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Video-Filmkritik : Ich bin zwei Öltanks: „Transformers - Die Rache“

  • -Aktualisiert am

Bild: Paramount Pictures

Bombastische Materialschlacht mit satanischem Beigeschmack: Michael Bays Kinospektakel „Transformers - Die Rache“ ist vereint mehrere Blockbuster und noch ein paar billigere Genres dazu.

          Die Pyramiden von Gizeh sind fraglos ein altes, ehrwürdiges Gemäuer. Ihrer besonders einleuchtenden Form wegen werden sie immer wieder mit Funktionen in Verbindung gebracht, die nicht rein irdisch sind. Sie gelten dann als Weltraumflughafen, galaktische Poller oder interstellare Steckdosen. Auf jeden Fall erscheint der Gedanke ungenügend, dass die vielen Steine nur dazu da sind, ein paar Grabkammern alter Ägypter zu bedecken. Irgendein Geheimnis muss sich noch darunter verbergen. Doch wer soll es lüften?

          In Michael Bays neuem Spektakel „Transformers - Die Rache“ weist anfänglich gar nichts in das Reich der Pharaonen. Der Prolog führt uns in eine vorzeitliche Epoche, in der die Menschen von den Tieren noch schwer zu unterscheiden waren, so dass die Armee der Finsternis, die sich da 17.000 B. C. auf dem Planeten Erde tummelt, auch noch als toter Arm der Evolution durchgehen könnte. Sie stammt jedoch aus dem dunklen All. Denn das ist die Leitidee der „Transformers“-Serie: Figuren, die eigentlich Plastikspielzeug der lizenzierenden Firma Hasbro sind, erscheinen als Repräsentanten alter Rassen von irgendwo da draußen. Sie halten sich auf unserem Planeten in der Regel versteckt, bevorzugt treten sie als Automobile auf, und nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, „transformieren“ sie sich und werden zu den meistens turmhohen Schreckschrauben, die dem jugendlichen Helden Sam Witwicky (Shia LaBeouf) entweder zur Seite stehen oder an die Wäsche gehen.

          Metaphysische Fallhöhe

          Es gibt gute Transformers (sie heißen Autobots), und es gibt böse Transformers (sie heißen Decepticons). Und es taucht in „Transformers - Die Rache“ noch eine weitere Untergruppe der kosmischen Titanen auf, die weit in die Vergangenheit des Planeten zurückreicht und die im englischen Originaltitel einen satanischen Beigeschmack bekommt: „Transformers - Revenge of the Fallen“ verweist auf Himmelssturz und metaphysische Fallhöhe, übertreibt damit aber schamlos, denn es handelt sich allenfalls um Stolpergeister.

          Unter den Blockbuster-Regisseuren im gegenwärtigen amerikanischen Kino ist Michael Bay derjenige, der einen besonders weiten Bogen zwischen den Dimensionen der Bedrohung und den Graden der Erregung zu spannen vermag. Bei ihm geht es immer um alles (den Planeten, die Menschheit, die Zukunft, „Armageddon“), aber es ist immer nur ein großes Spiel, bei dem alle Helden kräftig ihre Zunge in die Wange schieben. Als er 2007 mit „Transformers“ an den Start ging, war gleich klar, dass er endlich seine ultimative Formel gefunden hatte. Denn die Geschichte erinnert vage an die alten Sagen, die sich die Menschheit seit 3000 Jahren erzählt, passt aber hervorragend in die Schwundstufe des technologischen Zeitalters. Die „Transformers“ wirken ein wenig so, als hätte jemand Prometheus mit einem Rauhhaardackel gekreuzt und die Seele dieses Monsterls einem Playmobil eingepflanzt, das dann im Maßstab 1:500 in Serie geht.

          Mehr als nur ein Film

          Wer findet, das seien arg viele Vermittlungsschritte, hat recht und bekommt zugleich einen Eindruck vom Ausmaß der Motivklitterung in zeitgenössischen amerikanischen Großproduktionen. Da die meisten dieser Filme inzwischen so viel kosten wie ganze Jahresproduktionen einst stolzer Filmnationen zusammen, müssen sie auch danach trachten, mehr als nur ein Film zu sein. Sie funktionieren deswegen nach dem Prinzip des von der Berliner Band Britta besungenen Werbeslogans: „Ich bin zwei Öltanks.“

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