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Video-Filmkritik : Geld oder Liebe: „Jerichow“

Bild: Piffl Medien

Zwei Männer und eine Frau in einer Landschaft, wie man sie nur am Rande Deutschlands findet: Christian Petzolds „Jerichow“ mit Nina Hoss, Benno Fürmann und Hilmi Sözer ist ein präzises, todtrauriges Kammerspiel.

          3 Min.

          Bevor wir das erste Bild vor Augen haben, hören wir die Totenglocken. Sie läuten, solange die Liste mit den Namen der Beteiligten läuft, gerade so, als sähen wir das Ende und den Abspann, nicht den Anfang und den Vorspann eines Films. Und tatsächlich beginnt Christian Petzolds „Jerichow“ mit dem Ende einer Geschichte. Nach der Beerdigung seiner Mutter wird Thomas (Benno Fürmann) von seinem alten Freund Leon (André Hennicke) abgeholt, dem er Geld schuldet und der einen Schläger mitgebracht hat, es einzutreiben.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie fahren zu dem Haus, das Thomas von seiner Mutter geerbt hat, einem baufälligen Gebäude am Friedrich-Engels-Damm 1, irgendwo im Nirgendwo der Prignitz. Er habe kein Geld, behauptet Thomas erst, doch Leon findet das Versteck mit einem Packen Banknoten, und sein Begleiter zieht Thomas den Totschläger über den Kopf. Nach einem Anfang wie einem Ende ist die Geschichte nach fünf Minuten eigentlich schon wieder vorbei.

          Die zweite Chance

          Doch Thomas bekommt eine zweite Chance. Er erwacht, und es beginnt eine neue Geschichte. Und zwar eine, die wir im Kino schon mindestens viermal mit so unterschiedlichen Darstellern wie Michel Simon, John Garfield oder Jack Nicholson, Clara Calamari, Lana Turner und Jessica Lange gesehen haben, eine Geschichte, die es als Oper gibt und als Theaterstück und als allererstes und Quelle von alldem natürlich als Roman. James M. Cain hat ihn 1934 unter dem Titel „The Postman Always Rings Twice“ veröffentlicht, und wenn die Filme, die Pierre Chenal, Tay Garnett, Luchino Visconti und Bob Rafelson daraus gemacht haben, etwas miteinander verbindet, so ist es die hitzige Begierde, die die Aussicht auf viel Geld den Figuren durch die Adern jagt.

          Christian Petzold, der sein eigenes Drehbuch geschrieben hat, bezieht sich nicht direkt auf Cain, aber mindestens einmal (in einer hastigen Sexszene im Flur) direkt auf Rafelson. Und das Einzige, was wir bei ihm nicht sehen, ist die Leidenschaft. In der Geschichte vom jungen Mann, der einer schönen Frau den älteren Ehemann töten will, um mit ihr gemeinsam dessen Reichtum zu genießen (was in keinem der Fälle klappt), war sie immer Teil der Gier. Nicht bei Petzold. In seinem spröden Kino, das einsame Figuren in leeren Landschaften plaziert, bleiben Körper ohne Sinnlichkeit. Alles ist kontrolliert, die Schönheit wie die Gewalt - Petzolds formale Strenge ist auch hier wieder faszinierend. Wären da nicht die Darsteller, die bei Petzold immer besser sind als bei anderen Regisseuren, sähen wir überhaupt kein Leben. Und tatsächlich stehen die Menschen innerlich mit einem Bein im Grab. Das Geld spielt in jeder Szene mit, aber es befeuert die Figuren nicht. Es stürzt sie einfach nur ins Unglück. Es zerstört, was sein könnte, und das, was war.

          Verlorenheit, die nie sentimental wird

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