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Video-Filmkritik : Zerstampfter Dampf

Bild: Warner

Seit sechzig Jahren gibt es Filme, in denen das berühmte Untier Godzilla wütet. Gareth Edwards will sie alle zusammenfassen und schenkt dem Publikum monströses Behagen.

          4 Min.

          Goldene Worte, würdig ausgesprochen vom großen Ken Watanabe: „We call him ... Gojira.“

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Ihre ansehnlichsten Momente feiert die computergehäkelte Megamonsterei, um die es hier geht, immer dann, wenn sie gerade mal nicht keucht, stöhnt, brüllt oder kreischt, sondern Watanabe einen Satz wie den zitierten sagt oder der Regisseur Gareth Edwards seine Bilder der geneigten Betrachtung darbietet wie einen breit ausgerollten düsteren Prunkteppich: zwei Soldaten in tiefer Nacht auf einer Eisenbahnbrücke, unter sich das glühende Auge einer Scheußlichkeit. „Caesar’s Palace“ und ringsum Las Vegas als halb pulverisierte, halb ausgeweidete Schutt-Installation.

          Am allerbesten: Der Halo Jump, eine militärische Spezialeinheit im freien Fall durch grabhügelartig übereinandergeworfene Wolkenschichten - diese Szene hat den Trailer für „Godzilla“ zu einem der schönsten Clips gemacht, die man in letzter Zeit im Kino bewundern durfte; der Film selbst kann das nicht in allen, aber doch in genügend vielen Einzelheiten einlösen.

          Vater-Mutter-Kind im Katastrophengewitter

          Die leidigste unter seinen Schwächen ist der penetrante Familienschleim, der die Löcher im Plot zuschmieren soll, das öde Auseinandergerissenwerden und Wiederzusammenfinden der Einheit Vater-Mutter-Kind im Katastrophengewitter. Papa ist Soldat, Mama ist Krankenschwester, und das Balg ist niedlich - Lebt Daddy noch, ist Mommy verschüttgegangen? Einige Male setzt es zur Bekräftigung dieser Motivkonstellation reaction shots auf Kindergesichter: ein kleines Mädchen mit Blumenkette, ein sprachlos entsetzter Junge, der seinen Eltern im Getümmel abhandenkommt; wahrlich, das Wort „kids“ klingt nicht umsonst so, als würde ein Dreijähriger versuchen, das Wort „Kitsch“ auszusprechen.

          Handwerklich ist freilich auch dieses dumpfe Zeug überdurchschnittlich sicher inszeniert; dass Edwards Talent für zehn seinesgleichen mitbringt, weiß man ohnehin seit „Monsters“ (2010), seinem wundervollen Spielfilmdebüt, aus dem er für „Godzilla“, seinen Großversuch im Genre „Kommerz mit Herz“, einige Einfälle gemopst hat, was er fraglos darf, weil sie ihm gehören.

          Zwei Stützen erhalten „Godzilla“ über die volle Doppelstundenlänge aufrecht: erstens der oben bereits gelobte und überhaupt nicht genug zu preisende Watanabe, der hier abermals beweist, dass im westlichen wie östlichen Kino niemand so unangenehm überrascht staunen kann wie er, wenn die Welt ins Wackeln gerät; und zweitens die königliche Echse selbst, der alte Giga-Rabauke, den der westliche Volksmund „Godzilla“ nennt, während die japanische Sachkenntnis „Gojira“ sagt und die kleine Schar derer, die ihn am ärgsten lieben, zärtlich von „Zilly, King of the Monsters“ flüstert.

          Bleibt dem Gojira-Kanon treu

          Der Gigant ist sechzig Jahre alt, und Edwards erweist ihm in jeder Hinsicht die Achtung, die das Wesen verdient - er weiß zum Beispiel, dass es Designmuster gibt, an denen man nur mit größter Vorsicht herumexperimentiert, das Logo von Coca-Cola, Hammer und Sichel, die Daleks -, und sein Godzilla sieht daher, obwohl ihm avancierte Computergraphik jede Freiheit ließ, immer noch aus wie ein ungeschlachter Mensch, der in einem Gummikostüm steckt, das ein Irrer entworfen hat, der einen Stegosaurus nicht von einem Tyrannosaurus und beide nicht von einem Flammenwerfer unterscheiden kann.

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