnung.

          Vielmehr geht es um das Abtasten divergierender Lebensformen und -formeln. Einzig die Biologie, die Kraft der Hormone, scheint in der Lage, zu vereinen "was die Mode streng geteilt", um es mit Schiller zu sagen, und den durch Herkunft und Bildung vorgeprägten Standesstatus einmal vergessen zu lassen.

          Untermalt von skandinavischem Pop

          Kristiansen führt die Darsteller, in deren Mitte Rolf Kristian Larsen mit unsicherem Blick den Vater auf Probe gibt, als ein spielfreudiges Ensemble, das es mit sichtlichem Vergnügen auskostet, Lottes Geburtstag in ein ausgelassenes Kostümfest zu verwandeln.

          Andere Späße sinnenfreudiger Art kommen hinzu. Norwegische Popgruppen fahren die Stimmung zusätzlich hoch. Doch hat jede Komödie einmal ein Ende, das bei "Jeg reiser alene" ganz folgenlos ausfällt.

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